Unter einem Dach

Kulturhistorisches Museum und Naturkundemuseum sind unter einem Dach in der Magdeburger Otto-von-Guericke-Straße 68-73, Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 18 Uhr. Eintritt 5 Euro, erm. 3 Euro, Besucher unter 18 Jahre Eintritt frei.

Zwei Dauerausstellungen im Kulturhistorischen Museum und im Naturkundemuseum sind komplettiert. Der Blick richtet sich jetzt nach vorn. Reformations- und Bauhausjubiläum, eine große Ausstellung zum Magdeburger Recht. Grit Warnat sprach mit Museumschefin Gabriele Köster über die Pläne des Hauses.

Volksstimme: Frau Dr. Köster, als Sie 2013 das Haus übernommen haben, sagten Sie, Sie wollen mit den Sammlungen präsent sein. Zwei Dauerausstellungen sind fertig. Sind Sie zufrieden?
Gabriele Köster:
Sehr. Für das Naturkundemuseum ist der gesamte Erzählbogen von der Entstehung des Lebens über die Lebensräume in Sachsen-Anhalt bis hin zum Eiszeitalter und Klimawandel fertiggestellt. Im Kulturhistorischen Museum zeigen wir die Stadtgeschichte von der Ersterwähnung 805 bis heute. Geplant ist aber noch eine dritte Dauerausstellung zu den historischen Kunstsammlungen.

Ein Großteil der im Krieg ausgelagerten Kunstsammlungen ist doch verschollen.
Leider, aber unsere Gemäldesammlung umfasst heute noch 400 Werke, zwar nicht die ganz großen Namen, aber durchaus sehr interessante Objekte von der Antike bis zum Ersten Weltkrieg. Wir hatten Gemälde, die in der Reichsbank ausgelagert waren, auch unsere Bildteppiche haben den Zweiten Weltkrieg überstanden. Wichtige Exponate, für die das einstige Kaiser-Friedrich-Museum mit seiner großen Sammeltätigkeit bekannt war, wollen wir im oberen Rundgang um den Kaiser-Otto-Saal zeigen. Es werden Räume der Kunstbetrachtung.

Wie weit sind Sie mit den Planungen?
Wir hoffen, dass wir die historischen Kunstsammlungen noch in diesem Jahr zeigen können. Das ist sehr ambitioniert, aber das Konzept und die Objektauswahl stehen, bereits seit zwei Jahren werden Exponate dafür restauriert. Die räumlich-gestalterische Konzeption ist in Auftrag gegeben.

Das Reformationsjubiläum steht bevor. Was wird Ihr Haus 2017 thematisieren?
"Gegen Kaiser und Papst - Magdeburg und die Reformation" ist der Titel unserer Ausstellung. Magdeburg ist die erste wirkliche Großstadt, die sich Luther angeschlossen hat. Im Jahr 1524 sprechen wir von immerhin 30000 Bürgern. Die Stadt wurde von einem reformatorischen Geist ergriffen. Und das hatte kein Fürst entschieden, das kam vom Bürgertum, von der städtischen und geistlichen Elite. Die Stadt mit ihren Intellektuellen und Buchdruckern blieb immer standhaft in ihrem Glauben, es entstand sozusagen ein Propagandazentrum für Luther. Wir werden auch der aufgeheizten Stimmung jener Zeit nachgehen, dem Streit zwischen Luther und Melanchthon und später dann der Zerstörung Magdeburgs 1631 unter Tilly.

Magdeburg bewirbt sich als Kulturhauptstadt Europas. Das Magdeburger Recht soll historisches Kernstück der Bewerbung werden - mit einer Ausstellung zu diesem Thema. Wenn die Jury 2019 nach Magdeburg kommt, soll sie die Ausstellung sehen. Gibt es schon Konkretes?
Es gibt noch kein ausgereiftes Konzept, wir sind aber mit zahlreichen Wissenschaftlern, auch auf internationaler Ebene, seit längerem im Gespräch. Wir wollen das Magdeburger Recht nicht als trockenes rechtshistorisches Thema behandeln, sondern zeigen, wie es einst den Landesherren bis weit nach Ost- und Südosteuropa diente. Für sie war es eine Art Wirtschaftsankurbelung, ein Motor der Stadtentwicklung, ein wichtiges Konjunkturprogramm.

Das Magdeburger Recht gab Handelstreibenden Rechtssicherheit. Hunderte Städte wie Breslau und Krakau erlebten damit eine wirtschaftliche Blütezeit. Es wird uns in der Ausstellung um Stadtkultur im Spätmittelalter gehen, auch mit dem Blick ins Heute. Wir erleben ja auch das Phänomen der Landflucht. Schon damals erhoffte man sich eine gewisse Lebensqualität in den Städten.

Welchen Anspruch hat das Museum, hat die Stadt an diese Schau?
Sie soll wieder die Dimension der Otto-Ausstellungen erhalten. Das Magdeburger Recht ist neben Otto dem Großen das zweite große europäische Thema, das wir in der Stadt zu bieten haben.

Die Otto-Schauen waren Landesausstellungen. Bemühen Sie sich wieder um den Titel?
Ja, das werden wir, weil es sich um ein wirkliches Landesthema handelt. Mit dem Bauhaus gibt es 2019 zwar ein zweites außerordentlich bedeutendes Landesthema, aber für das neue Museum in Dessau braucht man nicht den Titel Landesausstellung.

Seit den Otto-Ausstellungen fühlt sich Magdeburg als Stadt Ottos des Großen. Mit dem Magdeburger Recht kann nicht jeder etwas anfangen.
Es stimmt, in Magdeburg muss man es noch erklären, bei unseren Partnern in Osteuropa ist das Magdeburger Recht absolut geläufig. Es ist dort ein wichtiger Angelpunkt in der Geschichte ihrer Stadt. Ich war vor zwei Wochen in Breslau. Da wird vom Magdeburger Recht ganz selbstverständlich als Impulsgeber für die Stadtwerdung gesprochen. Schön wäre es, wenn in Magdeburg und im Westen Europas dieses Phänomen der städtischen Rechtsfamilie präsenter wird.

Reformation, Magdeburger Recht. Ihr Haus bleibt also Adresse für Mittelalterausstellungen?
Nicht ausschließlich. Wir wollen zukünftig auch die Moderne mit in den Blick nehmen, werden uns 2016 mit Carl Krayl, dem engsten Mitarbeiter von Bruno Taut (Architekt und Stadtbaurat, d. Red.), monografisch beschäftigen. Wir haben einen Kollegen am Haus, einen Architekturhistoriker und Spezialisten für die 20er Jahre, der diese Phase des neuen Bauens adäquat thematisieren kann.

Zum Bauhausjubiläum 2019 werden wir uns zudem mit modernen Siedlungsbauten in Magdeburg mit Blick auf urbane und soziale Aspekte beschäftigen.

Das sind viele Projekte. Und dann gibt es noch das Dommuseum. Das soll 2018 als eine Außenstelle Ihres Hauses öffnen. Was gibt es Neues?

Die drei Kooperationspartner, die Landeshauptstadt Magdeburg, die Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, arbeiten am inhaltlichen Konzept. Es soll im Herbst vorliegen. Wir als Museum mit dem Mittelalterzentrum werden den wissenschaftlichen und museumspädagogischen Part übernehmen, das Landesamt für Denkmalpflege wichtige Leihgaben wie Textilien aus Edithas Sarg zur Verfügung stellen, und die Stiftung Dome und Schlösser organisiert über eine Betriebsgesellschaft Kassenpersonal und Cafébetrieb.