17. Staffel "Geschichte Mitteldeutschlands"
2. August: "Lotte Ulbricht - Zwischen Parteidisziplin und Mutterrolle"
9. August: "Gert Fröbe - Der Hollywoodstar aus Zwickau"
16. August: "Emmy Göring - Die First Lady der Nazis"
23. August: "Lucas Cranach der Jüngere - Maler, Unternehmer, Politiker", Dreharbeiten in der Lutherstadt Wittenberg. Der Film zeigt, wie es Lucas Cranach dem Jüngeren gelang, das Familien-Imperium weiter auszubauen, sich als einer der reichsten Bürger Wittenbergs aber auch für die Belange der Stadt einzusetzen.
30. August: "Mechthild von Magdeburg". Kloster Michaelstein und Schloss Blankenburg bilden die Kulisse für die Szenen, die in die Stadt Magdeburg im 13. Jahrhundert versetzen sollen.
Beginn der Folgen jeweils 20.15 Uhr im MDR

Magdeburg l Eine Fotografie, zwei lächelnde Menschen: Beate und Lotte in Eintracht. Wer den Film von Steffen Jindra sieht, weiß, dass dieses Foto Seltenheitswert hat. Denn zwischen Lotte Ulbricht und Adoptivtochter Beate herrschte alles andere als ein herzlich-warmes Mutter-Tochter-Verhältnis.

"Ich hatte zu essen, zu trinken, anzuziehen, aber im goldenen Käfig war keine Liebe", sagt Beate in einem Interview, das sie einer Journalistin 1991 gegeben hatte. Es war eine Abrechnung, mehr mit der Mutter als mit dem Vater, die in einer Boulevardzeitung erschienen war. "Böse Lotte" wurde damals getitelt. Jetzt sind die einst entstandenen Tonbandmitschnitte erstmals im Fernsehen zu hören und geben einen Einblick in das Seelenleben einer Frau, die als Mädchen und junge Frau unter Lotte Ulbrichts Kälte und Parteidisziplin litt. Allein der Name war Stigma. Die Tochter spricht von ihrer Isolation durch die Unbeliebtheit der Eltern.

Breiten Raum nimmt in der Dokumentation das Familienleben der Ulbrichts ein, beleuchtet wird die Adoption nach dem Krieg, als Deutschland ein Land voller Waisen war. Da waren die gebürtige Lotte Kühn und Walter Ulbricht gerade aus dem Exil heimgekehrt. Sie hatten sich 1935 beim Weltkongress der Komintern in Moskau kennengelernt.

"Dein Name ist ab sofort Beate", sagte Lotte zu der zweijährigen Maria, deren Mutter, eine russische Zwangsarbeiterin, bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen war. Bei seinen Recherchen in Dresden war Steffen Jindra im dortigen Hauptstaatsarchiv auf die Adoptionsunterlagen gestoßen, die belegen, dass das Mädchen bereits bei einer Familie in Pflege war. Er hat eine Aktennotiz der Fürsorgerin gefunden, die belegt: Die Pflegemutter war unglücklich.

Doch die Ulbrichts waren mächtig, wollten der Öffentlichkeit eine Musterfamilie präsentieren und ihre Beate zum "wertvollen Glied unseres neuen Deutschlands" erziehen. Der Film zeigt, wie das schiefging: Beate war als Kind unglücklich und einsam, später arbeitslos und alkoholabhängig. Nur drei Monate nach dem Interview im Jahr 1991 starb sie. Sie wurde 47 Jahre alt.

Lotte Ulbricht ist an ihrer Mutterrolle gescheitert. Kalt und hartherzig hatte die Adoptivtochter sie beschrieben. Jindra sucht nach Gründen und geht zurück in der Biografie der damaligen Lotte Kühn, die in jungen Jahren mit Eifer für die KPD arbeitete, für ihre Ideale brannte, eine eiserne Parteidisziplin an den Tag legte und an der Seite von Walter Ulbricht den Aufstieg zur "First Lady" schaffte. Die Rolle nahm sie ernst, schrieb Ulbrichts Reden, organisierte seine Auftritte. Da blieb kaum Zeit für das Adoptivkind.

Zeitzeugen kommen zu Wort, Historiker, auch die Journalistin, die das Interview mit Beate geführt hatte. Historische Aufnahmen zeigen Parteitage und die Ulbrichts im Doppelpack bei Ehrungen, Empfängen, Reisen. Personenkult auch im Defa-Propaganda-Film "Baumeister des Sozialismus", der 1953 zum 60. Geburtstag gedreht worden war.

Walter Ulbricht starb 1973. Zur Beerdigung war Beate angereist - letzte gemeinsame Aufnahmen mit Lotte Ulbricht. Sie starb einsam im März 2002.

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