Mit "Weine nicht, kleine Eva" wurden sie berühmt. Seitdem reihen sie einen Schlager-Evergreen an den anderen. Die Flippers sind seit mehr als 40 Jahren zusammen und haben Millionen Tonträger verkauft. Jetzt geht das Schlagertrio in den Ruhestand. Nun weinen die Fans.

Von Anika von Greve-Dierfeld

Bretten (dpa). "Es reicht." Die Flippers sind sich einig. Nach mehr als 40 Jahren Zusammensein, vielen Tourneen und zahllosen Hits hört das Schlagertrio auf. Zwischen 20 und 60 Millionen Tonträgern haben die Schlagerstars ver- kauft. "So genau weiß das keiner", sagt Sänger und Gitarrist Olaf Malolepski (64). Am Sonnabend starten die drei ihre Abschiedstournee in Karlsruhe, am 19. März endet sie in Mannheim. "Dann wird es die Flippers nicht mehr geben", sagt Sänger Bernd Hengst (63).

Die Flippers gelten als die erfolgreichste Schlagerband Deutschlands. Aber Starallüren? Keine. Hengst und seine beiden Kollegen, Malolepski und der Schlagzeuger und Sänger Manfred Durban (68), sind total normal und so bodenständig, dass es fast unheimlich wirkt. Vor Urzeiten haben alle drei Werkzeugmacher gelernt, sie leben seit Urzeiten in Knittlingen und Bretten-Diedelsheim in Baden-Württemberg, sie sind seit Urzeiten mit ihren Frauen verheiratet, sie kennen sich seit Urzeiten und streiten nie.

Das Leben ohne Starallüren ist bei den Flippers kein Klischee, sondern wirklich so. Und ihre Fans lieben das. "Der Olaf, der Bernd, der Manfred", so reden sie von ihren Idolen. "Die schütteln uns die Hand, trinken einen mit uns, die sind so nett", sagt Fritz Kirchherr, dessen Frau Annegret den Flippers-Fanclub Stuttgart mit rund 200 Mitgliedern leitet. Von den 50 Abschiedskonzerten will das Ehepaar bei 10 bis 15 dabei sein. "Die Stimmung ist immer super und total verrückt", sagte der 60-jährige Kirchherr.

Zwar werden für die Konzerte nur Sitzplätze verkauft, aber "nach den ersten Minuten reißt es alle von den Stühlen", erzählt Malolepski. Den Durchschnitts-Fan beschreibt er mit den Worten: "Vor allem Frauen zwischen 50 und 65." Sie sind anhänglich und bringen ihrer Band Kuchen, Wein oder Kuscheltiere mit. "Sie wollen Kontakt zu uns haben und wir zu ihnen." Berührungsängste kennen die drei Band-Mitglieder nicht. Für ihre Abschiedstournee stehen rund 200000 Tickets zur Verfügung – der Vorverkauf läuft blendend.

Berühmt wurde die Band – damals noch zu sechst – 1969 mit "Weine nicht, kleine Eva". Ein Sensationserfolg. Weitere Hits folgten. Mitte der 70er Jahre wurde es dann ruhiger. "Wir haben wenig verkauft, von den Medien hat sich keiner für uns interessiert", sagt Malolepski.

Nach und nach stiegen drei Bandmitglieder aus. Malolepski, Hengst und Durban blieben übrig, mussten jedoch nebenher arbeiten.

46 Studioalben haben sie aufgenommen

"Ein zweites Standbein war nötig", erinnert sich Hengst. "Wir dachten nicht, dass das mit der Musik ewig weitergehen könnte." Es ging aber weiter – und wie. Mit Songschreiber Uwe Busse und dem Megahit "Rote Sonne von Barbados" kam der Erfolg zurück. "Seit 1986 wurde es jedes Jahr mehr", sagt Hengst. Bis heute haben die Flippers 46 Studio- alben aufgenommen, 31-mal erhielten sie Gold und 7-mal Platin, zweimal gewannen sie den Musikpreis Echo.

Ihr Rezept für einen erfolgreichen Schlager: "Ein bisschen ferne Länder, ein bisschen Liebe, auf keine Fall Politik", sagt Malolepski und lacht. "Bei unseren Liedern sollen sich die Leute entspannen, ihre Sorgen vergessen, Kraft tanken für das Leben und den Alltag."

Stolz sind alle drei auf ihre Musik. Dabei erfüllen sie gerne das Klischee: einfarbige Jacketts über bunten Hemden, die Haare wohl geföhnt, gerne auch ein Goldkettchen. "Wir sind bei unserer deutschen Sprache geblieben und der Musik, die aus unseren Herzen kam", sagt Hengst. "Es war eine wunderschöne Zeit", heißt passend zum Abschied die letzte Platte.

"Eigentlich möchte ich danach nur noch die Ruhe genießen", sagt Hengst. Durban will nach der Tournee mit dem Motorrad durch die USA, Malolepski will zwar weiter Musik machen, "aber in welcher Form, das ist noch offen". Ein Comeback schließen die Flippers kategorisch aus. "Als alte Knacker noch Musik machen – kann ich mir nicht vorstellen", wehrt Hengst ab.

Genauso wenig vorstellen können sie sich ihr allerletztes Konzert. "Das ist ja noch ein halbes Jahr hin", sagt Malolepski. "Aber wenn es dann soweit ist – dann heulen wir alle."