Berlin (dapd) l In der Rolle des mittelmäßigen, einsamen Kontrabassisten begeistert der Schauspieler Peter Bause seit 30 Jahren sein Publikum. 700 oder 800 Mal hat er das Ein-Personen-Stück "Der Kontrabass" von Patrick Süskind gespielt, schätzt Bause. "Solche Monologe sind die Königsklasse für einen Schauspieler", schwärmt er im dapd-Gespräch.

Und der Mann weiß, wovon er spricht: Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht er auf der Bühne. 26 solcher Königsklasse-Stücke hat er in seinem Repertoire. Morgen wird der in Berlin lebende Schauspieler 70 Jahre alt.

Den Monolog des Kontrabassisten in seinen Abstürzen "von himmelhoch und höllentief" hat Bause schon gespielt, als er noch am Berliner Ensemble (BE) engagiert war. Davor stand er aber erst einmal auf der großen Bühne des Brecht-Theaters. Es habe ihm nichts ausgemacht, nach seinen Hauptrollen in "Mann ist Mann" oder "Mutter Courage" eine halbe Stunde später einen verzweifelten Musiker zu spielen, erinnert er sich in seinem Buch "Man stirbt doch nicht im dritten Akt", das kürzlich im Verlag Das Neue Berlin erschienen ist. "Goldene Zeiten für mich, der die Menschen gerne einlädt, mit ihm unterwegs zu sein in einer Welt der Verzauberung", sagt er. Das hätte immer so weitergehen können. Ging es aber nicht.

Mit 50 als "Verlust" einfach abgeschrieben

Bause sagt von sich, dass er zwei Leben hat: In dem einen war er wohlbehütet - acht Jahre am Deutschen Theater (DT) in Berlin und dann fast doppelt so lange am BE. Er war berühmt in einem Land, das zwar klein, sich aber "nicht zu schade war, den Beruf ¿Schauspieler\' als schützenswert zu betrachten". Als dieses Land verschwand, wurde er mit fast 50 Jahren "als Verlust einfach abgeschrieben". Das staatliche Theater wurde privatisiert, Bauses Engagement nicht verlängert. Plötzlich stand der temperamentvolle Schauspieler nicht mehr auf der Bühne, sondern - wie Millionen andere Menschen im Osten auch - in der Warteschlange auf dem Arbeitsamt.

Da begann sein zweites Leben. Auf der Bühne wäre jetzt der dritte Akt zu Ende, im Leben war gerade der Höhepunkt seines Schauspielerdaseins erreicht: die Zeit am BE, Fernsehspiele, Hörspiele, DEFA-Filme.

Und da sollte er abtreten, "nur weil einem das Land verloren ging?", fragte sich Bause. Nein, man stirbt doch nicht im dritten Akt, "weil es dann erst richtig los geht mit dem Leben auf der Theaterbühne", sagte sich Bause. Also begann der vierte Akt: Nicht wie geplant, ein geruhsames "Lebensernteeinfahrvergnügen", sondern ein Einfach-wieder-von-vorn-Anfangen. Bause wurde freischaffender Schauspieler. Er zog mit dem "Kontrabass" in den Musikclub im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt und dann - mit und ohne Instrument - durch die Lande. Seitdem ist der Schauspieler - beseelt von einer unbändigen Spiellust und wissend, dass er sein Handwerk beherrscht - landauf, landab unterwegs.

Er war "sich nicht zu fein", auf Tournee zu gehen, nach 600 Kilometern im Auto abends noch den Azdak zu spielen oder den Puntila, den Richard Strauss, den Berlichingen, den Schuster Voigt, den Faust, sagt Bause selbstbewusst. Und auf Tour geht er auch mit 70 Jahren noch!

Gerade ist er auf Lesereise mit seinem Buch, das er in zwei Monaten hintereinanderweg geschrieben hat - nicht, um sich selbst ein Geburtstagsgeschenk zu machen, sondern, "um sich erfolgreich vor der gemeinen Gartenarbeit zu drücken". Die Säle sind gut gefüllt.