Zum Jahresende lassen die Plattenfirma ihre Stars wieder in besinnlicher Stimmung schwelgen. An weihnachtlichen Neuerscheinungen gibt es keinen Mangel.

Berlin (dapd) l Mädchenschwarm Justin Bieber eroberte mit seinem Weihnachtsalbum "Under The Mistletoe" sogar Platz eins der US-Charts. Unterstützung erhielt er dabei auch von einer Veteranin der Weihnachtssongs: Mariah Carey nahm mit dem 17-Jährigen das Duett "All I Want For Christmas Is You" auf.

Die Souldiva recycelte auch gleich noch einen Song aus ihrem 2010 erschienenen Weihnachtsalbum "Merry Christmas II You" und sang mit John Legend die Single "When Christmas Comes" ein. US-Superstar Lady Gaga bescherte ihren Fans derweil "A Very Gaga Holiday". Die Rockband The Killers legten mit "The Cowboys\' Christmas Ball" ihre mittlerweile sechste Weihnachtssingle vor. Die Erlöse sind wie in den Vorjahren komplett für den Kampf gegen Aids in Afrika bestimmt.

Auch die deutschen Popstars haben zu Weihnachten neue Platten herausgebracht. Wolfgang Petry legt seine besten Interpretationen von Weihnachtsliedern neu auf. Das DSDS-Casting-Pärchen Pietro Lombardi und Sarah Engels geben die Dieter-Bohlen-Komposition "It\'s Christmas Time" zum Besten und auch Menowin präsentiert sich kurz vor den Feiertagen von seiner zarten Seite. Noch sitzt er wegen Körperverletzung im Gefängnis, hofft aber, zu Weihnachten wieder in Freiheit zu sein. In seiner Weihnachtsballade "Waiting For Christmas" zeigt er sich reumütig: "I can\'t make my old mistakes undone".

Zu den Umsätzen halten sich die Plattenfirmen bedeckt. Nur so viel verrät Britta Lürsen aus der Marktforschungsabteilung des Bundesverbandes Musikindustrie angesichts der Masse der Neuerscheinungen und -auflagen: "Es lohnt sich offenbar".

Für die meisten Künstler ein lohnendes Zubrot

Auch Klassiker würden zur Weihnachtszeit noch mal neu aufgelegt, einige von ihnen schafften sogar den Einstieg in die Charts. Für die meisten Künstler dürften die musikalischen Ausflüge vor allem ein lohnendes Zubrot sein.

Ambitionierter scheint es der Swingstar Michael Bublé anzugehen. Seine gerade erschienene Platte "Christmas" sei vielleicht das Wichtigste seiner Alben, sagte er kürzlich in einem Interview. Es sollte nicht irgendein Weihnachtsalbum werden: "Ich wollte einen Klassiker machen."

Das Album spielte Bublé live mit Orchester im legendären Capitol-Studio in Hollywood ein. Genau diesen Ehrgeiz vermisst der Radio-Moderator und Programmdirektor des RTL-Senders "105\'5 Spreeradio", Jochen Trus, bei den meisten Weihnachtsplatten. "Ich habe das Gefühl, dass viele Weihnachtssongs, die in den vergangenen Jahren erschienen sind, auf den schnellen Erfolg aus sind und mit wenig Liebe produziert sind", sagt Trus.

Dass es auch anders geht, zeigen für ihn die Klassiker des Genres aus den Hochzeiten des Souls und der Bigband-Ära. Diese Lieder kämen aber nicht ganz so gut an wie die bekannteren Titel, allen voran "Last Christmas" von Wham!.

Weihnachtsstimmung wird von den Hörern gewünscht

Die nunmehr 27-jährige Erfolgsgeschichte dieses Titels habe bei vielen Musikern und Produzenten aber offenbar den Ehrgeiz geweckt, mit einem Hit in der besinnlichen Zeit einen ähnlichen Erfolg zu landen. WDR-2-Musikredakteur Jochen Bauer sieht die Neuerscheinungen hingegen in einem milderen Licht. Früher hätten viele Stars einfach alte Weihnachtslieder gecovert und versucht, mit ihrem Namen zu punkten. "Heute wird wieder versucht, eigene Lieder zu kreieren". Dies sei erfreulich, weil die Musikredaktionen in der Weihnachtszeit mehr variieren könnten. "Wir sind auch dafür da, die Weihnachtsstimmung zu transportieren, von den Hörern wird das gewünscht", sagt Bauer. Der Wham!-Evergreen "Last Christmas", laut Media Control der erfolgreichste Weihnachtssong seit Erhebung der deutschen Charts, kehrte zum ersten Advent erwartungsgemäß in die Charts zurück.

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