Magdeburg l Stürmischen Beifall des Publikums in der ausverkauften Magdeburger Johanniskirche erhielten die Solisten, der Magdeburger Universitätschor und das Mitteldeutsche Kammerorchester bei der Aufführung der ersten drei Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium am Samstagabend, (17.12.2011) unmittelbar vor dem vierten Advent.

Bachs Weihnachtsoratorium in den Adventstagen zählt wohl zu den wichtigsten Konzertereignissen des Jahres für große und kleine Kirchenchöre überall in der Welt. Der Magdeburger Universitätschor unter der Leitung von Tobias Eger macht da keine Ausnahme. Die Aufführungen der Kantaten in unterschiedlicher Reihenfolge haben seit Jahren Tradition. Und immer wieder hat der Magdeburger Universitätschor das Programm durch besondere Solisten, ja sogar schon durch Ballett bereichert, erweitert, schöpferisch bearbeitet.

Das war auch beim 27. Konzert unmittelbar vor dem vierten Advent des Jahres 2011 in der Magdeburger Johanniskirche nicht anders. Die Kantaten I bis III standen dabei im Mittelpunkt, die weiterhin zum Oratorium gehörenden Kantaten IV bis VI folgen in einem Konzert an gleicher Stelle am 7. Januar des neuen Jahres. Die Trennung der Kantaten in der Reihenfolge ist die eher gewohnte Form der Aufführung, wenngleich die Interpretation einzelner, nicht zusammenhängender Kantaten, in einem Konzert auch durchaus üblich ist.

Diesmal aber ging es ganz im Sinne Bachs wie bei der Uraufführung in Leipzig um ein zweiteiliges Werk über die Jahre, das in seinem Zusammenhang beurteilt werden sollte. Im Weihnachtsoratorium wird die Gesamtheit der biblischen Weihnachtsgeschichte erzählt, die sechs Kantaten erschließen sich ohne diese inhaltliche Klammer nur schwer. So endet die 3. Kantate am dritten Weihnachtsfeiertag, also am 27. Dezember, mit der Anbetung des Kindes, um dann am 1. Januar mit der Beschneidung und Namensgebung Jesus einen auch musikalisch völlig neuen, anderen Abschnitt einzuleiten.

Der Universitätschor Magdeburg, 1993 aus dem Magdeburger Domchor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Günther Hoff entstanden, bietet mit seinen fast 80 Sängerinnen und Sängern einen kompakten, geschlossenen Klangkörper, der aber gleichzeitig über außerordentlich vielseitige Ausdrucksmöglichkeiten verfügt. Man kann nur ahnen, wie viel Mühe und Probenarbeit Tobias Eger, der den Chor seit 2008 leitet, gemeinsam mit den Chormitgliedern aufgebracht hat, um die anspruchsvollen musikalischen Passagen so zu meistern. Sicher kam dem Magdeburger Universitätschor dabei die Erfahrung, die jahrelange Arbeit gerade an diesem Oratorium zugute.

Dennoch ist die Formung der vielen unterschiedlichen Stimmen, die Einbindung der Solisten und die harmonische Übereinstimmung mit dem Mitteldeutschen Kammerorchester eine Herausforderung, die hervorragend gemeistert wurde. Die Solisten Stefanie Fels (Sopran), Anna Warnecke (Alt), Jörg Brückner (Tenor) und Ulf Dirk Mädler (Bariton) haben zwar alle ihre musikalischen Mittelpunkte derzeit nicht in Magdeburg, sind aber mit der Stadt und dem Uni-Chor verbunden. Besonders Stefanie Fels, jetzt in Saarbrücken, überzeugte mit stimmlicher Souveränität bei den Rezitativen und Arien.

Die Musik komponierte Bach nur zum Teil neu. Viele Chöre und Arien entnahm er zuvor entstandenen weltlichen Werken. Zum Beispiel stammt der Eingangschor "Jauchzet, frohlocket" direkt vom Eingangschor einer dramatischen Glückwunschkantate. Bach war in dieser Hinsicht, wie auch seine kompositorischen Zeitgenossen, recht praktisch veranlagt. Da solche Glückwunschwerke immer nur einmal aufgeführt wurden, komponierte man manche Teile schon mit Blick auf eine spätere andere Verwendung. Das Weihnachtsoratorium gehört zu den volkstümlichsten aller geistlichen Vokalwerke Bachs und gleichzeitig zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen.

Der Magdeburger Universitätschor hat mit seiner feinfühligen Interpretation, kombiniert mit einer der Komposition angemessenen musikalischen Wucht, erneut den sich selbst gestellten hohen Anspruch erfüllt. Man darf auf die restlichen Kantaten am 7. Januar gespannt sein.