Die ehemalige Kunstgewerbe- und Handwerkerschule, die vor 218 Jahren in der Elbestadt gegründet wurde, zeigt die Fotoausstellung "Kunst Raum Magdeburg" mit Fotografien von öffentlicher Kunst der jungen Künstlerin Saskia Hubert sowie Arbeiten ehemaliger Schüler dieser Unterrichtsanstalt.

Magdeburg l Die Nationale Sammlung von Plastik der DDR im Kloster Unser Lieben Frauen ging schon 1990 in das Eigentum der Stadt Magdeburg über. Noch heute bevölkern zahlreiche Skulpturen aus dieser Zeit das Umfeld des Kunstmuseums und darüber hinaus Wiesen, Plätze und Straßen. Die Sammlung wurde, wie es heißt, "behutsam ausgedünnt und durch zeitgenössische, auch internationale Positionen ergänzt" und präsentiert nun das, was wir gern Kunst im öffentlichen Raum nennen. Das Kulturbüro der Landeshauptstadt regte das Forum Gestaltung zu einem Projekt an, das schließlich zu einer Publikation mit eben diesen plastischen Werken im öffentlichen Raum führen soll, die zum Teil auch Auftragswerke der heutigen Landeshauptstadt sind - allerdings von vornherein beschränkt auf 50 Arbeiten.

Die junge Berliner Fotografin Saskia Hubert erhielt den Auftrag, diese Werke zu fotografieren. Die Künstlerin erhielt ihre Ausbildung im Fachbereich Fotodesign im Lette Verein Berlin und studierte drei Jahre an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Hubert sollte allerdings bei ihrer Arbeit nicht im klassischen Sinne dokumentarisch vorgehen. Sie "fotografierte mit dem fingierten Blick eines sensiblen Stadtflaneurs".

Herausgekommen sind sehr persönliche Sichten auf die jeweiligen Werke im öffentlichen Raum, sie lässt sich auf Stimmungen ein und versucht sich in eigenen Interpretationen. Am deutlichsten wird diese Sicht bei den beiden Fotos zur Plastik "Mechthild" von Susan Turcot (2007/2010). Die Mystikerin Mechthild lebte im 13. Jahrhundert 30 Jahre als Begine in Magdeburg, ihr Buch "Das fließende Licht der Gottheit" erregte in ihrer Zeit viel Aufsehen. Saskia Hubert stellt Turcots "Mechthild" in ein gleißendes, nebliges Licht und rückt sie in einem der beiden Fotos auf den unteren Bildrand und interpretiert somit auch das schwierige Leben der Mystikerin. Den "Faunbrunnen" (1986) von Heinrich Apel taucht die Fotografin in abendliches Grün und erzeugt so eine surreale Stimmung, Irmtraud Ohmes "Vacanz" (2001) wächst in den blauen Himmel und ein Kriegerdenkmal lässt die Künstlerin glücklicherweise fast hinter dem Buschwerk verschwinden. Bis zur Auflage des geplanten Buches bleibt für die talentierte Fotografin sicherlich noch Zeit, das eine oder andere Foto noch stärker vom Dokumentarischen abzuheben. Die Beschränkung auf Räume und Zahlen durch die Auftraggeber schließt leider andere wichtige Kunst im Stadtgebiet aus, vielleicht ist da eine zweite Runde möglich?

Die in der weiteren Exposition ausgestellten Arbeiten von Schülern der ehemaligen Kunstgewerbe- und Handwerkerschule zeigen, welche Potenzen für Magdeburg leider für immer verloren sind. Lehrer wie Margarete Naumann, Paul Bernardelli, Johannes Pannicke, Walter Dexel, Hermann Eidenbenz und andere wirkten hier in den 1920er und Anfang der 1930er Jahre völlig im Geist ihrer Zeit, wie die vorzüglich gestaltete Ausstellung zeigt.

1993/94 hatte der Kunstwissenschaftler Norbert Eisold schon einmal eine erste große Ausstellung zur Kunstgewerbe- und Handwerkerschule im Kunstmuseum verantwortet. Zur jetzigen Ausstellung im Forum Gestaltung erschien auf Grundlage des damaligen Kataloges sein neues Buch über die Schule in der Brandenburger Straße (ISBN 978-3-9813652-3-8) mit einer Reihe neuer Erkenntnisse und Fakten, die Ergebnis der kontinuierlichen Forschungsarbeit und des inzwischen sehr umfassenden Archivs sind.

Kunst Raum Magdeburg - Fotografien von Saskia Hubert ist bis zum 17. Februar 2012 zu sehen, Arbeiten der Schüler bis 27. April 2012; Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 14-18 Uhr, zu den Abendveranstaltungen und nach Vereinbarung