Magdeburg l Magier Thorsten Havener ist das komplette Gegenteil vom Scheusal aus Thomas Manns "Mario und der Zauberer". Ein netter Mann steht da auf der Bühne. Adrett gekleidet, lächelnd, sympathisch. Er soll Gedanken lesen , anderen ins Hirn gucken können. Gedankenleser? Oder Scharlatan? Eines ist sicher: Thorsten Havener ist ein glänzender Entertainer, der das Publikum verblüfft.

Nach diversen Fernsehsendungen und einigen Bestsellern füllt Havener mit seinem Programm "Denken und andere Randsportarten" die Hallen landauf, landab, so auch Sonntagabend das Alte Theater in Magdeburg. Die Bühne ist fast leer, von Flipchart und Leinwand abgesehen. Einzig der Mann des Abends steht vor seinem Publikum. Ein Guru?

"Freue mich, wieder hier in Maaaagdeburg" zu sein, sagt der Münchener. Ein Fauxpas, der schnell vergessen ist. In ununterbrochenem Redeschwall erzählt Thorsten Havener Wissenswertes und Amüsantes, wie wir Menschen ticken und wie winzigste Verhaltensreaktionen eine Menge Informationen liefern. Beweise liefert er auf dem Fuße. Havener holt Probanden auf die Bühne. Ein Zuschauer verrät mit seiner Körpersprache, in welcher Hand er die Münze versteckt hält. Lügen gelingt ausgewählten Zuschauern überhaupt nicht.

Augenbrauen-Reaktionen oder leichtes Kopfnicken - überführt! Havener liegt immer richtig. Der Entertainer führt vor, wie er das Verhalten anderer beeinflusst. Ein Proband wählt genau den Umschlag, den Havener ihm zudachte. Soweit ist das alles erklärbar: Beobachten! Schauen! Schlussfolgern! Doch mit Suggestion einer Zuschauerin die Hand an die Stirn zu "tackern", ist dann doch unheimlich. Auch wie der "Gedankenleser" einen Brief in der Tasche haben kann, der von einem nach Rosen duftenden Raum erzählt, den sich eine Besucherin gerade ausdenkt, lässt die Frage aufkommen: Wie macht der das?

Ganz verrückt wird\'s, als er mit verbundenen Augen Gegenstände, die das Publikum ihm hinhält, erkennt. "Das ist eine Schachtel. Eine Bonbonschachtel. 12 Stück sind noch drin." Vielen Zuschauern bleibt der Mund offen stehen. Wieder die Frage: Wie macht der das? Havener ist kein Guru, nein. Er behandelt seine Probanden freundlich und respektvoll, begegnet ihnen mit Witz und Wortgewandtheit. Er stellt sie nicht bloß, sondern bringt sie und die Zuschauenden zum Lachen.

Zum Abschied spricht Havener Magdeburg richtig aus. Hat ihm das jemand in der Pause verklickert? Oder hat er die Gedanken seines Publikums empfangen?