DJ Bobo ist bekannt für seine Inszenierungen auf der Bühne. Sein 20-jähriges Jubiläum möchte der Schweizer mit der "Dancing Las Vegas"-Tour feiern. Diese Show soll noch spektakulärer, größer und glamouröser als alle anderen Auftritte werden, verspricht er. Am 3. Mai ist er in der GETEC-Arena zu Gast. Manuela Bock sprach mit René Baumann, wie der Schweizer im richtigen Leben heißt.

Volksstimme: Sie feiern mit der neuen "Dancing Las Vegas"-Tournee 20-jähriges Bühnenjubiläum. Warum musste es eine so glamouröse, große Show sein?

DJ Bobo: Ich hatte fürchterliche Angst davor, dass das eine Greatest-Hits-Ehrenrunde wird. Stillstand ist für mich eine Horror-Vorstellung. Als Künstler guckst du automatisch nach vorn. Ich liebe die Vergangenheit, die war toll, aber ich möchte auch etwas bewegen. Darum hatten wir die Idee zu "Dancing Las Vegas".

Wir wollten den Leuten klar sagen: Hier kommt eine große Show. Nicht mehr, nicht weniger. Meine Shows sind sonst etwas mystisch und gehen in Richtung Musical oder Märchen. Aber das ist eine reine Show, die trifft mitten ins Gesicht und hinterlässt keine offenen Fragen. Es wird alles visuell und akustisch beantwortet.

Volksstimme: Ist die "Las Vegas"-Show eine logische Folge?

DJ Bobo: Das kann man so sagen. Aber ich hatte dieses Gefühl schon oft und war dann zu früh. Meine Piraten kamen vor "Fluch der Karibik", meine Vampire kamen 2007/ 2008 und erst jetzt herrscht dieser Vampir-Hype. Egal. Wichtig ist, dass die Leute bekommen, was sie sich wünschen. Der Film heißt immer DJ Bobo, und nur der Untertitel ist neu. Die Leute wollen diese Konstante. Und ja: ich auch. Ich möchte nicht immer 30 neue Songs spielen. Ich spiele 20 Hits und acht neue Songs. Diese Mischung funktioniert.

Volksstimme: Was steckt in diesen 20 Jahren? Haben Sie sich stark verändert?

"Der Film heißt immer DJ Bobo, und nur der Untertitel ist neu"

DJ Bobo: Alles ging sehr schnell. Es kommen immer mehr Elemente dazu: Kinder und Familie sind Tempobeschleuniger. Ich verändere mich massiv, aber von den Leuten draußen wird das nicht so stark wahrgenommen. Ich habe eine Marke, wenn ich etwas dafür tue, wird das immer ähnlich registriert. Ich habe eine sanfte Revolution hinter mir, habe mein Aussehen, meinen Schriftzug und andere Sachen verändert. Aber meine Marke muss ich vorsichtig bewegen. Das DJ beispielsweise dürfte ich nie im Leben weglassen.

Volksstimme: Wer treibt Ihre Kreativität voran?

"Jetzt weiß ich genau, wie viel es braucht, da oben zu bleiben"

DJ Bobo: Das bin schon ich. Ich habe aber noch fünf Kreative für Bühne, Kostüme, Choreografie um mich herum. Das ist meine Kreativzelle. Aber der, der am Karren zieht, das bin ich.

Volksstimme: Wo stehen Ihre zehn World-Music-Awards? Freuen Sie sich noch über solche Auszeichnungen?

DJ Bobo: Die stehen im Büro. Die Wahrnehmung ändert sich. Früher habe ich diese Auszeichnungen einfach genommen und gar nicht richtig gewusst, was das eigentlich ist. Jetzt bekomme ich weniger Preise, und wenn ich eine Auszeichnung bekomme, schätze ich sie viel mehr. Am Anfang war ich angesagt, war in allen Medien, in den Charts. Alles ist mir zugeflogen. Wenn es dir aber nicht mehr zufliegt wie in den ersten Jahren, wo du ganz interessant und neu bist, dann checkst du das gar nicht. Jetzt weiß ich genau, wie viel es braucht, da oben zu bleiben.

Volksstimme: Wie schreibt man einen Hit?

DJ Bobo: Ich weiß nicht, wie man einen Hit schreibt. Ich weiß, wie man versucht, gute Songs zu machen. Man muss fleißig sein, das Handwerk beherrschen und Bauchgefühl haben. Die Dosierung, wie viel von jedem hineinkommt, das bestimmst du selbst. Aber der Anteil von Fleiß und Handwerk ist viel größer als der vom Talent.

Volksstimme: Nervt Sie einer Ihrer eigenen Songs?

DJ Bobo: Nein. Es gibt aber Songs, die waren, gemessen an dem, was sie eigentlich waren, überproportional erfolgreich. Eine Zeit lang, 2003/2004, musste ich sehr oft "Chihuahua" spielen, da habe ich, wenn ich den Song im Radio gehört habe, schnell weitergedreht. Aber der Song hat seine Berechtigung, er ist gut, ausgefallen und witzig.

"Du lebst mit den Songs und nicht mehr mit Künstlern"

Volksstimme: Bei welchem Song haben Sie das letzte Mal das Radio lauter gedreht, weil Ihnen ein unbekanntes Lied gut gefallen hat?

DJ Bobo: Das passiert häufiger. Ich habe jetzt dasselbe Problem wie eine ganze Generation: Ich weiß nicht mehr, wer der Künstler ist. Vieles klingt so austauschbar, ich kann Stimmen nicht mehr den Gesichtern zuordnen. Die Zeit ist viel schnelllebiger geworden. Ein Phänomen, das den Künstlern heutzutage vieles schwerer macht.

Viele Künstler haben keine Chance, eine Geschichte bei uns zu hinterlassen. Wir sind trackorientiert. Da kommt nämlich schon wieder der nächste gute Song, der den anderen rausschubst. Durch die Verfügbarkeit wird der Personenkult weniger. Du klickst dir ja einfach alle Infos, wann du willst und wo du willst. Das ist ein Trackjagen. Du lebst mit Songs und nicht mehr mit Künstlern.

Volksstimme: Welche Show-Höhepunkte wird es in der GETEC-Arena geben?

DJ Bobo: Alles zu erzählen, wird schwierig. Man erlebt eine Aneinanderreihung von Show-Elementen. Es gibt eine Eisfläche auf neun Metern Höhe, auf der ein Paar läuft, und einen zwölf Meter hohen Wasserfall. Die Band kommt aus einem zehn Meter großen Cadillac hervor. Wir haben eine der größten Show-Treppen der Welt. Es gibt ganz große und ganz kleine Momente.

Karten für DJ Bobo in der GETEC-Arena gibt es in den Volksstimme-Servicecentern und unter biber ticket 01805/121310 (0,14 Euro/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk ggf. abweichend)