Das Theater der Altmark hatte mit einem mobilen Theaterstück für Kinder ab acht Jahren die letzte Premiere in diesem Jahr. Schüler und Schülerinnen der Bilingualen Grundschule in Stendal durften "Johnny Hübner greift ein" als Erste erleben.

Stendal l Johnny Hübner scheut keine Mühen, um in das Klassenzimmer zu gelangen. Immerhin hat er einen Auftrag. Und den will er mit Hilfe der Viertklässler unbedingt zur Zufriedenheit ausführen. Also überwindet er das Hindernis im Türrahmen. Was nicht so leicht ist.

Zum einen hat Johnny seine große Truhe dabei. Aber auch an ihm selbst hängen und stecken in allen möglichen Taschen seltsame, bestimmt jedoch höchst wichtige Gegenstände. Er ist halt Spezialist. Und solche Spezialisten brauchen bekanntlich spezielle Werkzeuge.

Was für ein Spezialist Johnny ist, muss er den Viertklässlern jedoch erst einmal erklären. Die wissen nämlich von nichts und schauen ihn an wie "verwirrte Kaninchen". Da haben seine Chefs wohl mal wieder nur die halbe Arbeit geleistet.

Johnny klärt alle auf: Er ist vom mobilen Geschichten-Rettungskommando. Er ist der Retter der vielen Leser, die in eine Geschichte gesogen werden und nun nicht wieder hinausfinden. Wie Olga. Natürlich ist es ihre eigene Schuld. Immerhin hat sie heimlich unter der Bettdecke - entgegen der Anweisung ihrer Eltern, ins Bett zu gehen - die äußerst spannende Piraten-Geschichte weiter gelesen.

Doch ob selbst schuld oder nicht: Hübner kann diese unvorsichtige Leserin jetzt nicht einfach auf dem Schiffsdeck der "Hinkenden Seekuh" stehen lassen. Dorthin hat es Olga nämlich verschlagen. Jetzt steht sie genau neben dem fiesen einäugigen Piratenkäpt\'n Braunbart, der bekanntlich nicht lange mit unerwünschten Personen fackelt. Hübner ahnt natürlich, dass sich Olga bis zu einem gewissen Grad selbst zu helfen weiß, weshalb er erst einmal nur beobachtet. Und richtig: Olga findet einen Weg, um sich und den in Ungnade gefallenen Schiffskoch Giovanni aus der unmittelbaren Gefahrenzone zu nehmen ...

"Johnny Hübner greift ein" aus der Feder des deutsch-jordanischen Schriftstellers Hartmut El-Kurdi ist wirklich komisch. Vorausgesetzt, man findet die passende Besetzung für Johnny. Beziehungsweise für all die vielen Charaktere, die außerdem von einem einzigen Darsteller gespielt werden müssen.

Regisseur Bernd Plöger hat mit Sören Ergang einen Volltreffer gelandet. Wie bereits in der Inszenierung "Die Wanze" vor zwei Jahren zeigt Ergang auch hier, wie gekonnt er zwischen verschiedenen Charakteren hin und her springen kann.

Ergang ist natürlich Johnny. Außerdem das Mädchen Olga, die fluchende Schiffsratte Pelzi, der italienische Smutje, der furchterregende Käpt\'n und einige Piraten aus der Mannschaft. Schnell wechselt er zwischen verschiedenen Akzenten, Stimmen und Körperhaltungen. Und das Publikum amüsiert sich prächtig.

Plöger hat mit seiner Inszenierung von "Johnny Hübner greift ein" kindgerechtes Theater geschaffen, das auch Erwachsene zum Schmunzeln bringt. Die wunderbar schräge und wandelfähige Ausstattung von Christopher Melching tut ihr Übriges.

Das mobile Theaterstück kann telefonisch unter (03931) 63 57 15 gebucht werden.