Adam Schaf ist eine Frau. Und zwar erstmals. In dem Musical von Georg Kreisler spielt die Magdeburger Schauspielerin Vera Feldmann die Rolle eines alternden Mimen, der über das Leben als solches sinniert. Frau will sie aber trotzdem bleiben.

Magdeburg l Ein kleiner Schminktisch samt Spiegel, eine Garderobe mit verschiedenen Kostümen, ein Schrank mit Theaterplakaten, ein Theatersessel und ein Klavier - so sieht das Bühnenbild des neuen Stückes mit Vera Feldmann im Magdeburger Puppentheater aus. Zur Klavierbegleitung von Manfred Herbst singt sie "Wir haben uns an die Zeit gewöhnt, wir haben uns an den Neid gewöhnt. Vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen, uns an nichts mehr zu gewöhnen". Was sie singt - und vor allem, wie sie es singt, klingt souverän, völlig frei von üblichen Proben-Eventualitäten. Vera Feldmann ist dort, wo sie sich am wohlsten fühlt. Sie ist auf der Bühne und bekennt sich ungeschminkt dazu: "Diese Luft, diese Atmosphäre, die Scheinwerfer - all das macht mir einfach Spaß."

So viel Spaß hatte Vera Feldmann nicht immer. Nach der völlig überraschenden Auflösung des Kabaretts "Denkzettel" vor drei Jahren stand sie über Nacht sie vor einem großen schwarzen Loch - kein Ensemble, keine Spielstätte, kein Programm, keine Zukunft, zumindest keine vorhersehbare. "Freundlich ausgedrückt", so die Schauspielerin im Volksstimme-Gespräch, "hatte ich wenig Grund, vom Zustand meines damaligen Lebens begeistert zu sein." Dann lächelt sie, weil das heute ganz anders aussieht. Freunde und Fans boten Hilfe an, im Magdeburger Puppentheater fand sie schnell ein neues künstlerisches Zuhause.

Im Jahr 2009 stellte sie sich auf eigene Füße, erfreute ihr treues Publikum mit dem Soloprogramm "Leichenschmaus im Frauenhaus". 34-mal hat sie es mittlerweile gespielt. 2010 folgte "Du bist nur der Arsch - Ein Festprogramm zum Muttertag". Erneut spielte die 46-Jährige vor gut gefüllten Sälen.

"Solche Inszenierungen kosten viel Kraft" erzählt sie, "deshalb habe ich mir im vergangenen Jahr eine kleine Pause gegönnt und kein neues Programm auf die Bühne gebracht. Aber jetzt ist der Akku wieder voll und ich bin mit viel Begeisterung beim Proben."

Die Garderobe wird für zwei Stunden zur Bühne des Lebens

Mit dem Kreisler-Musical "Adam Schaf hat Angst" stellt sie sich gleich zwei Herausforderungen - das wäre die Rolle als Mann und das Genre selbst - der Gesang. Vom Verlag, bei dem die Rechte für das Musical liegen, hatte sie gehört, dass Adam Schaf noch nie von einer Frau gespielt worden ist. "Ich habe lange überlegt, ob ich die Texte umschreibe, dann aber festgestellt, dass es gar nicht nötig ist. Alles, was dieser Mann sagt und singt, kann ich auch als Vera Feldmann sagen und singen, zumal ich doch eher eine burschikose Frau bin."

Ihre Wahl für dieses Stück begründet sie mit genau diesen Herausforderungen und den Texten: "Adam Schaf ist ein Schauspieler, der seine besten Tage längst hinter sich hat und dem nur noch ein drei Minuten langer Auftritt in jeder Vorstellung geblieben ist. Trotzdem kommt er jeden Tag zwei Stunden vor dem Vorstellungsbeginn in seine Garderobe - weil genau das seine Welt ist." In diesen zwei Stunden wird die Garderobe zu seiner Bühne, hier kann er auf das Leben blicken und seinen Protest artikulieren. Gegen die Reichen beispielsweise, die nicht teilen, nicht abgeben, nicht fair sein wollen. Gegen domestizierte Staatsdiener, gegen den Verfall jener Werte, die zu seiner Zeit noch Werte waren. Und er kann aus seinem Leben erzählen.

Sarkastisch, ironisch, auch böse - so charakterisiert Vera Feldmann den Tonfall der Inszenierung. Nur eines sei sie nie - larmoyant. Irgendwie scheint zwischen ihr und Adam Schaf alles zu passen. Premiere ist am 14. September um 20 Uhr im Puppentheater.