Die grauen Wände des mdr-Landesfunkhauses in Magdeburg erblühen - jahreszeitlich untypisch - beim Herbstsalon 2012. "art in vielfalt" steht über der sechsten Auflage einer Ausstellungsreihe, die 2007 begründet wurde. 23 Künstler stellen sich bis zum 4. November mit Malerei, Grafik, Plastik und Schmuck vor.

Magdeburg l Das Herbstsalon-Konzept trägt. Es hat sich veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Mit der diesjährigen Präsentation betritt ein eigens für die Reihe gegründeter Verein Neuland und damit ins Licht der Öffentlichkeit. Damit ist der Wechsel der Verantwortung vom Berufsverband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt (BBK) auf andere Organisatoren vollzogen.

Das ursprüngliche Anliegen, 2012 zu einem Jahr des Übergangs unter der Einbeziehung von Autodidakten aus dem ganzen Bundesland zu machen, gelang nur im Ansatz. Dies nur als Feststellung, ohne die Arbeit der Macher und die Qualität der gezeigten Arbeiten schmälern zu wollen. So kommen die Künstler aus der Region Magdeburg. Der Sprung in den Süden blieb unvollendet. Vereinsvorsitzender Matthias Callehn sieht das mit Bedauern, macht aber das Finden des Vereins und der nach wie vor herrschenden Trennung zwischen den einstigen Bezirken Halle und Magdeburg dafür mitverantwortlich.

Neben Berufskünstlern stellen sich unter anderem Mitglieder des Erwachsenenkurses der Jugendkunstschule THIEM 20 aus Magdeburg und der Haldensleber Künstlergilde vor. Die Wurzeln des letztgenannten Zusammenschlusses gehen 65 Jahre zurück. Zu DDR-Zeiten segelte man unter der Flagge des Zirkels für künstlerisches Volksschaffen.

Im Moment plant der Herbstsalon-Verein intensiv für die siebente Auflage. Mit ihr wolle man Künstler aus dem polnischen Radom an die Elbe holen, sagt Mitorganisator Jochen P. Heite. Einzelheiten seien noch offen. Ob sich daraus vielleicht ein Projekt entwickelt, das im Gegenzug eine Ausstellung beim Nachbarn möglich macht, lasse sich bislang nicht beantworten. Als Zukunftsaufgabe verstehen die Ausrichter jedoch Schritte zu internationalen Kontakten.

Von Plastiken bis hin zu kalligrafischen Blättern

Der Spannbogen der aktuellen Exposition ist weit. Matthias Knöfel zeigt mit "B-Sitz" einen besonderen Stuhl. Dessen Sitzfläche besteht aus akribisch angeordneten echten Kakteen. Sie zu nutzen dürfte schwerfallen. Mit Plastiken überzeugt Andreas Seidel. Seine Nashörner verraten die Liebe zum Tier, die der naturkundliche Präparator ohne Zweifel mitbringt. Bei den Porträts von Affen verlässt er ansatzweise die klare Darstellung und beweist die Fähigkeit zur teilweisen Abstraktion. Die setzt Max Grimm um. "tres amigos" zeigen Ansätze zur Popart, wollen bunt und fröhlich erscheinen. Die drei porträtierten Jungen sind schrill, ein wenig abgefahren und regen trotz ernster Minen zum Schmunzeln an.

Die "Verbindungen" von Birgit Jäger zeigen den Sinn für das Detail. Scheinbar kleine Objekte wachsen zu opulenter Größe heran. Durch grau-blaue Farbtöne entstehen fast nüchtern-technisch anmutende Bilder. Kalligrafische Blätter stammen von Sylvia Walther. Sie hat sich für eine alte Kunstform entschieden, die viel zu selten gepflegt wird. Buchstaben gleichen einer Aneinanderreihung von Miniaturen, deren Sinn sich erst durch das zusammenhängende Lesen ergeben. Trotzdem, so ist deutlich, wirkt jede auch für sich.

"Blaue Tische auf Lesbos" entdeckte Petra Kossmann. Das Bild versprüht das Flair der griechischen Insel. Nichts ist aufgesetzt, leere Stühle und drei Menschen an einem gedeckten Tisch bilden einen Kontrast, der nicht auf die Klischees eines Ferieninsel setzt. Aus Sandstein hat Barbara Hoeft fast geometrische Modelle geschaffen. Mit klaren Formen und Farbschattierungen des Materials erhalten sie eine Aussage, die schnörkellos diese unveränderbaren Eigenschaften des Steins betonen.

Der Herbstsalon ist von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr sowie an den Wochenenden zwischen 10 und 16 Uhr zu besuchen.

www.magdeburg-herbstsalon.de

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