Halle (dpa) l Sachsen-Anhalts Museen machen 2019 eine umfassende Bestandsaufnahme. "Das geht vom Zustand der Häuser, der Anzahl der Objekte bis zu Personal und Bezahlung", sagte der Chef des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, Ulf Dräger, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Analyse solle die Grundlage sein, um herauszubekommen, wo Defizite sind und um damit auf die öffentliche Hand zuzugehen. "Zu wenig Fachpersonal, eine zu geringe finanzielle Ausstattung und zu wenig Marketing-Erfahrung, das sind unsere Hauptprobleme", sagte der Kustos beim Kunstmuseum Moritzburg Halle. "Solange Museen zu den freiwilligen Aufgaben der Kommunen gehören, wird die Situation wohl auch schwierig bleiben", sagte er mit Blick auf vielerorts klamme Haushaltskassen. "Es ist manchmal erstaunlich, für wie wenig Geld qualifizierte Arbeit erwartet wird", sagte Dräger.

In 20 Häusern werde derzeit an Konzeptionen für grundsätzliche Sanierungen gearbeitet. Das Geld solle aus diversen Fördertöpfen von Land, Bund und EU kommen. Beispiele seien das Schloss Bernburg und das Jahn-Museum in Freyburg.

Nach dem Lutherjahr habe es 2018 ähnlich wie beim Tourismus einen Besucherrückgang gegeben. Ein Grund sei auch der heiße Sommer gewesen. Er gehe von einem Minus von zehn Prozent aus, sagte Dräger. "Das war vorherzusehen und ich sehe das auch nicht dramatisch."

Der Wert der Museen sollte zudem nicht nur an Besucherzahlen gemessen werden, sondern an der Qualität des Besuches. "Wir müssen Leben in die Häuser bringen, über den musealen Aspekt hinaus, etwas, das die Menschen dazu bringt, die Schwelle zu überschreiten", sagte Dräger. Er ist im Kunstmuseum Sammlungsleiter Münzkabinett und Kunsthandwerk.

Ein gutes Beispiel dafür seien die Künstler-Stipendien gewesen. Das bundesweit einmalige "Heimatstipendium" der Kunststiftung Sachsen-Anhalt hat Künstlerinnen und Künstlern ein Jahr lang ermöglicht, sich mit den Sammlungen kleiner Museen in Sachsen-Anhalt auseinanderzusetzen. Diese Kampagne hat sowohl in den Museen als auch bei den Künstlern viele kreative Energien geweckt, was in verschiedenen Ausstellungen sichtbar geworden ist.

Die Museumslandschaft in Sachsen-Anhalt mit rund 200 Häusern sei sehr kleinteilig. Dies habe den Vorteil, dass die Einrichtungen sich untereinander vernetzen könnten und dass es kulturelle Angebote auch in der Fläche gebe.