Magdeburg l Neben den Einsätzen als Ermittler im „Polizeiruf 110“ und dem Bootsmann-Auftritt spielte Jürgen Zartmann insgesamt fünf Jahre bis 2000 auch in der Serie „Verbotene Liebe“ mit. Derzeit widmet sich der 78-Jährige verstärkt dem Theaterspielen.Am Donnerstag, 23. Mai, gestaltet er im Trio mit Andreas Sommerfeld (Bariton) und Wolfgang Bauer-Schmidt (Klavier) die musikalische Lesung „Die schöne Magelone“ bei den „Magdeburger Domfestspielen“. Manuela Bock sprach mit ihm über die Macht der Worte und der Liebe.

Worauf können wir uns im Magdeburger Dom freuen?
Jürgen Zartmann: „Die schöne Magelone“ ist ein klassischer und einer der umfangreichsten Liederzyklen der deutschen Musik-Literatur. Er wurde von Johannes Brahms komponiert, und der ist eine sichere Bank dafür, dass die Lieder sehr, sehr gut sind. Und auch die Texte von Ludwig Tieck treffen ins Herz.

Was verbinden Sie mit der „Schönen Magelone“?
Das ist eine wahnsinnig romantische Geschichte und wunderschöne Literatur. Sie ist Romantik pur. Als Interpret muss man sich dazu bekennen.

Wie kam es dazu, dass Sie mit dem Sänger Andreas Sommerfeld diese Geschichte darbieten – die für Sänger und Pianist eine Herausforderung ist?
Der Anfang war ein Angebot, das Andreas Sommerfeld zu DDR-Zeiten im bayrischen Freising über die damalige Konzert- und Gastspieldirektion erhielt. Er sollte die „Magelone“ in einem klosterähnlichen Gebäude aufführen. Er hatte keinen Sprecher dafür, und wir haben uns zusammengetan. Danach hörten wir jahrelang nichts mehr voneinander. Bei einem zufälligen Wiedersehen fragte ich ihn, ob er nicht Lust hätte, das noch mal zu machen. Es traf sich, dass ein Veranstalter auf Usedom die „Magelone“ haben wollte – und ich nun wiederum einen Sänger brauchte. Seine Antwort war: „Natürlich!“ Und nun haben wir in diesem Jahr drei Termine dafür, beginnen in Magdeburg und freuen uns schon sehr darauf. Das ist schließlich etwas, wofür man sich nicht schämen muss.

Mögen Sie Liebesgeschichten?
Oh ja! Es gibt wunderschöne Liebesgeschichten in der Weltliteratur, auch „Die alte Liebe“ von Elke Heidenreich gehört dazu. Wie sie zusammen mit Bernd Schroeder die Geschichte eines Ehepaars erzählt, das ist auf den Punkt gebracht, so unkompliziert und schnörkellos. Das reizt mich sehr, damit reise ich auch herum und mache Lese-Abende.

Sie gastieren im Magdeburger Dom. Spielt der Auftrittsort eine Rolle für Sie?
Ja, so ein Ort wie der Dom erfordert eine hohe Konzentration. Ich muss mir meiner sprechtechnischen Instrumente bewusst sein und sie richtig einsetzen. Sprechen ist allerdings etwas, was mir schon seit dem Studium Freude macht. Ich lege viel Wert auf Sprech-Kultur.

Dann müssen Sie sich umgekehrt manchmal schütteln, wenn Sie sehen und hören, was mit der deutschen Sprache gemacht wird – ein Stichwort wäre hier: soziale Medien.
Ich schüttele mich wirklich regelmäßig. Das gilt auch für Texte in Medien oder von Kommentatoren im Fernsehen. Allein, wo manchmal Satzzeichen eingebracht werden, das ist grausam.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie die Texte der „Schönen Magelone“ sprechen?
Da geht es mir ähnlich, wie bei meiner Darstellung des „Nathan“ vor ein paar Jahren. Ich bekam Gänsehaut von der Schönheit der Texte. Lessing ist ein Meister. Ich stand auf der Bühne und war so begeistert von den Texten, dass es mir kalt den Rücken heruntergelaufen ist.

Sie haben in vielen Fernsehfilmen mitgespielt und werden damit oft in Verbindung gebracht. Stört Sie das als bekennender Theater-Liebhaber und Bühnenschauspieler?
Nein, ich bin für beides offen. Und es gehört zu meiner Arbeit.

Hat Sie die jahrelange Arbeit für die Fernseh-Serie „Verbotene Liebe“ geprägt?
Dass mich die Rolle geprägt hat, würde ich nicht sagen. Die Arbeit war sehr anstrengend, weil viele Texte zu bewältigen waren, manchmal leider sehr schlechte, die mir ganz schwer aus dem Mund kamen.

Was möchten Sie als Schauspieler unbedingt noch machen?
Ich möchte noch mal den „Nathan“ spielen – auch gern in Magdeburg. Die Texte von Lessings Drama „Nathan der Weise“ sind heutzutage brandaktuell. Es ist zugegebenermaßen ein schweres Stück. Aber es lohnt sich.

Was soll das Publikum sagen, wenn es am 23. Mai von Ihrer Lesung aus dem Dom geht?
Es soll bewegt sein und aus dem Bauch heraus sagen: „Es war schön, das hat mir gefallen.“ Das wäre wirklich ein Erfolg.

Tickets für Lesung „Die schöne Magelone“ mit Musik von Johannes Brahms und Texten von Ludwig Tieck gibt es unter anderem online unter www.biberticket.de.