Straguth l Es ist ein Querschnitt seines Schaffens, der in der Meißner Albrechtsburg gezeigt wird. Auf 400 Quadratmetern, in fünf Räumen verteilt, sind rund 50 Werke von Bruno Griesel zu sehen, chronologisch nach den Perioden seines Schaffens angeordnet, vom Ende bis zu den Anfängen. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit der Albrechtsburg mit der Leipziger Galerie, der Evangelischen Akademie und dem Meißner Dom.

Es ist die umfangreichste Ausstellung Griesels bislang. Ob Start oder Nullpunkt vermag der Künstler, Meisterschüler Bernhard Heisigs, nicht zu sagen – „ich weiß es nicht.“ „Eine Setzung für mich“, beschreibt er es. An dem Katalog, der im Michael Imhof Verlag erschienen und zwei Wochen vor Ausstellungsbeginn fertig geworden ist, hat er seit Oktober 2018 gearbeitet. Darin sind nicht nur die Bilder der Ausstellung enthalten, sondern ein Abriss des gesamten Schaffens des 1960 in Jena geborenen Malers.

Religion und Wissenschaft kombiniert

„Die wichtigsten Texte sind zusammengefasst, die wichtigsten gedanklichen Positionen, die es mir jetzt ermöglichen, Dinge abzuschließen, neu zu betrachten“, macht der Künstler deutlich, „es besteht keine Erklärungsnot mehr, das ist nicht mehr meine Aufgabe.“

Die Kombination religiösen Inhalts mit Wissenschaft ist das Faszinierende an der Malerei des Straguthers. Griesel arbeitet hochsinnlich und verspielt mit Formen und Farben und macht deutlich, wie bewandert er auch auf dem Gebiet der Theologie, Menschheits- und Kulturgeschichte ist. Mit einigen seiner Bilder stellt er den direkten Bezug zum Meißner Burgberg her.

Welchen Stellenwert die Exhibition hat, machte die Eröffnungsveranstaltung deutlich. Im Dom zu Meißen fand die Vernissage mit Andacht statt. Eine Tür, die sonst nicht geöffnet wird, führte vom Dom in den Festsaal der Albrechtsburg. Dort gab es die Einführung durch den Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalt, Joachim Liebig. Mit 400 Leuten im Dom und noch einmal 300 in der Albrechtsburg hatte die Eröffnung etwas von einem „Staatsakt“.

Aus der Laune heraus

Griesels Gemälde entstehen nicht aus einer Laune heraus. Ihnen voran geht stets eine intensive Beschäftigung mit wissenschaftlichen Dingen, etwa mit Goethes Farblehre. Seit zwei, drei Jahren setzt er sich jetzt mit mathematischen Themen, wie dem Satz von Fermat, auseinander. Primzahlen oder der Goldene Schnitt interessieren ihn.

Seit zwei Jahren ist es auch die Briefe schreibende Frau, mit der sich Griesel beschäftigt, und die Zeit nach den napoleonischen Kriegen. In seinem Straguther Atelier, abgeschieden von der Großstadt, findet er die Zeit und Ruhe, um zu arbeiten.

„Bruno Griesel – Maler der Neuen Leipziger Schule. Eine Retrospektive“ bis zum 10.11.2019 in der Meißner Albrechtsburg.