Stendal (dpa) l Mit komplett neu gestalteten Ausstellungsbereichen will das Winckelmann-Museum Stendal Besuchern das Leben und Werk des Archäologen und Gelehrten nahebringen. Die neue Ausstellung sei sowohl für Kinder wie Kenner als auch für Menschen gedacht, die sich einfach interessierten, sagte der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, Max Kunze, am Donnerstag. Die ursprünglichen 13.000 Besucher pro Jahr sollten gesteigert werden. Im Mittelpunkt der Ausstellung stünden nach wie vor Objekte, sie würden medial unterstützt und erklärt. Das Museum zum in Stendal geborenen Archäologen und Aufklärer Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) öffnet am Sonntag.

Besucher der Ausstellung erwartet gleich am Anfang die dramatischste Szene: Ein Raum angelehnt an das Hotelzimmer, in dem Winckelmann am 8. Juni 1768 in Triest ermordet gefunden wurde. Auf dem Bett ein Blutfleck, ein blutverschmiertes Messer auf dem Schreibtisch. Gleich daneben Münzen, die für Winckelmann von Bedeutung waren und wohl auch den Mörder interessierten. In weiteren Räumen wird wie in einer Rückblende das Leben des Archäologen anschaulich gemacht. Die Schuhmacherwerkstatt seines Vaters in Stendal wird deutlich, ebenso wie Winckelmanns Schulzeit und sein Werdegang zum international anerkannten Gelehrten.

Medienstationen, Tafeln über JoJo (Johann Joachim) und Puzzles sollen die Ausstellung für Kinder interessant machen. Neben der Ausstellung gibt es ein neues Familienmuseum in einem Flachbau hinter dem historischen Gebäude, in dem Winckelmann geboren wurde. Tunnel, Rutschen und eine Vulkan-Kletterwand bieten Möglichkeit zur Bewegung. In einem Theater können Kinder als Römer verkleidet Schattenspiele veranstalten und einen Bericht über einen Vulkanausbruch hören. Sie können ein von einem Vulkan verschüttetes, römisches Haus erkunden.

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Der Umbau des ursprünglich 1955 eröffneten Museums war von erheblichen Querelen begleitet. Die Arbeiten wurden deutlich teurer als geplant und dauerten länger als geplant. Zwischenzeitlich wurden sogar Forderungen nach einem Baustopp laut. Der Stendaler Stadtrat schoss zweimal Geld nach für das Projekt, das nun mit 3,3 Millionen Euro veranschlagt wird. Ursprünglich war die Wiedereröffnung für Mai geplant gewesen – mitten in den international gefeierten Winckelmann-Jubiläen. Im vergangenen Jahr war der 300. Geburtstag des Gelehrten gefeiert worden, in diesem Jahr sein 250. Todestag. Winckelmann war in Stendal geboren worden.

Besucher des Museum erwartet ein modernes Haus, das auch die Belange von Blinden und Sehschwachen berücksichtigt. Für sie wurde eine eigene Audioguide-Führung konzipiert. Es gibt im Skulpturenhof Figuren zum Anfassen, bei einer Berührung soll eine Erklärung zu hören sein. Allerdings fehlen noch Außenanlagen. Auf dem Hof, so sonst das riesige Trojanische Pferd stand, ist die Erde von Handwerkern festgefahren. Und auch das Pferd soll erst im Frühjahr wieder dort stehen. Beim Auseinandernehmen hätten die Handwerker bemerkt, dass das Holz morsch ist. Nun muss alles neu aufgebaut werden, sagte Kunze. Das koste 50.000 Euro.

Während die Stadt Bauherr des Museums ist, ist die Ausstellung Sache der Winckelmann-Gesellschaft. Mehr als eine Million Euro habe die Investition betragen, sagte Kunze. Stiftungen hätten sich beteiligt und viele Spender.