Magdeburg l Auftritte gab es monatelang nicht, Festivals wurden reihenweise abgesagt – jetzt aber wird zum traditionellen Magdeburger Chorfest geladen. Seit dem Corona-Lockdown wird damit erstmals in Sachsen-Anhalt ein Sängertreffen veranstaltet. Es beginnt morgen. Bis Sonntag sind sechs Konzerte geplant. „Das ist ein wichtiges Signal für die Chöre und ihre Arbeit“, sagt Reiner Schomburg, Präsident des Chorverbandes Sachsen-Anhalt.

18 Ensembles haben ihre Teilnahme zugesagt. Laut Schomburg eine stattliche Anzahl, die zeige, welche Bedeutung gemeinsames Singen und öffentliche Auftritte für die Ensembles hätten.

Singen als Infektionsrisiko

Die Ensemblearbeit war deutschlandweit eingebrochen, weil Singen als großes Infektionsrisiko eingestuft worden war. Etliche Studien hatte es gegeben, die mal mehr, mal weniger aufzeigten, wie sich die feinen Aerosole beim Singen verbreiten würden. Es gab eine große Verunsicherung – bei Chormitgliedern und deren Leitern.

Auch aus Eigenschutz hatten viele keine Proben mehr angesetzt. Einige fanden sich aus der Not heraus längere Zeit nur virtuell zusammen. Für Schomburg sei das kein Ersatz gewesen für das Sozialleben, die Gemeinschaft, die in einem Chor gelebt werde.

Nacht der Chöre auch als Livestream

Zur 18. Auflage gibt es keinen Internationalen Chorwettbewerb. Auf den hatte das Organisationsteam schon beizeiten wegen der Reisebeschränkungen verzichten müssen. Auch das Programm wurde umgestaltet, das Motto ebenso coronaangepasst: „Mit Abstand klangvoll“.

Um die Hygieneregeln einzuhalten, nutze man großräumige Konzertsäle und Open-air-Bühnen, sagt der Verbandspräsident. Gesungen wird in der Nicolaikirche, im Dom, im Stadtpark, auf der Seebühne und in der Johanniskirche. Wegen der eingeschränkten Besucherzahl wird die Lange Nacht der Chöre in der Johanniskirche auch als Livestream übertragen.

Spricht man mit Kantor Michael Scholl, ist die Erleichterung deutlich zu spüren, dass es wieder Auftrittsmöglichkeiten gibt. Scholl leitet seit etlichen Jahren die Chöre der Biederitzer Kantorei. Er weiß bestens, wie wichtig es war, dass man sich wieder zum gemeinsamen Proben zusammenfand. Anfangs im Freien, dann in der Kirche.

Proben weiterhin nicht einfach

Nach wie vor sei das Üben mit Abstandsregeln nicht einfach, weil der Nachbar so weit weg sei, so Scholl. Aber von Anfang an seien alle unheimlich dankbar gewesen, dass wieder geprobt werden konnte. Und dass es jetzt wieder Auftritte gibt. Seine Sängerinnen und Sänger hätten bereits vor Publikum gesungen, sagt er und erzählt, wie das ermutigte, auch weil sie diesen Hunger nach Kultur verspürt haben.

Am Donnerstag eröffnet sein Kammerchor gemeinsam mit dem Ensemble Märkisch Barock das Chorfest. Solisten sind geladen. Scholl hat die Leitung. „Wir wollen mit unserem Programm Zuversicht vermitteln“, sagt er. Werke von Georg Philipp Telemann (Scholl nennt ihn einen Grundoptimisten) und Carl Friedrich Fasch werden erklingen. Der Chorleiter kündigt Werke an, die in Magdeburg ihren Ursprung haben.

Kathrin Singer vom Organisationsteam zeigt sich erleichtert, dass man trotz aller Unwägbarkeiten am traditionellen Chorfest festhielt. Das zeigt alljährlich die enorme Bandbreite des gemeinschaftlichen Singens. Daran halten die Organisatoren auch im Corona-Jahr fest. Konzerte gibt es vom geistlichen Chorgesang bis zum maritimen Repertoire der Shantychöre.

Ein Blick auf das Magdeburger Chorfest

Donnerstag, 8. Oktober
19.30 Uhr, Nicolaikirche: „Magdeburger Barockmusik" mit dem Kammerchor der Biederitzer Kantorei und Märkisch Barock

Freitag, 9. Oktober
19.30 Uhr, Nicolaikirche: Knabenchor-Duett mit dem Magdeburger Knabenchor und dem Knabenchor der Singakademie Frankfurt

19.30 Uhr im Dom: Himmlische Stimmen mit dem Magdeburger Kantatenchor, dem Vokalensemble der Magdeburger Polizei und der Gospel Connection Magdeburg

Sonnabend, 10. Oktober
10 Uhr, Stadtpark/Le Frog: „Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise" mit den Shantychören Gerwisch und Magdeburg

15 Uhr, Seebühne Magdeburg: „Forever Young", Konzert der Generationen

19 Uhr, Johanniskirche: Lange Nacht der Chöre mit sieben Chören unterschiedlichster musikalischer Genres und Prypjat Syndrom

Sonntag, 11. Oktober
11 bis 13 Uhr, Gesellschaftshaus Workshop „Lass dich improvisieren"