Magdeburg l Zumindest für Magdeburg war es eine Premiere: Am Freitagabend hat die Gruppe Karat erstmals in der Johanniskirche ein Unplugged-Konzert gegeben. Es war Teil einer exklusiven Konzertreihe, die sich die Band hin und wieder gönnt, mit maximal zehn Auftritten pro Jahr. Dabei nehmen sich die Vollblutmusiker zurück und genießen gemeinsame Zeit mit ihren Fans hautnah im kleinen, fast intimen Kreis. Und das immer an besonderen Orten, wie dem Leipziger Gewandhaus oder auserwählten Kirchen.

Seit August war die Magdeburger Johanniskirche ausverkauft, und aufgrund der großen Nachfrage wird es im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben.

Unplugged, das bedeutet im eigentlichen Sinne „ohne Strom“. Und so startete die Band auch ihr Kirchenkonzert. Eine Herausforderung – sowohl an Sänger Claudius Dreilich, stimmlich den Saal zu durchdringen, als auch ans Publikum, vor allem in den hinteren Reihen. Ersten irritierten Blicken und „Lauter!“-Raufen folgte intensives Lauschen und schließlich viel Applaus. Der galt sicher dem „Schwanenkönig“ ebenso wie solchem ungewöhnlichen Start. Der zeigte Mut und machte zudem den Unterschied deutlich zum folgenden Programm. Dafür hatten die Musiker bekannte Lieder aus der 40-jährigen Bandgeschichte in ein neues Gewand gehüllt, ergänzt von Songs aus dem aktuellen Album „Seelenschiffe“.

Arrangiert in akustisch-geeigneter Form, wie sie auch am Lagerfeuer erklingen könnte oder in einer Pianobar. Manchmal mit mehreren Gitarren, manchmal mit einem Hauch Swing oder im Country-Style. Wohltuend, diese leisere Variante. Am schönsten waren die Momente, wenn Schlagzeuger Michael Schwandt anstelle der großen Trommeln für den Rhythmus den Schellenring nutzte oder wenn Keyboarder Martin Becker zur Mundharmonika griff. Doch mindestens ein Original war auch dabei: „Der blaue Planet“ war „so weit von unplugged entfernt wie die Erde vom Mond“, so der Vergleich von Claudius Dreilich. „Diesen Song wollen wir nicht neuer, nicht anders, der blaue Planet muss so bleiben wie er ist“, sagte er. Gut so.

Die Band zeigte sich in großer Spielfreude. Da wurden Titel schon mal über zehn Minuten zelebriert. Wie das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte „Über sieben Brücken“, lauthals vom Fanchor mitgesungen. Die Musiker zeigten sich Fan-verbunden, plauderten mit dem Publikum, Dreilich ging durch die Reihen, nahm eine Frau mit zur Bühne, die ihr persönliches Ständchen bekam und dazu eine signierte CD. Letztlich luden die Musiker das Publikum zum anschließenden Beisammensein nach dem Konzert ein – für Gespräche, Bierchen und Autogramme. Abschluss eines ungewöhnlichen Abends.

Aufgrund der großen Nachfrage gibt es einen Zusatztermin in der Tour am 18. November 2016 in der Johanniskirche. Karat in voller Lautstärke gibt es vorab am 13. Mai 2016 bei den „Rock Legenden“ in der Getec-Arena, gemeinsam mit City und den Puhdys.