Berlin (dpa) l Vier junge Männer laufen im Gänsemarsch über einen Zebrastreifen, im Hintergrund steht ein VW-Käfer. Jeder Musikfan weiß jetzt sofort, um was es geht. Das Albumcover ist schließlich eines der berühmtesten der Popgeschichte. Noch besser: Auch in der Plattenhülle steckt ein Geniestreich. „Abbey Road“ von The Beatles, ein Triumph gegen jede Wahrscheinlichkeit – 50 Jahre ist das her. Mit einer Wiederveröffentlichung in höchster Qualität wird das Meisterwerk groß gefeiert.

Abbey Road erschien am 26. September 1969

„Abbey Road" erschien am 26. September 1969, am Ende turbulenter Wochen, in denen das offiziell erst 1970 vollzogene Ende der berühmtesten Popgruppe der Welt besiegelt wurde. Am Vormittag des 8. August waren John Lennon, Ringo Starr, Paul McCartney und George Harrison noch bei ihrem Studio in London über den Zebrastreifen an der Abbey Road 3/Ecke Grove End Road gelaufen, der Fotograf Iain MacMillan hatte sie abgelichtet. Danach nahmen die Fliehkräfte innerhalb der britischen Band immer mehr zu. „Die Sache machte keinen Spaß mehr, und es war Zeit zu gehen", sagte Harrison später über den Split, der letztlich von Lennon ausging. Auch andere aus der Band und ihrem Umfeld sprachen in der „Beatles Anthology“ von Erleichterung (Ringo Starr) oder gar „Befreiung“ (Produzent George Martin). Es kommt also einem Wunder gleich, dass „Abbey Road“, das letzte gemeinsame Projekt der „Fab Four“, trotz all der Absetzbewegungen so erfolgreich war. Nicht nur kommerziell mit etwa 15 Millionen verkauften Tonträgern, sondern auch künstlerisch, nach einer heute kaum noch vorstellbaren, kräftezehrenden Karriere.

Schon auf dem experimentierfreudigen „Weißen Album“ von 1968 hatten die Beatles wie eine Ansammlung auseinanderstrebender Musiker gewirkt, die sich noch einmal zusammenraufen konnten. Anfang 1969 versuchten sie sich an neuen Aufnahmesessions, deren von Studiotüftler Phil Spector aufgemotzte Songs gut ein Jahr später – nach dem Beatles-Aus – unter dem Albumtitel „Let It Be“ erschienen. Das legendäre „Rooftop Concert“ am 30. Januar 1969 auf dem Dach ihres Labels Apple in der Londoner Savile Row sollte der letzte Live-Auftritt der Band sein. Die Laune war mies, es drohte ein Desaster zum Beatles-Abschied. Dann heirateten beide Haupt-Songschreiber innerhalb weniger Tage im März: McCartney und die US-Fotografin Linda Eastman, Lennon und die japanische Künstlerin Yoko Ono. Ob es zur Befriedung beitrug?

Beatles gelang ein finales Meisterwerk

„Abbey Road“ spricht für sich: Der Zauber war zurück. 17 Stücke in gut 47 Minuten enthält die Platte. Die Pop-Welt ahnte am Tag des Erscheinens von „Abbey Road“ vor 50 Jahren noch nicht, dass eine fantastische Band einen letzten Kraftakt für ein finales Meisterwerk hinter sich gebracht hatte, dass hier eine Ära endete. „Wir hatten die Gruppe zusammengehalten, um ‚Abbey Road‘ zu beenden“, sagte Ringo Starr. Der später selbst weltberühmte Alan Parsons (The Alan Parsons Project) war mit gerade mal 19 Jahren Soundingenieur in den Abbey Road Studios. Er erinnert sich im britischen Musikmagazin „Uncut“ :„Ich war mir auf dem Apple-Dach sicher, dass es die letzte Live-Performance war. Aber ich war mir nicht sicher, dass Abbey Road ihr letztes Statement sein würde.“ Das nach offizieller Zählung elfte Beatles-Studioalbum seit dem Debüt „Please Please Me“ (1963) klingt so perfekt wie kein anderes dieser Band, es steckt voller Überraschungen. Die gab es auch nach der Veröffentlichung. Nicht nur stand „Abbey Road“ 18 Wochen auf Platz 1 der britischen Album-Charts und erreichte in Deutschland und den USA ebenfalls die Spitze – das Albumcover mit dem barfüßigen McCartney war auch Anlass für wüste Theorien, der Bassist und Songwriter sei tot und durch einen Doppelgänger ersetzt.

Das Fußgänger-Artwork gehört – wie von den Beatles zuvor schon „Revolver“ (1966) und „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ (1967) - zu den einflussreichsten der Pophistorie. 50 Jahre später sorgt das Album im Londoner Stadtteil St. John‘s Wood immer noch fast täglich für Verkehrsbehinderungen.

Touristen stellen Beatles-Cover gern nach

Der unter Denkmalschutz stehende Zebrastreifen ist eine Attraktion – und ein Ärgernis für Autofahrer. Die meisten Fußgänger wollen die Straße nicht überqueren, sondern gehen langsam. Einige bleiben in der Mitte stehen. Bis das Hupkonzert ungeduldiger Auto- und Busfahrer zu laut wird, versuchen sie auf die Schnelle das Albumcover nachzustellen.