Magdeburg l 2017 gewann „Elephant’s Foot“ das Local Heroes-Bundesfinale in Salzwedel. Nun geht der Band-Contest in eine neue Runde. Für die Volksstimme sprach Julia Wartmann mit den Musikern über ihre Entwicklung.

Ihr habt den „SWM Talent Verstärker“ gewonnen und schließlich sogar die Local Heroes auf Bundesebene. Ein Musikvideo und EP-Release folgten – und sogar ein Preisträgerkonzert in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt, es war das erste dort überhaupt. Was bedeutet es für euch, eure eigene Musik auf einer Bühne vorzustellen und was macht den Unterschied zum Proberaum aus?

Im Proberaum verbringen wir viel Zeit damit, Songs zu arrangieren und an Details zu arbeiten. Der Fokus liegt ganz auf der Musik. Wir können herumexperimentieren oder auch mal unterbrechen, um Stellen intensiver zu proben. Gerade die Gesänge üben wir oft erst nur mit ein bisschen Gitarrenbegleitung, bevor wir sie in den Song einbauen. Außerdem kennen wir den Sound im Proberaum und haben alles so eingestellt, dass wir einander gut hören. Auf der Bühne werden die Ideen dann auf die Probe gestellt, wobei es dort mehr bedarf als dem eigentlichen Spielen, um den Spaß beim Publikum ankommen zu lassen. Es ist ein wahnsinniges Gefühl, wenn man merkt, dass das Material funktioniert. Die Energie, die das Publikum entgegenbringt, wirkt sich direkt auf das Spiel aus, was im Proberaum so gar nicht möglich ist. Genauso kann es aber auch sein, dass wir bei einem Auftritt merken, welche Stellen oder Songs noch mal überarbeitet werden sollten.

Ihr beschreibt gesellschaftsrelevante Themen wie Mensch und Natur oder die Sinnlosigkeit von Kriegen und euren Umgang damit. Welches Gefühl erlebt ihr dabei, eigene Songs zu schreiben und einem Publikum zu zeigen?

Als Band die eigenen Songs zu spielen, ist für uns unablässig, denn das hilft uns, unseren individuellen Sound zu finden. Es ist einer der besten Momente für einen Musiker, wenn man sieht, dass man eine Melodie und einen Text, den man sich mal in einem kleinen Zimmer ausgedacht hat, plötzlich vor vielen Menschen spielen kann. Und ganz besonders krass ist es, wenn dieser Song dann sogar mitgesungen wird.

Ihr habt Ende 2016 begonnen zu dritt Musik zu machen, 2017 standet ihr zum ersten Mal gemeinsam als Trio auf der Bühne. Warum habt ihr euch für eine Band entschieden? Was macht den Unterschied zum Solo-Programm aus?

Wenn wir zu dritt Musik machen, ist das fast wie eine eigene Kommunikationsform untereinander. Wir müssen meistens keine großen Absprachen vorher treffen, sondern jeder hört auf die anderen und findet seinen Part. Außerdem entsteht immer etwas völlig Eigenständiges und Neues, wenn man mit anderen zusammenspielt. Jeder bringt seine Einflüsse und Ideen ein und man hat natürlich bei mehreren Instrumenten eine viel breitere Klangfarbe als bei Solo-Auftritten.

Raus aus dem Proberaum habt ihr euch beim „SWM TalentVerstärker“ zum ersten Mal einem größeren Publikum gezeigt. Danach folgten die Local Heroes. Welche Chance bieten solche Auftritts- und Coachingangebote?

Als Musiker liegt unser Hauptaugenmerk – oder besser Ohrenmerk – natürlich darauf, unseren Zuhörerinnen und Zuhörern ein tolles Klangerlebnis zu bieten. Um seine Musik aber unter die Leute zu bringen und auf großen Bühnen spielen zu können, gehört noch viel mehr dazu. Bei den Coachings konnten wir von dem Wissen und der Erfahrung zum Musikgeschäft als Ganzes viel aus erster Hand lernen. Die Größe der Bühne war für uns gar nicht der ausschlaggebende Punkt, da wir gerade eher darauf hinarbeiten, unsere Musik auf überschaubaren Clubbühnen zu spielen, aber durch die vielen verschiedenen Bands ist das Publikum einfach größer, als wenn wir alleine spielen würden und das macht dann schon richtig viel Spaß.

Und wie sollten sich Künstler aus eurer Erfahrung heraus auf ein Angebot wie Local Heroes vorbereiten?

Das hängt ganz davon ab, was die eigene Erwartung ist. Als wir mitgemacht haben, stand die Option zu gewinnen gar nicht im Raum. Wir hatten einfach Lust auf den Auftritt im „Objekt 5“ in Halle. Dabei stand das Austesten der Musik im Vordergrund und wir haben viel geprobt. Das ist selbstverständlich die Basis einer guten Performance. Dann kamen auf einmal die Finalrunden in Magdeburg und Salzwedel dazu und plötzlich hatten wir einen Haufen Urkunden in den Händen. Das waren wahnsinnig tolle Erfahrungen, von denen wir viel mitnehmen konnten. Das local-heroes-Netzwerk bietet aber neben den eigentlichen Preisen auch viele Möglichkeiten verschiedenster Kontakte. Um diese auch direkt nutzen zu können, ist es hilfreich, wenn ein gewisser Grundstock, an den man anknüpfen kann, schon da ist, also Veröffentlichungen, Videomaterial, Pressefotos, Pressekit etc. Und es sollte die Frage geklärt sein, was man mit der Musik eigentlich erreichen will.

Gesucht werden nun eine Band oder ein Singer-Songwriter, die in eure Fußstapfen tritt und versucht, den Titel „Local Heroes“ in Sachsen-Anhalt zu halten. Was zeichnet die Musikszene in Sachsen-Anhalt aus und warum ist die Titelverteidigung gar nicht so unmöglich?

Die Musikszene in Sachsen-Anhalt ist sehr breit gefächert und voller junger, kreativer Musikerinnen und Musiker. Besonders die Vernetzung untereinander ist sehr cool, zum Beispiel wenn es um Auftritte und so weiter geht. Den Sieg in Sachsen-Anhalt zu halten, ist daher schon machbar – immerhin hat man Heimvorteil. Selbst wenn es nicht der Jury-Sieg wird, gibt es eine Menge Musikbegeisterte aus dem eigenen Bundesland, die sich freuen, wenn eine Band aus Sachsen-Anhalt sie mit guter Musik überzeugt und das dann auch mit einer Stimme für die Publikumspreise belohnen. Eine andere Erklärung für so viele Publikumsstimmen und entsprechende Titel haben wir auch nicht. Wir selbst hatten nur eine kleine Gruppe besonders treuer Fans im Finale dabei.

Die nächsten Vorentscheide für Local Heroes finden am 12. Mai in Aschersleben, am 8. Juni in Burg, am 23. August in Halle und am 8. September 2018 in Magdeburg statt.