Dessau | Die Livemusik-Reihe „zdf@bauhaus“ wird von Dessau nach Weimar verlegt. Schon am Donnerstag, 11. Juli 2019, werden in der Gründungsstadt des Bauhauses die ersten Konzerte aufgezeichnet. Open Air und auf dem Gelände der Bauhaus-Universität Weimar treten die österreichische Rockband Wanda und der Singer-Songwriter Nico Santos auf. Das teilte der Sender „3sat“ mit, welcher die Konzerte am 21. September 2019 zeigt.

Wie ist es zur Verlegung nach Weimar gekommen? Nach mehr als 100 Konzerten hatten sich im Herbst 2018 die Fernsehmacher von „zdf@bauhaus“ und das Bauhaus in Dessau zerstritten.

Grund: Das ZDF wollte die linke Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ nach Dessau holen. Doch das Konzert wurde zum Politikum. CDU und AfD kritisierten den geplanten Auftritt der Band scharf. Kulturminister Rainer Robra (CDU) sagte: „Ich halte die Idee, eine Punkrockband aus dem linken Spektrum mit entsprechenden Fans im eher kammermusikalischen Ambiente der Bauhaus-Bühne auftreten zu lassen, für nicht besonders überzeugend.“ Sachsen-Anhalts Regierungssprecher bezeichnete die Einladung der Band als „schwer bis nicht nachvollziehbar“.

Hausverbot für das ZDF

Eine zugespitzte Debatte führte dazu, dass die Stiftung Bauhaus das Konzert der Band untersagte und dem ZDF Hausverbot erteilte. Die Absage zog bundesweit Kreise. Begründet wurde das Verbot mit der politischen Ausrichtung der Band. Das Bauhaus solle nicht zum Austragungsort politischer Agitation oder Aggression werden, argumentierte die Stiftung Bauhaus. Man sei ein „bewusst unpolitischer Ort“. Bei der Absage spielte auch eine Rolle, dass rechte Gruppierungen im Internet gegen die Punkband mobil gemacht hatten. Das Bauhaus befürchtete Demonstrationen vor der eigenen Tür.

Das ZDF bedauerte den Schritt der Stiftung. „Feine Sahne Fischfilet“ kritisierte die Entscheidung. „Dass das Bauhaus einknickte vor dieser rechten Allianz, setzt neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit“, hieß es in einem Facebook-Eintrag. Die Stiftung habe sich von der CDU, der AfD und von Neonazis einschüchtern lassen.

Die Band selbst ist in mehreren Verfassungsschutzberichten aufgetaucht. „Feine Sahne Fischfilet“ und das ZDF gingen nach dem Rauswurf auf die Suche nach einem alternativen Konzert-Ort und fanden ihn in einer ehemaligen Brauerei in Dessau.

Nun der Umzug von „zdf@bauhaus“ nach Weimar. Steht er in direktem Zusammenhang mit dem Zoff um „Feine Sahne Fischfilet“? „Das hat nichts mit der Diskussion um die Absage des Konzertes zu tun“, beteuerte gestern eine ZDF-Sprecherin. „Der Name Bauhaus ist sowohl mit Dessau als auch mit Weimar verbunden. Im Jahr des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums hat das ZDF die Möglichkeit wahrgenommen, die 3sat-Reihe am Gründungsort des Bauhauses fortzusetzen“, heißt es vom Sender weiter.

Stiftung Bauhaus redet Umzug klein

Für die Stiftung Bauhaus Dessau hat sich die Musiksendung „in Dessau zu einem sehr erfolgreichen Format entwickelt“. Man sei an der Entscheidung für den Umzug nicht beteiligt gewesen, heißt es auf Anfrage. „Nach zehn Jahren sind Veränderungen und Neuausrichtungen nicht unüblich – und eine Chance für alle Seiten.“ Man wolle sich im Bereich Bühne im Bauhaus Museum Dessau neu ausrichten.

Stefan Gebhardt, Medienpolitiker der Linken im Landtag, griff am Dienstag Kulturminister Robra und die Stiftungsdirektorin des Bauhauses, Claudia Perren, direkt an. Sie hätten dem mit bundesweiten TV-Produktionen wahrlich nicht reich gesegneten Sachsen-Anhalt gerade im Bauhaus-Jubiläumsjahr einen Bärendienst erwiesen.

Ein Super-Gau

Die Verlegung der Musikreihe nach Weimar sei ein „kultur- und medienpolitischer Super-Gau für Sachsen-Anhalt“. Was mit einem „eklatanten Angriff auf die Kunstfreiheit und die Programmhoheit des ZDF“ begonnen habe, habe jetzt ein bitteres Nachspiel.

FDP-Landesvize Lydia Hüskens nannte den Abzug aus Dessau die „traurige Folge des laienhaften Agierens der Landesregierung. Die Intervention der Staatskanzlei hat nachhaltig Schaden für Dessau hinterlassen, denn die Konzerte waren zweifellos eine bundesweite Werbung für das Bauhaus und die Stadt.“

Kulturminister Robra sagte am Dienstag der Volksstimme: „Die Beendigung der Reihe im Bauhaus Dessau ist bedauerlich, nach über 100 Aufführungen und nach über zehn Jahren aber auch zu verschmerzen.“ Das Bauhaus Dessau werde die Veranstaltungsformate für die Bauhausbühne und das neue Museum nach dessen Fertigstellung festlegen. „Als Minister und als Fernsehratsmitglied werde ich mich dafür einsetzen, dass das Bauhaus Dessau bei den Programmplanungen von ZDF, 3sat und Arte angemessen berücksichtigt wird“, betonte Robra.

Im Januar 2011 hatte das ZDF das erste Konzert vor Live-Publikum im Dessauer Bauhaus aufgezeichnet. Seitdem holten die Fernsehmacher nicht nur bekannte oder vielversprechende Newcomer vor die Kamera.

Auftritte hatten auch Musiker und Bands wie Clueso, BAP, Silbermond und Passenger. In diesem Jahr werden laut ZDF vier Konzerte in der Bauhaus-Universität Weimar aufgezeichnet.