Düsseldorf (dpa) l Die umstrittenen Textzeilen der Gangster-Rapper Kollegah und Farid Bang sind nicht strafbar. Das hat eine Prüfung durch die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ergeben. Die Ermittlungen seien eingestellt worden, sagte Behördensprecher Ralf Herrenbrück der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar seien die Liedtexte voller vulgärer, menschen- und frauenverachtender Gewalt- und Sexfantasien, heißt es in der Entscheidung. Weil sie aber damit dem Genre „Gangsta-Rap“ gerecht werden, sei dies nicht strafbar. Denn auch für diese Musikrichtung gelte die in der Verfassung verankerte Kunstfreiheit.

Nach dem Eklat bei der Verleihung des Musikpreises Echo waren mehrere Strafanzeigen gegen die Musiker eingegangen. Die Liedtexte der Rapper wurden daraufhin auf ihre strafrechtliche Relevanz überprüft.

Reaktionen zum Echo-Eklat 2018

Berlin (jr) l Trotz ihrer umstrittenen Texte haben die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah in Berlin einen Echo bekommen. Dem Rap-Duo wird Antisemitismus vorgeworfen. Es gibt viel Empörung, aber auch Beifall.

  • Moderatorin Dunja Hayali hätte bei der Verleihung des Echo 2018 in Berlin anders als die meisten protestiert und den Saal verlassen.  Foto: Sven Hoppe/dpa, Montage: Volksstimme.

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  • Punk-Sänger Campino kritisierte das Rap-Duo auf der Bühne bei der Preisverleihung des Echo 2018 in Berlin. Foto: Matthias Balk/dpa, Montage: Volksstimme.

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  • Rapper Sido kritisiert nach der Preisverleihung beim Echo 2018 in Berlin Campino. Foto: Caroline Seidel/dpa, Montage: Volksstimme.

    Rapper Sido kritisiert nach der Preisverleihung beim Echo 2018 in Berlin Campino. Foto: Caroline ...

  • Juso-Chef Kevin Kühnert findet klare Worte nach der Echo-Verleihung in Berlin. Foto: Michael Kappeler/dpa, Montage: Volksstimme.

    Juso-Chef Kevin Kühnert findet klare Worte nach der Echo-Verleihung in Berlin. Foto: Michael...

  • Charlotte Knobloch, die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, findet die Verleihung des Echo 2018 in Berlin an Kollegah und Farid Bang falsch. Foto: Tobias Hase/dpa, Montage: Volksstimme.

    Charlotte Knobloch, die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, findet...

  • Der Schauspieler Jan Josef Liefers zum Echo 2018 in Berlin. Foto: Guido Kirchner/dpa, Montage: Volksstimme.

    Der Schauspieler Jan Josef Liefers zum Echo 2018 in Berlin. Foto: Guido Kirchner/dpa, Montage: Vo...

  • Der Vater von Oliver Polak überlebte den Holocaust. Der Comedian ist auch empört über den Zeitpunkt der Verleihung.  Foto: ProSieben/Richard Huebner/dpa, Montage: Volksstimme.

    Der Vater von Oliver Polak überlebte den Holocaust. Der Comedian ist auch empört ü...

Kollegah und Farid Bang waren trotz Antisemitismus-Vorwürfen mit dem Musikpreis ausgezeichnet worden. Dies hatte schließlich zu seiner Abschaffung geführt. Etliche Musiker hatten zuvor ihre Echo-Preise aus Protest zurückgegeben.

Die viel kritisierte Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ sei weder eine Billigung noch eine Verharmlosung der NS-Herrschaft und ihres Völkermordes, so die Staatsanwaltschaft. Der Vergleich von KZ-Insassen mit dem eigenen Körper möge geschmacklos sein, aber: Er stelle auch keine Leugnung des Holocausts dar.

Gleiches gelte für die Zeile „Mache mal wieder ‚nen Holocaust“. Diese Ankündigung sei weder eine Aufforderung zur Gewalt noch eine Verharmlosung des Holocausts. Wesensmerkmal des „Gangsta-Rap“ sei nun einmal die Glorifizierung von Kriminalität und Gewalt.

Die Ermittler hatten die Texte auch auf die Straftatbestände Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener überprüft. Gegen die Entscheidung ist noch Beschwerde möglich. Kollegah und Farid Bang hatten – einige Wochen nach dem Eklat – kürzlich die KZ-Gedenkstätte Auschwitz besucht. Die Anregung dazu war vom Musiker Marius Müller-Westernhagen gekommen. Das Musiklabel BMG hatte sich in einer Stellungnahme zunächst hinter die Musiker gestellt, dann aber die Zusammenarbeit auf Eis gelegt.

„Grenzüberschreitung ist eines der zentralen Stilmittel des Gangsta-und-Battle-Raps“, erklärte Hiphop-Expertin Sina Nitzsche von der Technischen Universität Dortmund. „Der ist auch homophob, frauenfeindlich und in anderer Weise abwertend.“ Das gehöre allerdings zum Genre wie der Cowboy zum Western.