Magdeburg l Dieser Tage schlagen die Wellen hoch. Das Impuls-Festival um seinen Intendanten Hans Rotman sieht sich vor dem Aus und schlägt Alarm, bei Facebook kommentieren Musiker und Komponisten die Ungewissheit und machen sich Luft über die Hinterzimmerpolitik des zuständigen Kulturministeriums. Dicke Luft im Netz.

„Ich weiß nichts über die Zukunft“, sagt Hans Rotman. Nur: Es soll vom zuständigen Ministerium für Kultur Pläne geben, ein Festival für Neue Musik ab 2020 völlig neu auszurichten. Die vom Festival vor wenigen Tagen verschickte Pressemitteilung richtet sich gegen Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU). Vom Schockiertsein über dessen Pläne ist darin zu lesen. Schellenberger plane völlig im Geheimen, ohne Informationen herauszugeben, ohne Dialog, sagt Rotman im Volksstimme-Gespräch. Der Dirigent und Komponist, gebürtiger Rotterdamer, der 2002 nach Sachsen-Anhalt kam, 2008 das Festival hier begründet hatte und es seitdem leitet, nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt, das Festival werde plattgemacht.

Nach zehn Jahren hinterfragen

Staats- und Kulturminister Rainer Robra (CDU) ist der Wirbel nicht entgangen. Er hat sich gestern dazu im Landtag geäußert und abends noch einmal vor Journalisten. Auf die Volksstimme-Frage, wie es weitergeht mit Impuls, antwortete der Minister mit einer Gegenfrage: Brauchen wir ein Festival für Neue Musik oder legt man die Unterstützung hiesiger Komponisten kontinuierlicher an? Robra sagte, man dürfe nach zehn Jahren hinterfragen und evaluieren. Wo steht das Festival? Wie ist die nationale und internationale Wahrnehmung? Und: Brauche man einen Intendanten?

Robra hat sich genau die Zahlen angeschaut. Impuls bekomme, so sagte er, den „absolut höchsten Landesanteil in der Finanzierung“. Das Festival habe es nicht verstanden, den Bund mit ins Boot zu holen, auch nicht, (ohne Stiftungen und Lotto) nennenswerte Drittmittel einzuwerben. Rotman sieht das ganz anders.

150.000 Euro gibt das Land Sachsen-Anhalt in diesem Jahr für das Impuls-Festival aus. 2015 waren es noch 100.000 Euro mehr. „Der Etat ist kontinuierlich nach unten gegangen“, hatte der Intendant zur Volksstimme gesagt. Ähnlich nach unten gegangen sei der Dialog, kritisierte er und legte nach: „Jetzt gibt es nur noch Hürden und Steine.“

In der Gerüchteküche jedenfalls brodelt es. Über Festival-Zusammenlegungen wurde gemunkelt. Dazu gehörte auch die ziemlich absurde Vorstellung, den in Magdeburg gefeierten Barockkomponisten Telemann und Impuls gemeinsam zu feiern.

Intendanten-Namen wurden auch gehandelt. Darunter Michael Kaufmann, der langjährige Intendant des Kurt-Weill-Festes in Dessau, der, so eines der Gerüchte, zurückkehren sollte nach Sachsen-Anhalt. Hörte man Robra gestern, wird es wohl gar keinen Intendanten mehr geben. Der Minister bringt vielmehr die Theater und Orchester ins Spiel, die selbst zeitgenössische Musik in ihre Spielpläne aufnehmen sollten. So steht es auch in den neuen Theater- und Orchesterverträgen, die erst seit Januar Gültigkeit haben. Von einer Zusammenarbeit mit Impuls ist da keine Rede.

Rotman hatte ein Netzwerk mit allen Sinfonieorchestern im Land und dem Chor und Orchester des Mitteldeutschen Rundfunks aufgebaut.

Dass man zuweilen nicht überall beglückt war über diese Form der Zusammenarbeit, wurde von manchem Musiker und Dirigenten zwar geäußert, aber nur hinter vorgehaltener Hand. Robra sagte gestern sehr deutlich, dass Impuls mit den Konzerten nicht nur als Bereicherung angesehen werde.

Gespräche mit Theaterintendanten

Andere Festivals für Neue Musik im Land haderten schon seit längerem mit der Unterstützung von Impuls. Das Tonkünstlerfest zum Beispiel ist ein deutlich kleineres Festival, das vom traditionsreichen Tonkünstlerverband zeitlich fast parallel auf die Beine gestellt wird und das um Aufmerksamkeit kämpft. Auch die Tonkünstler geben Komponisten aus Sachsen-Anhalt und Neuer Musik ein Podium. Die Förderung des Nachwuchses hat eine lange Tradition. Robra sprach aber auch vom Sinuston-Festival und den Hallischen Musiktagen, die durch das damals gegründete Impuls-Festival ein bisschen unter die Räder gekommen seien. Robra meint die Konkurrenzsituation.

Die Förderung, so hört es sich an, wird wohl wegführen vom Impuls-Festival. Erste Gespräche mit Theaterintendanten und Generalmusikdirektoren haben stattgefunden, so Robra. Nächste Woche soll erneut solch eine Intendantenrunde anberaumt sein.

„Wir prüfen gerade“, so der Minister. Rotman kündigt an, Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu schreiben.

2019 beginnt das Festival am 16. Oktober. Es ist durchgeplant mit 25 Veranstaltungen, darunter zehn Uraufführungen, neun Impuls-Auftragskompositionen und drei deutschen Erstaufführungen.