Prag (dpa) l Mit seinen Stepptanzeinlagen sorgte Jiri Korn einst in der DDR-TV-Show "Ein Kessel Buntes" für Abwechslung. Mit "Ich such die Yvetta" sang der Tscheche Mitte der 1970er Jahre einen Gassenhauer. Dann wurde es stiller um ihn. Nun, vor seinem 70. Geburtstag am Freitag (17. Mai), sagt Korn: "Meinen deutschen Fans möchte ich mitteilen, dass ich nicht nur weiter am Leben, sondern auch in meinem Beruf immer noch aktiv bin."

Vor einiger Zeit hat Korn das Vokalquartett "4TET" zusammengestellt, das bekannte und eigene Lieder im A-cappella-Stil auf die Bühne bringt. Dabei bedient es sich auch aus Oper und Filmmusik. "Damit ist der Idealzustand erreicht, dass es dem Künstler Spaß macht und das Publikum interessiert", sagt der gebürtige Prager.

Korn knüpft damit an seine Kindheit an, als er im Kinderchor des tschechoslowakischen Rundfunks sang. Dort habe er erstmals Einblick erhalten in die Geheimnisse des Gesangs, der Intonation und der Musiktheorie, erzählt er. Daneben ist Korn heute ein in Tschechien gefragter Musicalschauspieler. Sein Repertoire reichte in den vergangenen Jahren von Rollen in "Miss Saigon" über "Carmen" und "Les Misérables" bis hin zu "Jesus Christ Superstar" und "Dracula".

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An seine ersten Erfolge in der DDR erinnert sich Korn heute gern zurück. Es gab für den jungen Tschechoslowaken, der damals noch einen vollen, blonden Haarschopf trug, zwei Herausforderungen: Er, der sich selbst als Sprachen-Antitalent bezeichnet, musste Deutsch lernen. Und er hatte sein Bühnenfieber zu überwinden, das ihn bis heute nicht verlassen hat. Korn verbrachte viele Stunden bei Proben in den Ballettsälen. "Es war die Zeit großer und anspruchsvoller Musik- und Tanznummern."

Doch wie kam Korn, der sich zuerst als Gitarrist in Rockbands wie Rebels und Olympic versucht hatte, überhaupt zum Stepptanz? Alles fing an bei dem Prager Tänzer, Choreografen und Pädagogen Frank Towen - mit richtigem Namen Frantisek Novotny. Bei ihm nahmen nicht nur Jiri Korn, sondern auch weitere Stars wie Karel Gott und Helena Vondrackova Unterricht. Viel gelernt habe er auch von Irene Mann, der damaligen Chefin des ZDF-Fernsehbaletts, sagt Korn.

Immer offen für Experimente übte sich Korn später im Video zu seinem Song "Miss Moskau" von 1990 sogar im Breakdance. Mittlerweile hält er sich mit Tanzeinlagen eher zurück und sagt selbstironisch: "Der Stepptanz ist heute, so wie die Zeit vergeht, mir stilistisch wieder ein Stück voraus."

Zu seinem 70. Geburtstag plant Korn ein Konzert in Prag, in der größten Multifunktionshalle Tschechiens mit einer maximalen Kapazität von rund 18.000 Besuchern. Das Motto ist "70x Dank" an seine Fans. "Es wird einzigartig in dem Sinne, dass ich noch nie eine Show von diesem Umfang und dieser Größe gemacht habe", verrät der Entertainer. Geplant ist eine Reise durch Korns bisherige Karriere unter der Regie der Choreografen-Brüder Simon und Michal Caban.

Seine "Yvetta" – so der Song von 1972 – heißt Renata. Vor anderthalb Jahren heiratete er seine rund 25 Jahre jüngere Freundin. Für Korn ist es die dritte Ehe. Kennengelernt haben sich die beiden beim Golf. Denn Korn hat nicht nur zweimal den tschechischen Künstlerpreis Thalie gewonnen, er ist auch begeisterter Golfer und aktiver Poolbillardspieler. Mit 434 in einer Stunde versenkten Billardkugeln hat es das Multitalent sogar in das "Tschechische Buch der Rekorde" geschafft.