Magdeburg l Tausende haben sich auf dem Platz versammelt. Dicht an dicht stehen die Fans vor der Bühne, in deren Hintergrund sich der mächtige Dom erhebt. Von Dom bis Landtagsgebäude stehen Menschen, jung und jünger, verpaart oder in Grüppchen (Letztere zumeist weiblich). Es sind leise, ruhige Musikliebhaber – passend zur Hauptperson des Abends – Philipp Poisel.

Der Sänger ist plötzlich da – ganz unprätentiös hat er sich vor die Massen begeben, allein am Mikro mit Gitarre. Zwei, drei Musiker verlieren sich auf der großen, schwarzen Bühne. Die Fans quittieren mit einem kurzen, kollektiven Begeisterungsjuchzer die Ankunft des Sängers, verstummen sofort, um den vertrauten schmelzigen Sing-Sang, von warmen Instrumentenklängen begleitet, in Gehör und Herz zu lassen.

Es ist gefühlvoll Flehendes, was hier den Nerv der Zuhörer trifft. „Wie sieht der Himmel aus, der jetzt über dir steht“ lässt sie entrückt mitwippen, geschlossene Augen inklusive, einige Paare nehmen sich fest in den Arm, vernehmen Liedzeilen wie „vermisse dich“, „für immer bleiben“, halt mich“. Die Texte sind Poesie, ein Ticken zu viel des Gefühls, vielleicht kommt Poisels Mucke so gut an, weil deren Aussagen so verdammt wünschenswert sind.

Fans feiern Liebe, Musik und Philipp Poisel

Träumen erlaubt. Realität ist später. Jetzt heißt das erklingende Liebeslied erstmal „Mit jedem deiner Fehler“, hymnengleich, Streicher, Gitarren, Poisel mit Mundharmonika. Die Fans feiern die Liebe, feiern die Musik, feiern den Sänger, der alles andere als Star-Allüren an den Tag legt. Er ist ein Junge von nebenan in legerer Kleidung und mit wildem Haar. Den Jungen möchte so mancher tröstend in den Arm nehmen, wenn er seinem Auditorium gesteht, Angst vor dem Tod zu haben. Alternativ ist der Song „Froh, dabei zu sein“ fröhlich mitzusingen. „Magdeburg, bin froh, dabei zu sein!“, ruft Poisel ins Mirko, um dann im Dunkel der Bühne zu verschwinden.

Minuten später: „Aaahh“ der Fans, die Bühne ist von schwarz zu lichterblau gewechselt, die Musikerschar um ein Miniorchester und Backround-Sängerinnen angewachsen.

Eine echte Bühnenshow mit Lichteffekten und einem gar tanzenden Poisel findet von nun an statt. „Geh nicht fort von mir“, fleht Poisel, gesanglich unterstützt von textsicheren Fans. Das Lied vom neuen Album „Mein Amerika“ ist nicht nur mitwippbar, sondern tanzbar. Beschwingt wird´s bei „Bis nach Toulouse“ trotz klagender Liedzeile „Schön ist es nicht ohne dich“. Der Sänger vernuschelt den Refrain, was eröffnet, das „nicht“ nicht mitzusingen. Das Lied ist dann etwas für Menschen mit und ohne Liebeskummer.

Poisel als Ziehsohn Herbert Grönemeyers

Nuscheln, Poesie, Liedermacher - da war doch was? Es verwundert nicht, dass Förderer des 34-jährigen Poisel Altmeister Herbert Grönemeyer ist. Poisel hat Stimme, gefühlvoll, berührend, eine Stimme, die die Fans genießen, mit orchestralen Klängen, fortführend zu hören beim Lied „Zünde alle Feuer“, dessen rhythmische Klänge bei den Fans tänzerisches Mitwirken entzünden.

„Erkläre mir die Liebe“, einer der besten Songs, darf im Konzert nicht fehlen. „Wann kommst du mich holen aus dieser Dunkelheit? “ – Zeilen zum Dahinschmelzen, zum Weinen schön. Am Ende haben die Fans ein Konzert wohligen Klangs an einem lauen Spätsommerabend als Erinnerung abzuspeichern.