Magdeburg l Vor der Halle bilden sich am Sonntag lange Schlangen. Die Stimmung ist gut. Menschen jeden Alters stehen schwatzend und lachend vor den Eingängen. Die Autokennzeichen zeigen, dass einige einen langen Weg aus Potsdam oder Hildesheim genommen haben, um heute beim Konzert dabei zu sein, mit dem der Schweizer Musiker sein 25. Jubiläum feiert. „Meine Eltern waren schon viermal hier, jetzt will ich auch mal gucken, wie das so ist“, sagt ein junger Mann und schaut erwartungsvoll ins Programmheft, auf dem mit großer Schrift steht: „Wir sagen Danke!“ Der Schweizer Popstar ist darauf abgebildet, in fantasievollem Kostüm und mit einer Brille, in der sich Partygetümmel spiegelt. Dieses Bild gibt eine Vorahnung darauf, was sich in den nächsten zweieinhalb Stunden in der vollbesetzten Halle in Magdeburg abspielen wird.

Während das Publikum in die Halle strömt, sind auf der riesigen Leinwand Stationen aus DJ Bobos Karriere zu sehen. Konzertmitschnitte, Einblicke in Proben, Treffen mit prominenten Kollegen wie Otto Waalkes oder Michael „Bully“ Herbig. Eine stilisierte Zeitmaschine setzt sich dafür in Gang, aus den Boxen dröhnen Songs. Den Countdown zum Konzert an diesem Abend zählt das Publikum laut mit. Als es dunkel wird, Licht und Musik wie ein Startsignal einsetzen, schießt DJ Bobo förmlich von unten aus der Bühne und die Party beginnt. Vom ersten Klang an feiert das Publikum mit. Zuschauer springen auf, schwenken Fan-Fahnen.

So läuft es seit 25 Jahren überall, wo er auftritt: DJ Bobo ist ein Phänomen. Als einer der wenigen Stars der Eurodance-Zeit füllt der Schweizer nach wie vor solche großen Hallen. Die Getec-Arena lobt er gleich zu Beginn: „Hier ist alles so schön kompakt, hier können wir heute schön zusammen feiern“, ruft er den Zuschauern zu. Wie bei allem, was der DJ sagt oder wozu er auffordert, reagieren alle in der Halle ekstatisch.

Bilder

Tour ist Dankeschön

Wenn DJ Bobo sagt: „Zeigt alle eure Hände“, dann sind alle Hände oben. Wenn er La-Ola-Wellen in Zeitlupe oder mit Handytaschenlampen sehen möchte, dann kriegt er das. Er ist der Partymacher – und die Lust, dieses Musikfest mit seinen Fans zu feiern, nimmt man ihm jederzeit ab.

DJ Bobo feiert 25. Bühnenjubiläum und die Tour soll ein Dankeschön sein für die lang anhaltende Treue seiner Fans, sagt er. Der gelernte Bäcker und Konditor entdeckte in den 80er Jahren seine Liebe zu Musik und Tanz, liebt den Breakdance und wird 1986 Vize-DJ-Meister in der Schweiz. So ging es los. In den 1990er Jahren verkaufen sich seine Singles und Alben in unglaublicher Zahl.

Auch bei der Jubiläumstour setzt er wie seit vielen Jahren auf die ganz große Show. Dancefloor als großes Spektakel, das ist das Programm des 49-Jährigen. Und das funktioniert in Magdeburg bestens. Die Bühne ist die überdimensionale Kulisse für das Konzert, das vor allem dem Auge etwas bietet. Der Schweizer arbeitet mit spektakulären Video-, Licht- und Feuereffekten, lässt Tänzer über die Bühne wirbeln und eine Trommlergruppe einen längeren Einsatz spielen. Die meterhohen Bühnenaufbauten – eine „Zeitmaschine“ oder eine ägyptische Figur mit leuch-tenden Augen – erscheinen dabei und geben beeindruckende Bilder, die sich immerzu wandeln. „Das ist eure Party“, ruft er mehrmals ins Publikum und das tanzt und singt zur Musik, die teils schon vor 20 Jahren in Diskos und im Radio lief.

DJ Bobo alias Peter René Baumann singt Songs wie „Somebody dance with me“, „There is a party, „Let the dream come true“, „Freedom“, „Pray“ oder „Love is all around“. Der Refrain von „Chihuahua“ wird gleich mehrfach angespielt.

Fans jeden Alters

Der Schweizer kann aus einem großen Hit-Repertoire schöpfen, bei denen er Musikrichtungen wie Eurodance, Hip Hop, Rock und Pop vermischt. DJ Bobo bleibt sich treu. Vor mehr als zehn Jahren hat er die großen Bühnenshows zu seinem Markenzeichen gemacht, verändert dabei aber immer seinen Themenschwerpunkt. Auch, wer schon Shows gesehen hat, bekommt immer wieder etwas Neues geboten. Bei „Mystorial“ stellt der Musiker die Zeitreise in den Mittelpunkt und nimmt die Menschen visuell und musikalisch mit durch mehrere Jahrtausende. Zu Beginn spielen die Szenen 1887 in Paris vor dem Bild eines halbfertigen Eiffelturms, dann in Ägypten, 40 vor Christus, später in der Steinzeit, bis alle schließlich in den poppigen 1990ern ankommen.

Die vielen Tänzer, die Pyrotechnik und der Sänger selbst sorgen dafür, dass die Show immer in Bewegung bleibt. DJ Bobo stellt sich mitten ins Publikum, macht Scherze („Ich spiele euch jetzt eine zweistündige eigenkomponierte Sonate vor. Na, habt ihr Angst?“), schlägt Salto oder dreht sich mit seinem Piano in luftiger Höhe über Kopf.

Und doch tritt er oft auch zurück und lässt seinen Tänzern und Musikern den Vortritt. Es gibt keinen Leerlauf bei der Party und kaum jemanden, der nicht mitfeiert. Dafür sind die meisten hier gekommen, und sie werden nicht enttäuscht. Der DJ hat es noch drauf. Er kann inszenieren, Musik in Szene setzen und jede Menge gute Laune versprühen. Dabei wirkt er nahbar und einfach wie ein netter Typ. Als solcher verschließt er sich natürlich auch keinen Zugaben-Wünschen und gibt die Standing-Ovations-Stimmung zurück: „Magdeburg, ihr seid großartig.“

DJ Bobo bleibt ein Phänomen. Vor allem, weil er es versteht, alle, die feiern wollen, mitzunehmen, egal, ob sie textsicher sind oder nicht. Er schafft es, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern tanzen und sichtlich Spaß dabei haben. Darum muss er nicht, wie andere Kollegen auf einer seichten Revival-Welle mitschwimmen, sondern kann auf der Erfolgswelle inszenieren und weiter die Hallen füllen. Die Tour wird nach Angaben der Veranstalter bis Ende des Jahres dauern.