Magdeburg l Er ist der älteste aktive Konzertpianist dieser Welt und längst eine lebende Legende. In seiner Geburtsstadt Magdeburg, aus der er 1939 fliehen musste, feierte Menahem Pressler am Freitag auf den Tag genau seinen 93. Geburtstag – natürlich konzertierend mit der Magdeburgischen Philharmonie, mit der er seit sechs Jahren in den Sinfoniekonzerten regelmäßig musiziert. Damit machte er sich und dem Magdeburger Publikum ein bewegendes Geschenk.

Wenn Menahem Pressler Mozart spielt, spürt man, was sie wohl sind – die besonderen Momente eines Konzertabends. Mit dem Klavierkonzert Nr. 23 (KV 488) war er bereits schon einmal zu Gast – ja, das ist Menahem Pressler, immer wieder nimmt er sich die Stücke vor, nie fertig ergründet, immer tiefer durchforstend. So zählt dieses Klavierkonzert in der Tonart des Herzens, in A-Dur, nicht nur zu den schönsten Mozarts, sondern zu den ausgereiftesten dessen Wiener Serie.

Erfolg mit Beaux Arts Trio gefeiert

Keine Frage, dass ein solch lebens- und konzerterfahrener Pressler, der mit sensationellen 53 Jahren epochalen Erfolgen mit seinem Beaux Arts Trio vor allem seine kammermusikalische Sensibilität spielen lässt, in eine fesselnde Tiefe geht – auf seiner unbändigen „Suche nach der göttergleichen Wahrheit“ jener Kompositionen. Er hat den Glanz, die Poesie und die Innerlichkeit, die es dafür braucht – eine ausgereifte musikalische Weisheit.

Und so verneigte sich schon zu Beginn das Magdeburger Konzert-Publikum mit ersten Standing Ovations vor dieser Künstlerpersönlichkeit Menahem Pressler, während er von seiner Managerin und Freundin Annabelle Weidenfeld zum Flügel begleitet wurde. Doch sofort vom ersten Takt der Orchestereinleitung an wiegte sich Pressler empfindend mit, entwickelte Schalk und Wachheit.

Generalmusikdirektor Kimbo Ishii hatte die Philharmoniker sehr gut als bewegliches Mozartorchester und auf die Klangschönheit à la Pressler eingestellt. „Ich bin gerne der Belcanto am Klavier“ sagte Pressler einmal über sich, insbesondere in Bezug auf die Mozart-Klavierkonzerte. Sich darauf einzulassen, war ein Genuss. Unglaublich, wie die Finger in diesem hohen Alter technisch wendig sind. So malte Pressler die Balance zwischen Tutti und Soli figurin und mit farbiger Noblesse aus. Kimbo Ishii trug ihn dabei mit vertrauten engen Gesten. Pressler seinerseits übergab gestisch an die sensiblen Musiker. Ja, sie kennen sich inzwischen gut. Faszinierend, wie Pressler Lichtpunkte in den Phrasen und Themen setze, die klare Struktur wie in einer dritten Ebene durchdrang.

Die Aura des Klangpoeten Menahem Pressler zog vor allem im sanglichen Moll-Adagio jeden in seinen Bann, das mit dem innigen Piano solistisch beginnt. Hier legte er seine Seele rein und berührte die Seelen der Zuhörenden. Woher kommt diese Energie, die Töne so zu malen? Jeder Ton war in Anschlag und Dynamik sinnig zelebriert. Und er nahm sich weise die Zeit dazu, wie es wohl nur durch die innere Ruhe des Alters möglich ist.

Musikalische Glückwünsche

Ein nicht enden wollender Beifall war nicht nur Begeisterung pur, sondern auch ein herzlicher Geburtstags-Glückwunsch für ihn, den er mit seiner traditionellen Zugabe eindämmte, dem berückenden Nocturne Nr. 20 von Chopin.

Nach persönlichen Glückwünschen der Intendantin Karen Stone und des Oberbürgermeisters Lutz Trümper wurde dem nun 93-jährigen Pressler ein liebevoll bezauberndes musikalisches Ständchen kredenzt, auf Hebräisch von der ebenso aus Israel stammenden Sopranistin des Opernhauses, Noah Danon, am Piano begleitet vom Kollegen Jovan Mitic.

Ein gemeinschaftlich gesungenes „Happy birthday“ rührte Menahem Pressler zu den Worten: „Dank ist nicht genug. Ich gebe weiter – mit meiner Musik.“