Magdeburg l „Voller Poesie“ ist das Motto der diesjährigen Telemann-Festtage, die noch bis 18. März in der Landeshauptstadt stattfinden. Äußerst poetisch agierten auch die Ausführenden am vergangenen Dienstagabend in der Magdeburger Pauluskirche während des Passionsoratoriums „Die gekreuzigte Liebe“ von Georg Philipp Telemann (TVWV 5:4). Mit Melanie Hirsch (Sopran), Julia Kirchner (Sopran), Manja Raschka (Mezzosopran), Michael Zabanoff (Tenor), Matthias Vieweg (Bass) als Solisten und dem Kammermusikensemble „Märkisch Barock“ hatte sich die Biederitzer Kantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Michael Scholl namhafte Musiker für ihr Projekt eingeladen.

Musikalischer Hochgenuss

Das voll besetzte Gotteshaus erlebte einen musikalischen Hochgenuss. Stützpfeiler dieses wunderbaren Konzerterlebnisses war professionelles gemeinsames Interagieren. So gelang es Matthias Vieweg, der neben seiner Rolle als Petrus auch den Part des Jesus übernommen hatte, tatsächlich, den beiden unterschiedlichen Charakteren verschiedene Gesichter zu verleihen. Leidenschaftlich besang er Petrus‘ Reue. In der Gestalt des Jesu überzeugte er mit hohem interpretatorischem Niveau. Berührend wirkten die beiden sinnbildlichen Figuren der Andächtigen (Manja Raschka) und Gläubigen Seele (Melanie Hirsch). Beide gestalteten ihre Arien und Rezitative sehr plastisch und setzten die unterschiedlichsten Farbnuancen ihrer Stimme gekonnt ein. Der Zuhörer labte sich an sauberen Koloraturen, leidenschaftlichen Emotionen und virtuoser Leichtigkeit. In der Rolle der Maria gelang Melanie Hirsch ein weiterer Coup ihrer schier unerschöpflichen Gestaltungsmöglichkeiten. Julia Kirchner als Maria Magdalena bereicherte diese Vielfalt um eine weitere Feinheit.

Michael Zabanoff begeisterte die Zuschauer gleich mit drei Persönlichkeiten (Johannes, Pilatus, Hauptmann). Er gestaltete sicher und souverän, gab allen Wesenheiten ein eigenes Gesicht und modellierte einfallsreich mit der Bandbreite seiner Stimme.

Dramatik im Geschehen

Kirchenmusikdirektor Michael Scholl ließ frisch und mit fließenden Tempi musizieren. Sein differenziertes Dirigat sorgte in den Chorälen für meditative Ruhe und betonte die Dramatik im Geschehen. Sein Chor folgte ihm allzeit mit herrlichen dynamischen Abstufungen, klarer Artikulation und durchgängiger Leidenschaft. Die fand sich letztendlich auch beim Ensemble Märkisch Barock, das besonders mit den beiden Traversflöten, Oboen, dem Fagott und den beiden Naturhörnern für Furore sorgte. Seine abgestufte und einfühlsame Begleitung sorgte für einen abgerundeten Hörgenuss.

Vor der Uraufführung dieses Passionsoratoriums am Gründonnerstag des Jahres 1731 kündigte Telemann in einer Anzeige eine „sinnreiche Poesie“ an, „… deren Vertonung emotional ansprechen und erbauen werde …“.

Michael Scholl und sein gesamtes Ensemble entsprachen mit ihrer Interpretation dem Anspruch dieser Ankündigung vollends.