Magdeburg/Halle l Aus großer Verzweiflung entstehen manchmal die besten Ideen. So war es auch bei Yves Paradis, einem kanadischen Filmemacher und Illustrator, der seit 2016 in Halle lebt. Er, der Französisch sprechende Kanadier, verstand von den Gesprächen der thüringischen Familie seiner Freundin über Stunden nichts und fühlte sich wie "ein Kind im Körper eines Erwachsenen". Die Sprachlosigkeit habe ihn klein und unbedeutend gemacht. Über diesen geschrumpften Erwachsenen und über die Gefühle eines Mannes, der eine neue Sprache lernen musste, wird Yves Paradis nun den Animationsfilm "Conversation from another world" drehen. Das Thema ist aktuell, die Gefühle der Unzulänglichkeit, die Anstrengungen als Erwachsener eine neue Sprache zu lernen, haben in der globalisierten Welt nach seiner Beobachtung viele.

Mit dieser Filmidee gewann Yves Paradis jetzt den mit 3000 Euro dotierten Hauptpreis der Mitteldeutschen Medienförderung für Nachwuchskünstler. Seinen Konzeptentwurf hatte zuvor schon die Kunststiftung Sachsen-Anhalt unterstützt. Doch bis der Film vollendet ist, müssen noch einige Finanzierungen folgen. Paradis rechnet mit Kosten von 50.000 bis 80.000 Euro für diesen dokumentarischen Animationsfilm.

Läuft es gut mit den Förderungen, kann der fertige Film in zwei oder drei Jahren auf Dokumentarfilmfestivals laufen. "In Deutschland kann fast niemand nur als Filmemacher leben", sagt Yves Paradis. Er nennt sich daher selbst "Teilzeit-Filmemacher, Teilzeit-Street-Artist und Vollzeit-Kreativer", macht Werbung, arbeitet als Illustrator, dreht Erklär- und Musikvideos, entwirft Figuren für Computerspiele und ist Graffitikünstler.

Sprache ist Teil der Identität

Die Figur des Künstlers wird in "Conversation from another world" verschiedenfarbige Körperteile bekommen: Blaue Teile für québécois, den speziellen französischen Dialekt, den Paradis spricht. Rote für die englische Sprache und gelbe Körperteile für deutsch. Ihr Anteil verändert sich im Lauf des Films, doch keine Farbe wird verschwinden, denn seine Sprachen seien Teil seiner Identität, sagt Paradis.

"Die Wörter, die die Hauptfigur versteht, werden auf den Bildschirm gezeichnet, während der Rest als Kauderwelsch-Deutsch zu hören ist. So bekommt der Zuschauer einen Eindruck der Realität eines Deutschlernenden, die mit unvollständigen Informationen gefüllt ist."

Andere Sprache, neue Welt

Für den Film hat der Künstler viel über Sprache nachgedacht. Das Gespräch mit Yves Paradis auf Deutsch funktioniert perfekt. Doch er ist davon überzeugt, dass es ein anderes Gespräch geworden wäre, hätte er es auf Französisch oder Englisch geführt. So transportiert dieser Text immerhin die deutsche Variante des Denkens dieses Künstlers. Sein neuer Film wird alle Seiten zeigen können. Und er will um Verständnis bei den Muttersprachlern werben. "Ich möchte auf meine eigene kreative Weise mein Gefühl porträtieren, ein Ausländer zu sein, der mit einer anderen Sprache in einer neuen Welt lebt", sagt Yves Paradis.

Sein Kind – das im kommenden Februar geboren werden soll – wird den Film seines Vaters später wahrscheinlich gar nicht verstehen. Denn es wird mit dem Deutsch der Mutter und dem Französisch des Vaters aufwachsen.