Leipzig l „Verleger sein ist ein immens komplexer Beruf“, hat Elmar Faber im Januar 1988 an Christoph Hein geschrieben. Faber war Verleger, Hein Schriftsteller. Als Faber 1983 den traditionsreichen Berliner Aufbau-Verlag übernommen hatte, gehörte Hein zu den Autoren. Beide schätzten sich, wurden Freunde. Ein über Jahrzehnte währender Briefwechsel erzählt aber nicht nur von Freundschaft. „Ich habe einen Anschlag auf Sie vor“ vereint Briefe aus den Jahren zwischen 1983 und 2017. Dass sie im Verlag Faber & Faber aufgelegt werden, ist die zweite Seite dieses Buches. Es steht für die Geschichte eines Verlages in Leipzig.

Während in der Nachwendezeit Verlag um Verlag von der ostdeutschen Landkarte verschwand oder mit den Großen der Branche fusionierte (die Buchstadt Leipzig war besonders gebeutelt), gründete Elmar Faber mit seinem Sohn Michael 1990 den Faber & Faber Verlag. Er hatte anfangs seinen Sitz in Berlin, dann in Leipzig.

Wechsel in die Politik

Als Michael Faber 2009 in die Politik wechselte, in seinen sieben Jahren als Kulturbürgermeister von Leipzig auch viel Schelte einstecken musste, leitete Vater Faber den Verlag bis zu seinem Tod im Jahr 2017. Seit 2014 wurden schon keine Programme mehr aufgelegt. Mit dem Tod des Seniors ruhte die Verlagsarbeit.

Doch 2019 kehrt der Verlag zurück – mit einem Herbstprogramm, das in diesem Juli mit dem Briefwechsel zwischen Christoph Hein und Elmar Faber startet. „In Erinnerung und quasi als Memorial für den Alt-Verleger“, schreibt Sohn Michael im „Wieder-da-Vorwort“ des Kataloges. Er führt nun das Haus mit seinem Bruder.

18 Titel stehen auf dem Programm, Erzählbände von Dorothea Dieckmann und Josef Haslinger sind darunter. Und es wird angeknüpft an die Tradition des Hauses, weiterhin Wert zu legen auf schöne Illustrationen, weil sie das Lesevergnügen erhöhen. „Das Gewebe von Literatur, das ein Verlag präsentiert oder das ihn repräsentiert, muss jedes Jahr kunstvoll neu geknüpft werden“, ist von Faber zum eigenen Beruf zu lesen. Und: „Im literarischen Stoffwechsel der Zeit empfindet sich der Verleger als eine Art Seismograph, von dem die Regungen des Publikums sorgfältig registriert werden.“ Auch Hein sinniert in seinen Briefen über den Verlegerberuf, der zu DDR-Zeiten nicht die Bürde des limitierten Papiers hatte, zudem über die Ware Buch, das Lesepublikum, seine Romane, Druckkapazitäten. Zu Beginn des Briefwechsels ist der Ton verhalten. Es geht nicht ums Diktat des Ministeriums für Kultur. Auch Persönliches bleibt außen vor.

Aufbau-Verlag überlebt

Später in der Zeit, mit besserem Kennen, wird das Schreiben und Betrachten ausführlicher, der Ton taucht schon mal ins Ironische. Und noch etwas später, das Datum zeigt die politische Wende überschritten, geht es um die schmerzvollen Veränderungen beim Aufbau-Verlag, der einen neuen Mehrheitsbesitzer bekam. Faber: „Ich räume die Brücke ohne Schmerz, aber mit viel Wehmut.“ Immerhin: In Zeiten des Verlagssterbens hat der Aufbau-Verlag überlebt. Der Chef auf dem Posten nicht. Ein Brief von Hein handelt vom Vorwurf der Stasi-Verwicklung gegen Faber, mit denen ein Treuhand-Chef nicht nur Christoph Hein unter Druck gesetzt habe, sich doch gegen Elmar Faber zu positionieren. Der ging, blieb aber der Branche treu.

Solche Interna zum Literaturbetrieb in der DDR werden nicht oft preisgegeben. Aber zum Schluss des Buches, in der Grabrede von Hein für Faber, erfährt der Leser die Hintergründe zu „Horns Ende“, jenem Roman von Christoph Hein, der zu DDR-Zeiten als einziges Buch ohne Druckgenehmigung in die Buchhandlungen kam und sofort vergriffen war. Da wird einem die Schwierigkeit des Büchermachens in der DDR bewusst.