Magdeburg l Nach außen hin waren alle glücklich, als nach etlichen Jahren des Ringens das Dommuseum Ottonianum am 4. November seine Türen öffnete. Landesarchäologe Harald Meller sagte damals: „Das Dommuseum wird eines der schönsten und interessantesten Museen in Sachsen-Anhalt werden.“ Magdeburgs Kulturbeigeordneter Matthias Puhle nannte das Museum einen „Erinnerungsort von europäischem Format“.

Bloß: Zu wenige Menschen wollen diesen Erinnerungsort, dieses ambitionierte Museum erleben. Von Anfang Januar bis 30. September wurden 14.500 Besucher gezählt. Die Zahl darf man als niederschmetternd bezeichnen angesichts der bis Anfang November ursprünglich erwarteten 50.000 Gäste.

Bei der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, die über einen Kooperationsvertrag das Museum betreibt, schellen längst die Alarmglocken. „Die Stadt Magdeburg“, so sagt Claus Rokahr, Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung, „ist laut Vertrag für die touristische Vermarktung und eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit zuständig.“ Doch da komme viel zu wenig. Kaum Geld sei für Werbung eingestellt. Rokahr: „So kann es nicht weitergehen.“

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Während er das sagt, hält ein Reisebus vor der Tür. Touristen steigen aus. Sie gehen in den Dom. Dann geht die Fahrt weiter. Das Dommuseum geht leer aus – mal wieder.

Geld für offensivere Werbung

„Die Landeshauptstadt Magdeburg ist beständig bestrebt, die Besucherzahl des Dommuseums Ottonianum zu optimieren und nutzt hierzu neben permanenten Bewerbungswegen auch Sondermaßnahmen“, heißt es schriftlich von Gabriele Köster, Direktorin der Magdeburger Museen, auf Volksstimme-Anfrage. Und weiter: „Die touristische Vermarktung des Dommuseums wird von der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH (MMKT) im Rahmen ihrer Verpflichtung, die kulturellen Institutionen der Landeshauptstadt zu bewerben, offensiv betrieben.“ Die MMKT vermarktet den Tourismusstandort Magdeburg im Ganzen. Einzelne Partner bewerben ihre eigenen Angebote, sagt Geschäftsführerin Sandra Yvonne Stieger.

Der Ball liegt also beim Kulturhistorischen Museum. In dessen Haushalt sind für das Dommuseum 20.000 Euro eingestellt – für den museumsfachlichen Betrieb, die Museumspädagogik und die Öffentlichkeitsarbeit. Das ist eine sehr überschaubare Summe.

Schon vor der Eröffnung des Dommuseums hörte man aus Insider-Kreisen, dass dieser Nicht-Etat für eine anständige Bewerbung vorne und hinten nicht reiche. Und auf die Frage der Volksstimme, ob es denn aus Sicht der Stadt genüge, die Öffentlichkeitsarbeit alleine beim Kulturhistorischen Museum zu belassen, wird von der Verwaltung nicht eingegangen.

3,25 Millionen Euro hat allein die Stadt Magdeburg in das Dommuseum investiert. Die Mühen vorab waren gewaltig – die vielen Diskussionen um die Trägerschaft, das lange Ringen um die Immobilie. Letztlich hatten sich die Stadt Magdeburg, die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt (die sich für den Museumsbetrieb ihrer Dienstleistungsgesellschaft Subsidarius GmbH bedient) und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt auf einen Kooperationsvertrag geeinigt.

Das Landesamt aus Halle hat umfassend restauriert, damit Grabungsfunde überhaupt erst ausgestellt werden konnten. Die Kulturstiftung hält das Haus am Laufen, sichert die Aufsicht und den Besuchsdienst ab, betreibt das Café mit dem schönen Blick auf den Dom. Die Stadt hatte mit dem kommunalen Wohnungsunternehmen Wobau einen Coup gelandet, das mit dem Kauf der einstigen Staatsbank die unteren Räume für das Museum zur Verfügung stellt.

Doch nun? Durchschnittlich 50 Besucher am Tag im September – das ist lächerlich für die einst verkündeten Ansprüche. Rokahr sagt, mindestens das Doppelte brauche das Museum. Er verlangt von der Stadt eine offensive Werbung. Eine Agentur aus Magdeburg solle nun vor allem die Landeshauptstädter und das Umfeld sensibilisieren. Plakate in der Stadt, Gewinnspiele, Internet-Werbung, vor allem Social Media.

Rokahr zeigt sich erstaunt, dass bis dato nicht einmal die Magdeburger gelockt werden konnten, die sich doch eigentlich ihrer Domgeschichte und der historischen Bedeutung von Kaiser Otto dem Großen bewusst sind.

Laut Köster haben Kulturstiftung und Landeshauptstadt nun beschlossen, „noch in diesem Jahr zusätzliche Marketing-Maßnahmen in Höhe von 60.000 Euro zu beauftragen“. Aber Rokahr sagt auch: Für Werbung weiter weg – Braunschweig, Hannover, Berlin – reiche das nicht.

Zudem werde, das kündigt Köster an, an den Fassaden des Gebäudes (es ist deutlich sichtbar der Hauptsitz der Magdeburger Wohnungsbaugesellschaft) mehr geworben – sowohl in Richtung Breiter Weg als auch in Richtung Dom. Hin zu den imposanten Türmen soll ein hinterleuchteter Schriftzug „Dommuseum Ottonianum“ noch in diesem Jahr ausgeführt werden. Die Genehmigungsphase läuft. Meinung