Potsdam (dpa/jb) l Die Frage ist Volksschauspieler, Defa-Star und Publikumsliebling Herbert Köfer schon hundertfach gestellt worden: Wie hält sich der Mime, der nach Angaben des Hamburger Rekord-Instituts für Deutschland der älteste aktive Schauspieler der Welt ist, so beneidenswert fit? „Es gibt da kein Geheimnis“, wiederholt er dann immer. „Ich lebe bewusst, habe einen Beruf, der mich erfüllt und ein Publikum, das – wie mir immer versichert wird – mich nach wie vor gerne auf der Bühne und im Fernsehen sieht.“

Gerade hat der beliebte Schauspieler, der noch immer im Theater spielt und auf Lesereisen unterwegs ist, sein biografisches Buch „99 und kein bisschen leise“ (Eulenspiegel Verlag) veröffentlicht. Er lässt die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren: Kindheit, Lehre und dann seinen Traum, Schauspieler zu werden, den er verwirklichen konnte. Heimlich und ohne Wissen der Eltern habe er sich angemeldet, schreibt er. Schon sein erster Auftritt sei allerdings außergewöhnlich gewesen: Eine Geburt in Steißlage, für die er allerdings keinen Applaus erhalten habe, berichtet er mit Humor.

Sein erstes Engagement führte ihn nach dem Krieg an das Theater Kleinmachnow bei Berlin. Er spielte dann in Defa-Filmen wie „Nackt unter Wölfen“ (1963). In Schwänken und Komödien im DDR-Fernsehen war er immer Publikumsliebling.

Nach der Wende musste der gebürtige Berliner einen Nackenschlag verkraften: In Hamburg wollte sich der in der DDR gefeierte Star in den Studios vorstellen. „Man fragte mich: Sind sie Musiker oder Techniker?“, berichtet er in seinem Buch. Das sei erschütternd gewesen. Mittlerweile hat er in beliebten Fernsehserien wie „In aller Freundschaft“, „Soko Leipzig“ oder „Ein starkes Team“ gespielt.

Zuhause hat sich eine ganze Regalwand mit Programmheften, Fotoalben, Zuschauerpost gefüllt. Um darin zu stöbern und zu lesen, fehle ihm aber die Zeit. „Das Bedürfnis, alten Zeiten nachzuhängen, verspüre ich sowieso nicht.“

Köfer: Jugendlich und fit

Köfer, seit 2000 in dritter Ehe mit der Schauspielerin Heike Köfer (60) verheiratet, sieht sehr jugendlich aus und wirkt fit. Mit Anfang 80 hatte er ein Tourneetheater gegründet, mit dem er 15 Jahre durch das Land reiste. In 40 bis 50 Vorstellungen stand er pro Jahr auf der Bühne. Mit 92 entschloss er sich ein Haus zu bauen. Im vergangenen Jahr trat er im „Deutschen Haus“ im brandenburgischen Beelitz in den Stücken „Pension Schöller“ und in „Ein gesegnetes Alter“ auf.

Seit einigen Jahren interessiert er sich auch für die sozialen Medien. Sein Facebook-Account betreut er selbst. „Alles was auf meiner Seite erscheint, füge ich ein“, betont er. „Natürlich mit Hilfe meiner Frau, weil sie einfach schneller auf der Tastatur unterwegs ist.“ Seine 2200 Follower lässt er an seinem Leben Anteil nehmen. Tabu ist für ihn „alles, was zu sehr in die Privatsphäre geht“. Er selbst bleibe jedoch Zeitungsleser.

Ein glücklicher Tag bedeutet für den Jubilar: Ausschlafen, gut frühstücken, im Garten mit dem Hund spielen und abends im Theater den Kollegen bei der Arbeit zusehen. „Aber noch glücklicher bin ich natürlich, wenn ich selber auf der Bühne stehe“, sagt er.

Der 100. Geburtstag kommt

Im Moment ist er noch mit der Lesereihe „Köfer liest Karusseit“ – aus dem Buch der vor einem Jahr gestorbenen Schauspielerin und Freundin Ursula Karusseit – unterwegs, dann widmet er sich der Lesetournee zu seinem Buch „99 und kein bisschen leise“. Geplant ist auch die Wiederaufnahme seiner Veranstaltungsreihe „Das blaue Fenster“. „Zwischendurch mache ich auch mal Urlaub und dann schau‘n wir mal ...“ – 2021 steht Köfers 100. Geburtstag an.