Magdeburg l Die Statistik in Kürze: 27 Theater, 48 Präsentationen, 15 deutsche Erstaufführungen und eine Uraufführung. „Wir zeigen, was zeitgenössisches Figurentheater heute ausmacht“, sagt Michael Kempchen, Intendant des Puppentheaters. Das Haus hat gestern das Programm zur 12. Auflage des Figurentheaterfestivals vorgestellt, das vom 23. bis 29. Juni nicht nur im veranstaltenden Puppentheater, stattfindet sondern auch in den Stadtraum Magdeburgs geht und unter anderem das Schauspielhaus und das Opernhaus bespielen wird.

Mit „La Notte“, der traditionellen Eröffnungsnacht, kehrt das Haus in die Natur zurück. Der Salbker See wird zur Kulisse für ein schwimmendes Spektakel des erstmals in Deutschland auftretenden französischen Theaters Cie ilotopie und für die surreale Lichtbilder des deutschen Ensembles Lichtpiraten.

Tradition und Moderne

Nicht nur die Eröffnungsnacht zur Sommersonnenwende wird von Licht am nächtlichen Himmel bestimmt werden, kündigt Frank Bernhardt. Licht, so der künstlerische Leiter des Festivals, werde dramaturgisch-erzählerisch eine hochwichtige Rolle spielen. Überhaupt stehe über dem Festival die große Frage, wie viel Puppe heute eigentlich noch zeitgemäß sei. Seit Jahren schon treibt Bernhardt und Kempchen die Frage nach Tradition und Moderne im eigenen Genre um. Sie wissen bestens von den Festivals, die sie seit 2000 an ihrem Haus stemmen, wie unglaublich vielseitig die eigene Kunstform geworden ist mit Tanz, Performance, bildender Kunst. Auch deshalb erobert sie zunehmend die großen Schauspielbühnen. Das Magdeburger Ensemble hatte beispielsweise mit „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ beachtete Gastspiele im Berliner Ensemble.

Bilder

„Viele Kollegen suchen nach Ausdrucksmitteln und Formen jenseits der Puppe. Wir werden ihre genreübergreifenden Arbeiten bei uns präsentieren“, so Bernhardt. Szenische Installationen hat er geladen, Inszenierungen voller Musik, innovatives, agiles Theater aus Osteuropa, dem das Festival seit jeher großes Augenmerk schenkt. Ilka Schönbein, die Grande Dame des Figurentheaters, und ihr Theater Meschugge reisen gleich mit zwei Inszenierungen an. „Stroh zu Gold und andere Spinnereien“ und „Weißt du was? Dann tanze jetzt!“ sind beides deutsche Erstaufführungen. Erstmals auf einer deutschen Bühne auch die finstere Welt des Edgar Allan Poe, die The Tiger Lillies aus Großbritannien auf die Bühne des Opernhauses bringen.

Ensembles aus elf Ländern

Der Festivalchef schaut beglückt auf das Programm, das jetzt druckfrisch vor ihm liegt. Schweiz, Frankreich, Finnland, Slowenien – die Künstler reisen aus elf Ländern an. Fast geht bei all der Internationalität und Wertschätzung für die Kollegen das eigene Stück unter. Roscha A. Säidow inszeniert in einer Uraufführung „Mozart“ als kaiserlich-königliches Singspiel über Wiens dunkle Musen. Es ist das Hofspektakel, das zur 12. Auflage des Festivals erstmals als Programmpunkt auftaucht. Bis Ende April waren dafür alle Karten weg. Auch für „La Notte“ sind schon 2000 der 3000 Karten verkauft.

Kempchen zeigt sich zuversichtlich, dass von den 390.000 Euro Festival-Budget 32 Prozent sein Haus selbst einspielen kann.

Das komplette Programm unter www.blickwechselfestival.de