Magdeburg l 1992 machten knapp 29 000 Quietscheenten weltweit Schlagzeilen. Sie fielen ins offene Meer, nachdem zwölf Container eines Frachters aus Hongkong auf dem Weg nach Amerika in einem schweren Sturm über Bord gegangen waren. Die Enten – ausdauernde Exemplare schafften eine Strecke von 27 000 Kilometern – boten die einmalige Chance, die globalen Meeresströmungen zu erforschen, wurden sie doch aufgrund der Ozeanzirkulation über einen langen Zeitraum an verschiedenen Küsten der Welt angespült. Sie boten in der Folge Stoff für zwei Kinderbücher und auch ein Theaterstück. Heute sind sie Teil einer großen Menge von Plastikmüll in den Ozeanen.

Das jedoch ist nicht Thema der Inszenierung von Agnès Limbos. Sie nimmt die „friendly floatees“ (freundliche Treibteilchen) als Inspiration, mit den Spielern Freda Winter und Florian Kräuter eine poetische Geschichte von den Möglichkeiten der großen weiten Welt, vom Alleinsein und Sich-Finden zu erzählen.

Getragen wird die Geschichte von einem etwas schrulligen Forscher mit Hang zum Teetrinken, der in Neuseeland lebt und Vögel erforscht. Florian Kräuter – im Karo-Jackett – mimt zur Freude der Kinder im Publikum Flamingos, Kiwis und Pinguine und freut sich, seiner Sammlung eine weitere Spezies – Badeenten – zuzufügen. Denn plötzlich sitzt ihm zum Vergnügen der Kinder eine davon auf dem Kopf.

Freda Winter hockt derweil in ihrem Iglu in Grönland, als eine Inuk am anderen Ende der Welt, kümmert sich um ein Robbenbaby und spießt eines Tages mit ihrer Harpune aus Versehen eine angespülte Badeente auf. Dabei spricht sie ein Fantasie-Grönländisch, dem die Kinder im Premierenpublikum mühelos folgen können.

Für beide hat Agnès Limbos kleine, liebevoll ausgestattete Mini-Bühnen-Inseln mit rotem Samtvorhang kreiert, von denen aus sie ihre „Mission Badeente“ starten. Sie folgen dem Weg der Spielzeuge und treffen einander direkt an der großen Weltkarte zum Tee. Zwei neugierige fremde Menschen lernen einander behutsam kennen. So kann Globalisierung auch gehen.

Freda Winter und Florian Kräuter erzählen die abenteuerliche, aber auch heitere Reise der Badeenten und das Einander-Finden mit wenigen Worten und dafür umso kraftvolleren, ruhigen Bildern. Wird auf der großen Weltkarte eben noch der Weg der Enten en miniature nachgeleuchtet, verwandelt sich die gekippte Karte flugs zum sturmumtosten Meer, auf dem die Enten ihren Weg suchen. Faszinierend ist besonders der Perspektivwechsel, wenn die Erzähler plötzlich von ihren Mini-Bühnen auf die Weltkarte wechseln – Mini-Iglu links oben, Teetasse rechts unten – und die Stationen der Enten mit kleinen Symbolen deutlich werden: Südseepalme, Wolkenkratzer, Freiheitsstatue, Sphinx, Almhütte, Leuchtturm und sogar ein Fachwerkhaus aus Quedlinburg.

Agnès Limbos studierte an der Internationalen Pantomimenschule von Jacques Lecoq in Paris, bevor sie 1984 in Brüssel die Compagnie Gare Centrale gründete. Die von ihr entwickelte Form eines intimen Theaters der Objekte stellt den kreativen Schauspieler ins Zentrum. Diese Art des Autorentheaters ist dank des fantastischen Zusammenspiels von Freda Winter und Florian Kräuter auch in Magdeburg grandios gelungen. Man möchte mehr davon sehen!