Berlin l Drei amerikanische Museen, drei deutsche Ausstellungen, ein Thema: Martin Luther. Noch bevor die großen Luther-Feiern in Deutschland 2017 beginnen, schicken vier deutsche Museen ihren besten Besitz mit Luther-Bezug nach Amerika. Von Oktober bis Januar nächsten Jahres zeigen die Morgan Library in New York, das Minneapolis Institute of Art in Minneapolis und die Pitts Theology Library in Atlanta Luther-Exponate aus Berlin, Halle, Wittenberg und Gotha. „Viele Stücke haben Deutschland noch nie verlassen“, sagte Harald Meller, Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle, zur Vorstellung des Ausstellungskonzeptes gestern im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Das Projekt entstand auf Wunsch und Anregung des Außenministeriums, steht unter der Schirmherrschaft von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, hat ein Budget von drei Millionen Euro und entzieht vier deutschen Ausstellungshäusern (Deutsches Historisches Museum Berlin, Museum Schloss Friedenstein Gotha, Stiftung Luthergedenkstätten Wittenberg, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle) für mehrere Monate einige ihrer Spitzenstücke. Harald Meller betont trotzdem vor allem den Nutzen eines solchen Großprojektes: „Die drei Ausstellungen sind nicht nur eine hervorragende Werbung für Deutschland und die deutschen Lutherstätten, sondern nutzen auch den ausleihenden Museen.“ Denn: In Vorbereitung der Ausstellungen seien viele Stücke erforscht, andere restauriert, alle für den Katalog neu beschrieben worden.

Zum Beispiel der „Gothaer Tafelaltar“ aus dem Museum Schloss Friedenstein in Gotha. Er wurde extra für die Ausstellung restauriert, was aufgrund seiner Geschichte auch dringend nötig war. Denn seine 1539/41 in der Werkstatt des Malers Heinrich Füllmaurer entstandenen 14 Flügel mit 160 Einzelbildern wurden zeitweise von Herzog Ernst dem Frommen in seinem Schlafzimmer aufgestellt - nachdem sie zum Paravent umgebaut worden waren. Erst 1957 wurde der Altar wieder entdeckt. Er gilt als bildreichster Altar der deutschen Kunstgeschichte, wie Martin Eberle, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, sagt.

Vieles extra restauriert

Die Luthergedenkstätten in Wittenberg schicken sogar insgesamt 97 Exponate, die noch nie anderswo zu sehen waren. Unter ihnen der Tisch, an dem Luther arbeitete, und einen Brief an Kaiser Karl V schrieb. Dass der Brief jetzt an die Morgan Library ausgeliehen wird, kann man auch als kleine Dankesgeste Wittenbergs an Amerika verstehen. Denn der Unternehmer und Bankier J.P. Morgan ersteigerte das Schreiben 1911 und schenkte es dem deutschen Kaiser. Doch Wilhelm II. konnte damit nicht viel anfangen und gab ihn nach Wittenberg.

Aus dem Archäologischen Landesmuseum in Halle reist zum Beispiel ein Wandbrunnen aus Wittenberg mit reformatorischem Kachel-Bildprogramm nach Amerika. Er wurde bei Ausgrabungen in Wittenberg gefunden. „Wir haben den Müll des Reformators durchsucht“, sagt Harald Meller, der Luther anhand archäologischer Funde als Menschen zeigen will. Auch deutschen Luther-Interessierten können die amerikanischen Ausstellungen nützen - ohne dass sie sie besuchen. Die Organisatoren haben zwei zusammen sechs Kilo schwere Katalogbände auf Englisch und Deutsch zusammengestellt. „Die Bände sind das Beste und Aktuellste, was zu Luther erscheint“, versprechen die Museumsdirektoren. Immerhin haben die Bücher zusammen 1000 Seiten, vereinen deutsche und amerikanische Lutherforschung, behandeln die Zeit vor der Reformation bis zur Mythenbildung nach Luthers Tod. Und natürlich auch Martin Luther King, der in Atlanta - einem der drei Ausstellungsorte - geboren wurde.

Alle Informationen und Termine zu den Ausstellungen in Amerika: www.here-i-stand.com