Im nächsten Jahr geht der belgische Sänger mit neuem Programm und dem „Golden Symphonic Orchestra“ auf Tournee. Im Interview mit Manuela Bock spricht er über seine Musik und eine Diagnose, die viel verändert hat.

Volksstimme: Wie würden Sie Ihr neues Album beschreiben?
Helmut Lotti: Es sind Lieder zu hören, die ich am ehesten als Popmusik der 50er bis 90er Jahre beschreiben würde. Diese Art der Musik passte für mich jetzt einfach gut, nachdem ich ja auch schon ein Album „Time To Swing“ produziert habe. Dieses Mal habe ich versucht, den romantischen Soft-Soul aufzugreifen, der sehr melodisch ist – und das schön groß arrangiert vom „Golden Symphonic Orchestra“.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit diesem Ensemble?
Das war eine logische Folge. 2010 wollte ich eine Pause machen. Drei Jahre später hatte ich Lust auf etwas ganz anderes Musikalisches und habe ein Album mit flämischen Liedern veröffentlicht. Das habe ich mit einer Rockband eingespielt. Jetzt habe ich mich entschieden, wieder mit einem großen Orchester auf Tour zu gehen.

Sie interpretieren auf dem neuen Album auch den „Temptations“-Song „My Girl“. Ist es besonders schwierig einen Klassiker zu singen, den jeder im Ohr hat?
Nein, wir wollen das so. Wir haben extra solche Klassiker ausgewählt. Es macht Spaß, damit zu arbeiten.

Sie hatten sich eine Weile zurückgezogen. Wie hat es sich angefühlt, nach einer längeren Pause wieder im Studio und auf der Bühne zu stehen?
Ich habe nie wirklich aufgehört, Musik zu machen und in Belgien immer weiter gearbeitet. Das öffentliche Comeback hatte damit zu tun, dass ich wieder auf Tour gegangen bin. Es war ein Comeback von Helmut Lotti, wie ihn das internationale Publikum kennt. Nicht mehr und nicht weniger.

Sie sind auch ein Songwriter. Wie arbeiten Sie? Sind Sie der disziplinierte Komponist und Schreiber oder sind Sie spontan und impulsiv?
Ich brauche dafür einen freien Kopf und Zeit. Eine kreative Phase entsteht bei mir, wenn ich Ruhe habe. Aber es ist nicht mein Anliegen, viele Titel zu schreiben. Mein Hauptziel war und ist, auf der Bühne zu stehen und das Publikum so gut wie möglich mit schöner Musik zu unterhalten. Wer die geschrieben hat, ist für mich letztlich Nebensache. 

Vielen Menschen fällt auf, dass Sie jetzt anders aussehen – schon allein wegen des Toupets, das Sie jetzt nicht mehr tragen. Wie wichtig ist Ihnen Ihr Äußeres?
Für meinen Job ist es wichtig. Privat möchte ich vor allem gesund aussehen. Meine Gesundheit ist mir sehr wichtig.

Vor kurzem haben Sie öffentlich gemacht, dass Sie bei Ihnen eine leichte Form des Autismus festgestellt worden ist …
Es ist so: Ich kann mich unmöglich auf Sachen konzentrieren, die ich nicht gleich verstehe oder die mich nicht interessieren, dann bin ich sofort abgelenkt. Und ich kann nicht zwei Dinge auf einmal machen. Allerdings kann ich mich wiederum auf etwas, das mich wirklich interessiert, sehr stark fokussieren.

Hat Sie die Diagnose beeinflusst?
Bei der Arbeit nicht. Aber sie beeinflusst mein Privatleben. Jetzt verstehen die Menschen einfach besser, wenn ich mich in ihren Augen komisch verhalte, wenn ich beispielsweise panisch werde, weil etwas Unerwartetes passiert.

Ihre Karriere haben Sie als Popsänger aufgebaut, wandern aber auch in den Klassik- und Soulwelten. Was möchten Sie musikalisch noch machen?
Das lässt sich unmöglich sagen. Sicher ist, dass ich noch sehr viel ausprobieren möchte.

Auf was kann sich das Publikum beim Konzert freuen?
Auf ein richtig schönes Erlebnis und 22 tolle Musiker im Ensemble. Im ersten Teil werden wir Lieder aus meinem neuen Album „Soul Classics in Symphony“ präsentieren. Der zweite Teil wird eine bunte Mischung aus meinen Hits.

Am 1. Februar 2019 gastiert Helmut Lotti in Ilsenburg und präsentiert in der Halzlandhalle Soulklassiker und seine Hits.