Salzwedel | Am 31. August ist Schauspielerin Meike Droste in der Salzwedeler Marienkirche als Jeanne d’Arc in Arthur Honeggers gleichnamigem Oratorium zu erleben. Die 39-Jährige spricht über die besondere Herausforderung, die Altmark-Festspiele und den Baumkuchen danach.

In Deutschland wird Honeggers dramatisches Oratorium „Jeanne d’Arc au bûcher“ nur sehr selten aufgeführt. Kannten Sie es, bevor Festspiel-Intendant Reinhard Seehafer Ihnen die Hauptrolle angeboten hat?
Meike Droste:
Nein, muss ich zugeben. Ich habe erst im vorigen Jahr von ihm etwas über das Stück erfahren. Jetzt bin ich aber extrem davon begeistert.

Aber die Jeanne d’Arc ist Ihnen als Bühnenfigur ja nicht unbekannt.
Nein, das stimmt. Brechts „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ habe ich schon gespielt, und auch in „Die Jungfrau von Orleans“ von Schiller. Aber ein Oratorium kann man gar nicht mit einem Schauspiel vergleichen. Die Herausforderung ist eine ganz andere, denn es ist ein riesiges musikalisches Werk, und die Mischung aus Sprechstimme und Singstimme finde ich schon sehr besonders.

Und noch etwas ist anders: Auf der Theaterbühne ist man viel freier im Spiel. In musikalischen Werken wie zum Beispiel einem Oratorium ist man ja sehr an die Musik gebunden. Man muss bei bestimmten Dingen extremst genau sein, was zum Beispiel den Rhythmus und den Einsatz anbelangt, denn man ist ja Teil eines großen Ganzen. In unserem Fall sind es rund 130 Mitwirkende.

Die sich vier Tage vor der Aufführung zur ersten gemeinsamen Probe in Salzwedel treffen. Nach Letzlingen im vorigen Jahr und Zichtau im April ist Salzwedel Ihr dritter Auftrittsort bei den Altmark-Festspielen. Hat Sie die Altmark-Leidenschaft gepackt?
Das kann man schon ein bisschen sagen. Ich hatte zwar von Kollegen schon etwas über die Festspiele gehört, aber vor 2018 war ich selbst noch nicht in der Altmark. Mittlerweile habe ich einige Ecken kennengelernt und finde sie unglaublich schön.

Und wie haben Sie das Publikum erlebt?
Bei den zwei sehr schönen Veranstaltungen hatte ich schon den Eindruck, dass die Menschen sich freuen, wenn die Kultur zu ihnen kommt, wie es sich die Festspiel-Macher, das Ehepaar Carmen und Reinhard Seehafer, auf die Fahne geschrieben haben. Es waren eine große Offenheit und Interesse da, vor allem bei Richard Strauss‘ „Enoch Arden“, das wir auf Gut Zichtau aufgeführt haben.

Sie sehen die Altmark-Festspiele also auf dem richtigen Weg?
Absolut. Kultur vor allem auch in ländliche Regionen zu bringen, die ein bisschen weiter weg von großen Städten liegen, ist meiner Ansicht nach extrem wichtig für uns als menschliche Individuen, aber auch für uns als Kollektiv, als Gesellschaft. Ich ziehe meinen Hut vor der leidenschaftlichen und ganz gewiss auch nicht immer einfachen Arbeit, die die Seehafers die vergangenen Jahre bis heute geleistet haben. Sie bereichern uns alle damit.

Das hört sich so an, als ob wir uns auf weitere Auftritte von Meike Droste in der Altmark freuen dürfen.
Gern, ich würde mich auch freuen. Ich empfinde solche Veranstaltungen, also zum Beispiel Konzerte oder Lesungen, schon immer als eine schöne Art zu arbeiten. Und mittlerweile verbindet mich mit Reinhard Seehafer und seiner Frau Carmen auch eine Art Freundschaft. Das ist natürlich eine schöne Basis, um zusammen über zukünftige Dinge fantasieren und nachdenken zu können. Mal schauen, was daraus wird.

Lassen Sie uns noch einmal zu „Jeanne d’Arc“ kommen. Reinhard Seehafer setzt die Aufführung in einen historischen Kontext: 80 Jahre Beginn des Zweiten Weltkrieges und 30 Jahre Mauerfall. Passt dazu das Oratorium aus den 1930er Jahren, ist es noch aktuell?
Absolut. Ich finde gerade auch das Libretto von Paul Claudel unglaublich politisch und zeitlos. Wir leben ja in einer Zeit, siehe Donald Trump als bekanntestes Beispiel, in der gar nichts mehr gilt. Was ist wahr, was wurde gesagt, was wurde nicht gesagt, und was wird aus dem gesprochenen Wort gemacht? Wie wird die Wahrheit verdreht? Wie werden Menschen, in dem Fall der Geschichte die Jeanne d‘Arc, benutzt und dahin getrieben, etwas zu sagen, das anderen nutzt? Das sind ja alles Fragen und Themen, die die Menschen immer beschäftigt haben, und ich denke, auch immer beschäftigen werden.

Apropos Wahrheit: Wie sehr stört es Sie, dass viele Besucher sich eine Eintrittskarte kaufen, weil sie die Dorfpolizistin Bärbel Schmied aus der ARD-Erfolgsserie „Mord mit Aussicht“ einmal live auf der Bühne erleben wollen?
Das ist nun einmal der Lauf der Dinge, dass man mit der Arbeit im Fernsehen eine viel breitere Aufmerksamkeit und Bekanntheit erlangt als mit der Arbeit im Theater. Wenn das Publikum kommt, weil es mich oder andere Kollegen aus dem Fernsehen oder Kino kennt, ist das doch erst einmal schön für die Veranstaltungen. Und wenn sie dann den Aha-Effekt haben, dass Meike Droste auch ganz anders kann und andere Facetten meiner Arbeit kennen lernen, freut mich das immer sehr.

Die Zuschauer gehen mit einem Aha-Erlebnis nach Hause und Sie mit einem Salzwedeler Baumkuchen. Denn den gibt es bei den Altmark-Festspielen statt Blumen für alle Mitwirkenden. Sind Sie auf den Geschmack gekommen?
Ja, der Baumkuchen ist ja unglaublich. Meine Kinder haben ihn auch sehr genossen.

Karten für „Jeanne d’Arc au bûcher“ am 31. August in der Salzwedeler Marienkirche, 19 Uhr, sind erhältlich unter Telefon 03907/776 38 77 oder online unter www.altmarkfestspiele.de (Preis: 35 Euro bzw. 30 Euro).