Berlin (dpa) l Techno-Sound und Barockklänge: Für sein neues Opernprojekt in Berlin hat sich der dänisch-isländische Künstler Ólafur Elíasson vom Nachtleben der Stadt inspirieren lassen. „Ich habe mir überlegt: Wo habe ich etwas Barockes erlebt“, sagte Elíasson zu seinen Vorbereitungen für „Hippolyte et Aricie“ des Franzosen Jean-Phillipe Rameau (1683-1764), das am Sonntag Premiere an der Staatsoper Unter den Linden hat. Dabei dirigiert Sir Simon Rattle das Freiburger Barockorchester.   

Licht, Bässe und viel Haut

Als er in den 90er Jahren von Kopenhagen nach Berlin zog, sei er oft in Berliner Techno-Clubs gewesen, sagte Elíasson. Nebel, Licht, Bässe und viel Haut – im Dunst der Clubs habe er erlebt, wie sich heute ausschweifender Barock anfühlen könnte. „Das war für mich ein interessanter Raum, in dem sich auch eine Form von Gesellschaftskritik äußerte“, sagte Elíasson.

Ob seine Wasserfälle in New York, grün gefärbte Flüsse in Europa oder das inzwischen legendäre Wetter-Projekt in der Londoner Tate Modern – Farbe und Beleuchtung gehören zu seinen Ausdrucksmitteln.

Bühnengestalter an der Staatsoper

Jetzt kehrt Elíasson als Bühnen- und Kostümgestalter an die Staatsoper zurück, wo er 2007 bereits Heinz Werner Henzes „Phaedra“ in Licht getaucht hatte. Die frisch renovierte Staatsoper sei ein idealer Ort für ein Werk wie „Hippolyte et Aricie“, sagte Intendant Matthias Schulz. Das 1742 eröffnete Haus entstand in der Zeit des Barock und eignet sich auch nach der Renovierung und der Verbesserung der Akustik deswegen sehr gut für Werke des 17. und 18. Jahrhunderts.

„Dieses Projekt ist schon etwas anderes als eine Ausstellung“, sagte Elíasson. „In einer Ausstellung muss der Besucher Räume durchschreiten, in der Oper ziehen die Räume an ihm vorbei.“ Erfahrung im Umgang mit barocker Kunst habe er in seinen Ausstellungen „Baroque Baroque“ im Wiener Belvedere-Museum (2015) und in Versailles bei Paris (2016) gesammelt.

Mit Rattle und der britischen Choreografin Aletta Collins habe man sich auf eine gemeinsame Idee für die Oper über griechische Mythen und Götter geeinigt. „Wir versuchen, die klare Trennung zwischen Raum, Tanz und Kostüm aufzulösen.“ Er habe dafür „totale Freiheit“ genossen. Jetzt erwarte er, dass sich auch das Publikum mit dem Bühnengeschehen auseinandersetzt.