Potsdam (dpa) l Mit einem erneuten Warnstreik haben Mitarbeiter der Schlösserstiftung für die Aufnahme von Tarifverhandlungen demonstriert. Das Neue Palais im Potsdamer Park Sanssouci und das Schloss Rheinsberg blieben deshalb am Donnerstag geschlossen. Das Schloss Cecilienhof hatte nur für Gruppen geöffnet, wie Stiftungssprecher Frank Kallensee berichtete.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi nahmen rund 50 Beschäftigte an dem Warnstreik teil und zogen zur Streikversammlung vor den Brandenburger Landtag in Potsdam. Im Parlament waren ihre Forderungen am Donnerstag auch Thema. Die Linke brachte einen Antrag ein, wonach der Landtag die Beschäftigten in ihrer Forderung nach Tarifverhandlungen und fairer Bezahlung unterstützen sollte.

Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) zeigte sich offen für Gespräche. "Das Anliegen der streikenden Kolleginnen und Kollegen der Servicegesellschaft ist durchaus nachvollziehbar", sagte sie im Landtag. "Ich bin zuversichtlich, dass es Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten gibt." Wenn der Tarifvertrag der Länder auf die Mitarbeiter der Servicegesellschaft übertragen würde, kostete das allerdings 4,5 Millionen Euro, auf Brandenburg würden 12,6 Millionen entfallen. Gehe es nur um den Besuchsdienst, seien es 1,5 Millionen Euro, das mache für Brandenburg 533.000 Euro. Das werde beim Treffen des Stiftungsrates am 4. Februar mit dem Bund und mit Berlin besprochen.

Schüle sieht auch Klärungsbedarf, für welche Gruppen welche Lösung gelte. Linksfraktionschef Sebastian Walter stellte sich hinter die Forderungen von Verdi. "Wenn öffentliche Gelder hier fließen, sollte man auch ordentliche Löhne zahlen", sagte Walter.

Bereits vor vier Wochen, am zweiten Weihnachtsfeiertag, hatte Verdi zum Warnstreik aufgerufen. Damals blieben deshalb das Neue Palais, das Potsdamer Jagdschloss Glienicke und das Schloss Königs Wusterhausen geschlossen. Das Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten wurde nach Angaben der Schlösserstiftung nach einigen Stunden wieder geöffnet.

Die Gewerkschaft bemüht sich nach eigenen Angaben bislang vergeblich, Tarifverhandlungen mit der Geschäftsführung der Fridericus Service Gesellschaft (FSG) aufzunehmen. Die Gesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG).

Alle Kassenkräfte, Schlossführer und auch das Reinigungspersonal sind bei der Servicegesellschaft beschäftigt. Seit ihrer Ausgliederung aus der Stiftung im Jahr 2006 werden die Beschäftigten nach Verdi-Angaben bei Fridericus nicht mehr nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt, sondern nur knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns.

Dazu hatte Stiftungssprecher Kallensee bereits gesagt, die Mitarbeiter des Besucherservice seien in dem Tarifvertrag des Sicherheitsgewerbes eingruppiert, der noch bis Ende kommenden Jahres laufe. Ein Schlossführer erhalte mit Zulagen einen Stundenlohn von etwa 15 Euro, das sei sicher kein Niedriglohn.