Magdeburg l Andreas Scholl hatte im März noch ein Konzert in Paris gegeben, dann sollte der gefragte Countertenor nach Magdeburg reisen, um zu den Telemann-Festtagen die Laudatio auf Blockflötistin Dorothee Oberlinger zu halten. Doch einen Tag vor der Verleihung des Telemann-Preises hatte die Stadt die Feierlichkeit wie auch die Festtage abgesagt. Jetzt nun ein neuerlicher Versuch. Der Sänger, der zu den führenden Countertenören der Welt zählt, hält am 30. Oktober beim Festakt im Magdeburger Rathaus die Laudatio auf die Musikerkollegin.

Dass Scholl nicht nur redet, sondern in Magdeburg auch seiner Profession nachkommt, freut Carsten Lange, Leiter des Magdeburger Telemann-Zentrums, besonders. Zum Eröffnungskonzert der "Nachspielzeit" wird Scholls Stimme erklingen. Dazu Oberlingers Blockflöte. Zum ersten Mal werden die vielfach ausgezeichneten Musiker gemeinsam ein Telemann-Programm aufführen. Beide sprechen in höchster Anerkennung übereinander. Oberlinger über Scholl: "Ich finde Andreasʼ Stimme faszinierend, sie kann klingen wie eine Flöte, wie eine Oboe, wie ein Streichinstrument, hat so viele Klangfarben und ist einfach von einer klaren und edlen Schönheit."

Telemann soll in die Stadt gebracht werden

2017 haben sie zusammen bereits eine Bach-CD aufgenommen und waren damit auf Tournee. Scholl und Oberlinger, beide Professoren am renommierten Mozarteum Salzburg, kannten sich aber schon vor diesem Album-Projekt. Sechs, sieben Jahre arbeite man bereits zusammen, so erinnert sich der Sänger, der erzählt, wie sich die Familiengeschichte der beiden ähnelt. Oberlinger ist als Pfarrerskind mit geistlicher und Hausmusik großgeworden. Scholl sang bei den Kiedricher Chorbuben, dem Knabenchor seiner Gemeinde, dem vor ihm schon Generationen seiner Familie angehörten. Er und Oberlinger würden sich musikalisch sehr gut ergänzen, sagt Scholl. Man kann sie als Seelenverwandte in der Barockmusik bezeichnen. Dort liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Dass sich die Organisatoren für diese Telemann-Nachspielzeit entschieden haben, liege einerseits an den vielen motivierenden Nachfragen, den Aufmunterungen vom Publikum und der großen Spendenbereitschaft, andererseits, so Lange, wolle man Künstlern Auftrittsmöglichkeiten in schwieriger Zeit ermöglichen. Scholl, der eigentlich Vielgebuchte, kann genau aufzählen, wo er zuletzt sang, so überschaubar sind seine Auftritte gewesen. Von März bis Juni einer, von Juni bis jetzt, so sagt er, seien es vier gewesen. Gearbeitet hat er in dieser Zeit vor allem in seinem eigenen Tonstudio.

Auch er leidet unter der großen Unsicherheit, selbst wenn er wieder zu mehr Auftritten angefragt wird, bleibt vieles im Moment planungsfragil. Donnerstag soll er in Paris ein Konzert geben. Er hofft, dass er dann auf der Bühne steht, wie ebenso darauf, eine Woche später in Magdeburg zu sein. Im Gepäck habe er auch ein sehr schönes Telemann-Rezitativ, verrät er.

Eröffnungskonzert im Amo

Das Amo ist für das Eröffnungskonzert gebucht. Es gibt wenige Restkarten. Überhaupt seien die Organisatoren mit der Karten-Nachfrage sehr zufrieden, sagt Sprecherin Kathrin Singer. "Es lohnt jedoch auf jeden Fall nachzufragen, falls Karten nicht abgeholt werden oder Gäste tagesaktuell von außerhalb doch nicht anreisen (können)."

Wie bei den "großen" Festspielen, hält man an möglichst vielen Spielstätten fest. Gesellschaftshaus, Rathaus, Konservatorium. Telemann soll in die Stadt gebracht werden, hatte Carsten Lange im Vorfeld angekündigt. Vom 29. Oktober bis 1. November nun wird die Musik des Barockkomponisten mit einem halben Jahr Verspätung auf die Bühnen gebracht. Das Programm ist coronabedingt in Kleinbesetzung geplant – kein Problem für die Telemann-Experten. Kammermusikalisch kann man bei Telemann ja tief in die Noten greifen.

Alle Termine und Karteninformationen im Internet unter www.telemann.de