Bilanz der Festtage

Die diesjährigen Magdeburger Telemann-Festtage haben so viele Menschen begeistert wie noch nie zuvor. Trotz weniger Veranstaltungen im Vergleich zu 2016 seien erstmals mehr als 10 000 Besucher gekommen, teilten die Organisatoren am Sonntag mit.

Vor zwei Jahren seien es rund 8500 Gäste gewesen. „Der enorme Zuspruch und ein begeistertes Publikum bestärken uns in dem Vorhaben, das Musikfest ab 2021 jährlich zu veranstalten“, erklärte Carsten Lange, Leiter des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung, laut Mitteilung.

Vor allem international bekomme das Festival immer mehr Aufmerksamkeit. Es seien unter anderem Musikbegeisterte aus Skandinavien, Großbritannien und Japan gekommen.

Die 24. Festtage unter dem Motto „Voller Poesie – Telemann und die Literatur“ hatten am 9. März begonnen. Zu den rund 40 Veranstaltungen waren mehr als 400 Künstler und Wissenschaftler aus etwa 20 Ländern angereist.

Der Internationale Telemann-Wettbewerb, der im Wechsel mit den Festtagen veranstaltet wird, ist für den Zeitraum vom 9. bis 17. März 2019 vorgesehen. (dpa)

Magdeburg l Die 24. Magdeburger Telemann-Festtage hatten es in sich, boten sie doch dem Magdeburger Publikum innerhalb einer Woche in zweiundzwanzig Veranstaltungen fantastischen Hörgenuss. Eines der Höhepunkte war gewiss das Konzert „Oboe virtuos“ mit dem Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker Albrecht Mayer und seinem New Seasons Ensemble am vergangenen Samstagabend in der ausverkauften Magdeburger Johanniskirche.

Der Abend ließ einmal mehr über die Produktivität des in Magdeburg geborenen Komponisten staunen. Albrecht Mayer und die Damen und Herren des Orchesters lenkten mit ihren Interpretationen den Blick auf die schier unendliche Vielfalt und den Abwechslungs-reichtum von Telemanns Musik.

Abwechslungsreiches Programm

Flotte Tempi, rhetorische Eingängigkeit sowie eine intensive klangliche Leuchtkraft zogen sich durch das gesamte Programm.

Albrecht Mayer setzte durchgängig auf hohe Ensemblekultur, partnerschaftliches Miteinander und entspanntes, natürliches Musizieren. So schien bereits beim Concerto d-Moll (TWV 51:d2) der Oboen-Klang wie auf Streicherwolken zu schweben. Mayer zauberte mit Leichtigkeit, flog mit virtuosen Läufen und entfaltete im nächsten Moment das melancholische Ständchen eines Verliebten in einer wunderbaren Kantilene.

Auch das Konzert für Oboe d’amore, Streicher und Basso continuo TWV 51:G3 zog die Zuschauer in ihren Bann. In fast siebzehn Minuten entlockte Albrecht Mayer seiner „Oboe mit dem Liebesfuß“ eine solch farbenprächtige Klangsphäre, die die Einzigartigkeit dieses Werk voll zur Geltung kommen ließ. Wie er die Musik atmete, in sich aufnahm und mit seinem Instrument weiterführte – sei es im Dialog mit dem Basso continuo oder den Streichern - einfach großartig.

Das New Seasons Ensemble, allen voran Konzertmeister Peter Rainer, stand dem Maestro auf der Oboe in nichts nach. Es spielte frisch, temperamentvoll, sehr plastisch und differenziert. Das Publikum labte sich nicht nur in Antonio Vivaldis Concerto ripieno C-Dur für Streicher und Basso continuo RV 114 am feinen Klang und den ausgefeilten Details, hier sanft, dort kultiviert ausbrechend. Während Telemanns „Ouveture Burlesque de Quichotte“ agierte das Ensemble mit Witz und Spritzigkeit. Herrlich, wie der Zuhörer hier die fantastischen Träume um den Ritter mit der traurigen Gestalt nachvollziehen konnte. Don Quichotte wurde sanft geweckt, die Solo-Violine ließ seine Geliebte Dulcinea nur so dahinschmachten und ach, wie ironisch wirkten der büßende Sancho Pansa oder der Heimweg mit der klapprigen Rosinante und dem Esel!

Im Dialog mit der Oboe entfaltet Peter Rainer noch ein Bonbon: In Vivaldis Concerto B-Dur gestaltete er mit Mayer ein edles Zwiegespräch, wobei die Oboe zunächst eine Vorrangstellung einnahm und die Solo-Violine erst im Schlusssatz als gleichwertiger Partner glänzen konnte.

Der betörende Oboen-Gesang grub sich zum Abschluss während Alessandro Marcellos Concerto d-Moll für Oboe, Streicher und Basso continuo SF D935 regelrecht in die Sinne und wird lange nachwirken.

Mit einem „Betthupferl“ von Johann Sebastian Bach verabschiedeten sich Albrecht Mayer und sein Ensemble vom Magdeburger Publikum, das mit „Bravo“-Rufen und anhaltendem Applaus seine Begeisterung kundtat.