Kennen Sie das Magdeburger Theater?

Bettina Pesch: Ich kenne Karen Stone aus ihrer Zeit in Köln und war in den vergangenen Jahren immer mal wieder hier am Haus. Sie ist sehr offen und international. Das schätze ich sehr.

Sie leiteten lange Zeit das Dortmunder Theater. Ist es ähnlich aufgestellt wie das Magdeburger Haus?

In Dortmund gibt es keinen Generalintendanten. Dort ist die Geschäftsführende Direktorin das Oberhaupt des Theaters. In dieser Funktion habe ich mit den fünf Sparten-Direktoren eine Theaterleitung gebildet.

Es soll zum Schluss Meinungsverschiedenheiten gegeben haben.

Es war schwierig, weil die Sparten sich eifersüchtig beobachtet haben und ein Konkurrenzdenken entstanden ist, das ich für die Kunst nicht zuträglich finde.

Vielleicht hing Ihr Herz besonders an einer Sparte?

Nein.

Dienstlich nicht, aber wenn Sie privat ins Theater gehen?

Dann auch nicht. Ich finde Oper mit ihrem riesigen, sehr unterschiedlichen Repertoire immer wieder interessant, ich finde auch Schauspiel interessant, weil es sich dem Zeitgeist der Politik mehr zuwenden kann als die Oper. Ballett ist eine wunderbare Kunstform, weil Tänzer eine Geschichte mit dem Körper erzählen können. Und auch das Konzertwesen hat etwas ganz Eigenes. Ich liebe zeitgenössische Musik, ich liebe Barockmusik, ich mag Auftragskompositionen, aber die kann sich ein Theater heute kaum noch erlauben.

In Magdeburg gibt es das noch.

Ich weiß, das gehört zu dem Innovativen am Haus. Als Theater muss man sich heute sehr breit aufstellen. Wir müssen an das Publikum von morgen denken und junge Menschen ans Theater führen, ohne das Stammpublikum zu verlieren. Das ist ein Spagat. Dafür muss man immer wieder Neues wagen.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil definieren?

Ich bin kommunikativ und sehr offen. Vor Entscheidungen will ich unbedingt das Team mitnehmen. Wenn es dann aber Entscheidungen zu fällen gibt, werden sie gefällt.

Sie waren seit 2006 am Theater Dortmund in der Chefposition. Sie haben keine Probleme damit, sich jetzt wieder unterordnen zu müssen?

Nein, ich weiß, dass Karen Stone den Diskurs und das Gespräch sucht.

Sie haben unter anderem an den Opernhäusern in Bonn und Leipzig gearbeitet, waren Indendantin der Rundfunkorchester in Berlin, arbeiteten für das Schleswig-Holstein Musikfestival. Sehen Sie bei so viel Berufserfahrung Magdeburg als Herausforderung?

Ein Theater muss mit dem Publikum arbeiten, wir müssen gemeinsam etwas entwickeln. Ich finde, Städte im Osten und ihre Theater stehen besonders dafür, dass sie sich immer wieder neu definieren müssen. Auch mit Blick auf die Kulturhauptstadt-Bewerbung müssen wir uns fragen, was wir entwickeln wollen. In Leipzig hatte ich sehr intensiv dieses Gefühl einer gemeinsamen Zielsetzung und ich hoffe, dieses Gefühl auch hier wieder zu erleben.

Das hört sich eher nach künstlerischen Sichten und nicht nach kaufmännischen Gesichtspunkten an. Sie sind aber für die Finanzen zuständig.

Für mich gehört beides zusammen. Wir von der kaufmännisch-administrativen Seite sind der Support der Kunst. Wir sind ihre Unterstützer. Wir müssem wissen, wohin die künstlerische Seite will, wo ihre Schwerpunkte liegen. Nur dann können wir gemeinsam erreichen, was wir wollen.

Im nächsten Jahr müssen die Theaterverträge mit dem Land verhandelt werden. Haben Sie schon Vorstellungen, wohin die Reise gehen könnte?

Ich habe erst einmal die Gespräche mit der Finanzbuchhaltung hier im Haus geführt und noch etwas Zeit für die Verhandlungen. Natürlich geht es mir um Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Wir werden sehen, ob und wie eine Zuschusserhöhung möglich sein wird. Auf keinen Fall darf eine Zuschussminderung diskutiert werden

Sind Sie schon umgezogen?

Noch nicht. Am Dortmunder Theater wurde in den vergangenen Jahren sehr viel gebaut und ich muss im August noch den Werkstattumbau schaffen. Als Geschäftsführende Direktorin bin ich Bauherrin.

In Magdeburg haben Sie ein baulich gut bestelltes Theater. Hier erwartet Sie Ihre ursächliche Aufgabe.

Und auf die freue ich mich. Sonst wäre ich Bauingenieurin geworden.