Magdeburg (dpa) l Auf der Bühne waren sie kleine Stars. Heute stecken sie in großen braunen Kartons. Einst brachten sie im Rampenlicht Zuschauer zum Lachen, Staunen und Mitfiebern. Heute lässt höchstens Bernd Frommhagen einen Lichtstrahl auf sie fallen. Im Fundus des Magdeburger Puppentheaters ist der 54-Jährige der Herr der Puppen aus mehr als 60 Jahren. Wohl keiner außer ihm habe jede einzelne der rund 3000 Figuren in den Händen gehabt – von den allerersten bis zu den Figuren der aktuellen Inszenierungen. Frommhagen, der sich selbst „Puppen-Bernd“ nennt, hat die Figuren sozusagen digitalisiert.

Fotografiert und vermessen

In den vergangenen vier Jahren hat er jede einzelne Figur fotografiert, vermessen, gewogen, beschrieben. Er hat ihr den Puppenbauer zugeordnet, die Spielzeit und die Inszenierung. „Ich habe alles digitalisiert und archiviert aus 320 Inszenierungen“, sagt Frommhagen. „Das Ziel ist, dass Besucher auch digital auf die Sammlung zugreifen können“, sagt Frommhagen und betont, noch sei das Zukunftsmusik.

Zwei Laptops, in denen sich alle Daten wiederfinden, stehen im Halbdunkel des Fundus. Zwischen exakt gestapelten Kartons gibt es nur neun schmale Gänge, durch die sich Frommhagen den Weg zu den Puppen bahnt. Damit er jede Figur findet, klebt auf den Kartons ein Zettel mit einem Foto und einer Kurzbeschreibung.

Bilder

Suche in Chroniken

Und doch gibt es noch Rätsel für „Puppen-Bernd“. So wie eine Maske, die neben einem Laptop liegt. Grüngesichtig, knollnasig, mit grobem orange-rotem Bart und buschigen Augenbrauen, wartet sie auf die Lösung. „Das ist eine der ganz, ganz wenigen, die nicht zuzuordnen sind.“ Er frage dazu alte Spieler und suche in Chroniken. Am Puppentheater Magdeburg hatte schon 2012 die Mitteldeutsche Figurensammlung geöffnet. In der Villa P. sind etwa 1000 Figuren zu sehen, die eben nicht mehr – wie 2000 andere – verpackt im düsteren Fundus stecken. Und selbst die können auf Besuch hoffen, von Zeit zu Zeit zumindest.

Mit einer Stippvisite im Fundus jedenfalls wirbt „Puppen-Bernd“ für eine neue Aktion zugunsten der Ausstellung. Das Puppentheater sucht „Freunde der Figurenspielsammlung“, die einen Jahresbeitrag von 35 Euro zahlen und damit die Ausstellung sowie die Restaurierung von Puppen finanzieren helfen. Bernd Frommhagen will die „Freunde“ dann ab April auch regelmäßig in sein Reich der Puppen führen. Er will Kisten öffnen, Figuren herausholen. Die einstigen Stars sollen für kurze Zeit wieder im Rampenlicht stehen.

Das Puppentheater teilt auf seiner Homepage mit, dass der Spielbetrieb des Hauses bis auf Weiteres eingestellt ist. Geschlossen bleibt auch die Figurenspielsammlung in der Villa P.