Musiktheater

Mit der „Idomeneo“-Premiere am 16. September eröffnet das Nordharzer Städtebundtheater seine Musiktheatersaison.

Weitere Premieren im Musiktheater in der Spielzeit sind: Operette „Der Bettelstudent“ am 21. September, Kinderstück „Hexe Hillary geht in die Oper“ am 31. Oktober, Verdis Oper „Ein Maskenball“ am 4. November, Operette „Frau Luna“ am 22. Dezember, die Komische Oper „Die verkaufte Braut“ am 24. Februar 2018 und die musikalische Komödie „Kiss me, Kate“ am 5. Mai. Zudem gibt es drei Premieren im Ballett und sechs Premieren im Schauspiel.

Frau Stanzel, Intendant Johannes Rieger hat „Idomeneo“ ein großes Meisterwerk genannt. Mozart selbst soll sie als seine beste Oper bezeichnet haben. Was zeichnet „Idomeneo“ aus?
Rebekka Stanzel:
Was Mozart unglaublich gelingt, ist es, einen Übergang von der Opera seria zu schaffen zu dem, was er später in den Da-Ponte-Opern zur Perfektion bringt: Idomeneo ist schon nicht mehr die reine Trennung Handlung gleich Rezitativ, Arie gleich Affekt. Vor allem, scheint mir, verwendet er die Musik ganz anders.

Wie verwendet er sie?
Es gibt in „Idomeneo“ immer die Verbindung zwischen dem Seelenbild und den Emotionen einer Person und der Musik, aber beides ist noch einmal gekoppelt mit anderen Elementen, zum Beispiel dem Wetter. Es ist eine Sturmoper - im Innen und im Außen. Die Wellen schlagen hoch – vor allem für Idomeneo und Elektra. So wird Elektra für mich zum Beispiel im positivsten Sinn zu einer Wetterhexe, deren innerer Aufruhr auch im Außen einen Sturm losbrechen lässt.

Warum wird „Idomeneo“ so selten gespielt?
Der Stoff ist nicht ganz leicht zu erzählen. Es gibt mehrere Stränge, die nebeneinander herlaufen und sich eher umschlingen als verknüpfen. Es geht eben weniger um einen Handlungsverlauf, als um innere Entwicklungen. Ich hatte und habe immer noch großen Respekt vor der Oper, vor allem, weil dieser typische „eine“ Handlungsfaden fehlt. Gemeinsam mit Johannes Rieger haben wir aber, denke ich, eine gute Strich-Fassung gefunden, mit der sich die Geschichte stringent erzählt.

Wie groß ist trotzdem die Herausforderung für das hiesige Theater, zum Beispiel die großen Chorszenen zu bewältigen?
Das ist rein zahlenmäßig eine Herausforderung. Eine Szene zum Beispiel ist doppelchörig angelegt, da hat das Halberstädter Haus extra eine Fassung gemacht, damit sie singbar wird, weil einfach nicht genug Leute da sind. Was die Damen und Herren von Chor- und Extrachor da leisten, ist schon toll.

„Idomeneo“ steht für Emotionen. Ein Vater soll seinen Sohn töten.
Ja, diese Oper lebt Emotionen. Unser Ausgangspunkt war, dass wir alle als Gestrandete sehen. Jeder ist irgendwo auf dieser Insel Kreta angeschwemmt worden und somit vom Meer umspült. Es gibt keine Sicherheit, auch seelisch nicht. Und dann hat man diesen Idomeneo, der in einem Moment von Todesangst ein Versprechen abgibt, das nicht für seine Werte steht. Er ist in Seenot, will gerettet werden und verspricht dafür jenen zu opfern, der ihm zuerst am Strand begegnet. Das ist dann sein Sohn. Idomeneo wird innerlich fast zerrissen zwischen diesen Werten: der Liebe eines Vaters, der Treue angesichts eines gegebenen Versprechens, den Verpflichtungen eines Herrschers. Er schwankt, kämpft mit sich und kommt einfach zu keinem Entschluss - menschlich nachvollziehbar, moralisch das, was wir alle jederzeit gerne bewerten. Aus der Ferne andere zu be- und verurteilen ist ja leicht.Diese Zerrissenheit macht diese Oper aus.

Es gibt im Libretto viele Spielorte. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Ausgehend von dem Gestrandetsein gibt es bei uns einen Seelenraum, also einen einzigen Ort, der durch die Menschen verändert wird. Wir sind am Strand als einem Zwischenraum zwischen „Fest“ und „Fließen“, sozusagen gleichzeitig über und unter Wasser. Damit spielen wir auch in den Kostümen, die aussehen, als ob sie mit Algen und Korallen bewachsen sind. Es ist ein Vexierbild von Insel und Atlantis.

Ein Vater, der König ist, und aus Schuld seinen Sohn, den Prinzen, umbringen soll – was kann uns die Oper heute sagen?
Ich kann da nur für mich sprechen. Ich denke, dass es wichtig ist, sich sich selbst zu stellen, auch den eigenen Ängsten. Diese Oper hat sehr viel mit inneren Wertekonflikten zu tun, ich meine diesen Konflikt zwischen den verschiedenen Rollen im Alltag, die wir ausfüllen müssen, und dem eigenen Gefühl. Jeder von uns kennt das. Ich bin mit einiger Unsicherheit in die Inszenierung gegangen. Diese große Oper, dieser große Stoff, und dann war ich sehr überrascht, wie weich sich alles ineinandergefügt hat. Ich habe mich auch von den Darstellern des Theaters tragen lassen und mich auf so manches eingelassen. Ich bin selten so frei geschwommen.

Premiere ist am 16. September im Theater Quedlinburg. Weitere Vorstellungen in Halberstadt sind am 22. September, 24. November und 15. Dezember. Karten über Theaterkasse Halberstadt 03941/696565.