Magdeburg l Gisela Begrich, die Grande Dame der Theatergruppe, kann sich noch gut an „Trink‘ wir noch ein Tröpfchen“ erinnern. Es war die erste Produktion der freien Theaterleute um den Schauspieler und Kabarettisten Bernd Kurt Goetz.

Damals, 1993, gab es das Stück im Innenhof der Galerie Süd zu sehen. In den Jahren danach brachte die Theatercompagnie immer wieder Magdeburger und mitteldeutsche Geschichte auf die Bühne. „Adelheid und ihre Kaiser“, „Die Geschichte Magdeburgs in einer Vorstellung“, „Editha My Love“, „Bördefaust“, der so erfolgreiche „Mitteldeutsche Jedermann“. Zur 800-jährigen Geschichte des Magdeburger Domes 2009 schrieb Goetz das Stück „Zum Himmel hoch“. Begrich hatte es mit zehn Darstellern für den Innenhof des Magdeburger Domes inszeniert. Christoph Deckbar, der schon 1995 zum Team gestoßen war, komponierte und arrangierte die Musik. Es war das erste Sommertheater im Domgarten und das erste unter neuem Namen: Compagnie Magdeburg 09. Zehn Jahre ist das jetzt her.

Wenn Begrich zurückblickt, kann sie es kaum fassen, dass die von ihr mit ins Leben gerufene Compagnie Premiere ihrer 25. Inszenierung feiern wird – und ihres zehnten Open Airs. Geladen wird wieder in den malerischen Garten der Möllenvogtei unterhalb des gotischen Domes. Dort, versteckt hinter Mauern und einem noch erhaltenen Stadttor aus dem Jahr 1493, ist die Compagnie für ihre sommerliche Unterhaltung sesshaft geworden. Seit 2014 schon ist eine der ältesten Gartenanlagen Spielort für ihre Art Erzähltheater mit Liedern.

In diesem Jahr sind dort „Die Räuber“ unterwegs. Wer Goetz kennt, weiß, dass er sich Schillers Werkes bedient, aber das Stück dann doch ein völlig neues wird. Compagnie-kundige Besucher haben in den vergangenen Jahren schon mehrfach erfahren dürfen, wie Klassiker wie „Macbeth“ oder „Hamlet“ eine Goetz‘sche Neuinterpretation erfahren. Und so wird aus Schillers Drama das Stück „Räuber 2.0 oder Auch Scheitern will gelernt sein“. Besucher erleben nicht das 18., sondern das 21. Jahrhundert und Weltliteratur mit Amüsement-Faktor.

Große Crew mit 13 Leuten

Für das Stück stehen 13 Leute auf der Bühne, Begrich spricht von der bisher größten Crew. Mit dabei sieben Schauspieler und – auch dafür ist die Compagnie bekannt – sechs Bürger der Stadt. Vom Abiturienten bis zum Geschäftsmann werden Laienschauspieler in die Produktion eingebunden. Das Darstellerensemble formiert sich Jahr für Jahr neu. Bewerbungen gibt es zuhauf.

Die Hauptrollen übernehmen Profis, überhaupt ist die Compagnie-Crew komplett mit an Bord: Goetz in Personalunion als Autor, Regisseur und Schauspieler, Deckbar als Komponist, Bühnenbildnerin Maria Schorr und Ekkehard Schwarz, den man getrost als Inventar bezeichnen kann. Schwarz spielt schließlich bereits zum 13. Mal mit.

Premiere ist am 8. Juli, einem Montag. Die Compagnie setzt nicht zum ersten Mal auf den kulturell ereignisarmen Wochentag – auch, weil sich der Blick Richtung Domplatz richtet. Da endet einen Tag zuvor das vielbeworbene Domplatz-Open-Air des Magdeburger Theaters. Eine Parallelität der Aufführungen wäre für die freie Theatergruppe in der Nachbarschaft nicht machbar.

Gespielt wird vom 8. bis 27. Juli täglich außer sonntags um 20.30 Uhr. Tickets auch an der Abendkasse im Garten der Möllenvogtei Magdeburg.