Magdeburg l „Sommernachtstraum“ und Musik gehören im Bewusstsein vieler Theaterbesucher zusammen, man denke nur an Mendelssohn. Für die hiesige Crew schufen die Musiker Maren Kessler und David Schwarz gemeinsam mit Cornelia Crombholz und David Schliesing auf der Grundlage des Originals (Übersetzung Werner Buhss) ein Musical weitab vom gängigen Mainstream des Genres. Dem Inszenierungsteam steht dafür ein musikalisches Ensemble zur Verfügung: Die Band bilden neben David Schwarz und Andreas Gentzsch die Schauspieler Oliver Niemeier, Ralph Opferkuch, Thomas Schneider und Burkhard Wolf, die zugleich im Stück agieren. Und alle Männer und Frauen singen wunderbar.

Rockige und poppige Songs

Die Musiker Kessler und Schwarz betten den Abend auf einen Klangteppich und bedienen sich verschiedener Stilrichtungen: Rockige und poppige Songs, es wird gerappt, und Synthesizer-Klänge sorgen für Romantik.

Shakespeare erzählt eine erbarmungslose Geschichte: Ein Vater fordert den Tod der Tochter für Ungehorsam. Liebende Frauen müssen erfahren, wie wenig wertgeschätzt sie sind. Eine Königin wird gedemütigt. Aber der große Brite schildert die Geschehnisse mit solch heiterer Leichtigkeit, dass die Zuschauer einen Sommernachtstraum erleben und keinen Albtraum. Diesen Weg wählen auch Cornelia Crombholz und die Komponisten. Musik und szenische Vorgänge verzahnen sich zu einem ästhetischen und inhaltlichen Ganzen.

Bühne als Drehscheibe

Die Bühne (Ausstattung Jan Hendrik Neidert, Lorena Diaz Stephens) beherrscht eine Drehscheibe, die Tempo und Beweglichkeit ermöglicht. Von Wald findet sich keine Spur, doch veränderliche Lichtstimmungen oder ein durchsichtiger Vorhang verwandeln nach Bedarf die Atmosphäre auch in nächtliche Zauberbilder.

Diese Optik und die clownesk geschminkten Akteure signalisieren: Wir spielen Komödie! – und das in modern anmutenden Kostümen, die sich an keine Mode andocken und die die Figuren dezent charakterisieren.

Im Umgang der Geschlechter sind Assoziationen zur Me­Too-Debatte nicht zu übersehen. Auch wenn die Damen, scheinbar durchaus emanzipiert, Stiefel tragen und Hosen. Theseus, der König, schleift die besiegte Amazone Hyppolyta geradezu hinter sich her und nicht weniger brutal gibt sich Oberon gegen seine Elfenkönigin (in den Rollen jeweils Antonia Sophie Schirmeister und Oliver Niemeier), von Zuneigung keine Spur: Da mag Titania lautstark und energisch ihre Ansprüche anmelden, durchsetzen kann sie sich nicht. Mittels Wunderblume wird sie vom Gatten einem Eselwesen ausgeliefert und gedemütigt. Auch im Verhältnis der jungen Athener Lysander (Uwe Dreysel) und Demetrius (Lukas Paul Mundas) steht das sexuelle Verlangen stark im Vordergrund, da bedarf es keines Pucks (Carmen Steinert). Einzig Helena (Maike Schroeter) und Hermia (Léa Wegmann) zeigen Liebessehnsucht, aber wird die erfüllt?

Immer mit Humor

Nie verliert die Regie den Humor des Stücks aus den Augen. Das ist das Plus der Inszenierung: Sie schildert ungeschönt und genau die Beziehungen zwischen den Menschen, aber sie gewinnt mittels Musik und Gesang, mittels Tempo und komödiantischer Zuspitzung den Vorgängen, wo immer es geht, lustvolle Heiterkeit ab. Die Schauspieler singen, springen, tanzen, ja klettern und rennen mit ungebremster Spielfreude. Und dann gibt es da die Handwerker! Es ist eine Lust, ihnen zuzusehen. Da sind mit Ralph Opferkuch, Thomas Schneider, Matthias Rheinheimer, Daniel Klausner, Burkhard Wolf Komödianten am Werk, die dann Tutus überstreifen und auch die Elfen im Stück geben. Kippt nun alles in Klamotte? Mitnichten, hier dominiert nur der Spaß!

Ja, der „Sommernachtstraum“ des Magdeburger Schauspielensembles ist traumhaft.