Magdeburg l Magdeburg hat in den 1920 Jahren einen ungeahnten Boom des Neuen Bauens erfahren. Bis heute steht die Landeshauptstadt mit ihrem Siedlungsbau für Architektur-Moderne. Höhepunkt des visionären Schaffens war die Deutsche Theater-Ausstellung. Vor 90 Jahren wurde sie eröffnet.  

„Minister in und außer Amt, Staatsmänner aus den verschiedensten deutschen Ländern und eine solche Fülle von Vertretern der Behörden, des Theaters, der Dichtung, der Presse, dass ein auch nur andeutungsweises Aufzählen fast unmöglich wäre.“ Es ist ein Satz aus einem Beitrag auf der Seite 1 der Magdeburgischen Zeitung. Erscheinungstag: Sonntag, 15. Mai 1927. Sonderbeilage zur Eröffnung der Theaterausstellung.

Begleitet wurde die Eröffnung von einer „unerwünschten Mischung aus Regen, Schnee und Graupeln“. „Das Wetter“, heißt es weiter, „war auch nicht so ganz fertig geworden.“ Angespielt hat der Redakteur auf die Stadthalle, die sich zwar schon unverhüllt gab, aber erst Ende Mai eingeweiht wurde. Auch die Vorführungsbühne war noch nicht betriebsbereit. „Frei stand der Turm“ wurde geschrieben.

Insgesamt, so ist zu lesen, habe es begeisterte Worte der Anerkennung gegeben – von Gästen aus aller Welt. Allein die Liste für die Pressevorbesichtigung zählt 294 Journalisten auf. Zeitungen nicht nur aus ganz Deutschland schickten Korrespondenten, auch die „New York Times“ und „The Chicago Daily News“.

Mehr als 200 Tagungen und Kongresse

Magdeburg hatte die Theaterwelt geladen. Zwischen Mai und Oktober 1927 war die Stadt Gastgeber für Künstler, Kritiker, Theaterdirektoren, Ensembles. Inszenierungen und Ausstellungen wurden auf den Bühnen gezeigt und gaben Einblicke in die Theaterkunst und in verschiedenste Gewerke. Mehr als 200 Kongresse und Tagungen soll es gegeben haben. Besucherzahlen sind nicht überliefert.

Tatsächlich hatte es Magdeburg geschafft, mit diesem visionären Projekt die Theaterwelt mit jeder Menge Prominenz auf sich aufmerksam zu machen. Innerhalb von nur zwei Jahren hatte die Stadt Ausstellungs- und Bühnenräume auf dem Areal des Stadtparkes gestemmt. Vom 61 Meter hohen, von Albinmüller geschaffenen und heute nach ihm benannten Turm, konnten die Gäste bei einem Kaffee auf das Areal blicken: Probebühne, Ausstellungshallen, Ehrenhof, Säulengang.

Nur wenig erinnert heute an den einstigen Glanz. Nicht viel hat den Zweiten Weltkrieg überstanden. Der Aussichtsturm, das Pferdetor, Lichtstelen erinnern noch an die Theaterausstellung. Die schwer beschädigte Stadthalle, geschaffen von Johannes Göderitz, wurde wieder aufgebaut.

Vor fünf Jahren, es war das 85. Jubiläum der Theaterschau, wurde mit einer Ausstellung und weiteren Projekten versucht, den Geist der Zeit aufleben zu lassen. Zwischen Stadthalle und Adolf-Mittag-See erinnerten überdimensionale Fotografien an die einstige großzügige Bebauung. Der 90. Jahrestag wird still verlaufen.