Magdeburg l Fünf Jahre an einem Ort reichen ihr aus, hatte Cornelia Crombholz gesagt, als sie sich entschied, die Leitung des Schauspielhauses Magdeburg abzugeben. Sie wollte wieder mehr Zeit haben für eigene Inszenierungen. Jetzt erschüttert die Nachricht von ihrem Tod die hiesige Theaterwelt. Cornelia Crombholz, die bis zum Sommer das Schauspiel der Landeshauptstadt leitete, ist mit nur 53 Jahren an Krebs gestorben. Das bestätigte das Theater Magdeburg.

Die gebürtige Hallenserin hatte 2014 die Leitung des Schauspiels übernommen. Zuvor arbeitete sie mehr als zwei Jahrzehnte als freie Regisseurin an etlichen Bühnen, doch dann war der Wunsch da, sich an ein Haus zu binden, die Leitung zu übernehmen.

Die Schauspieldirektion war Neuland für sie. Neuland hat sie in ihrer Magdeburg-Zeit immer wieder betreten. „Ich liebe Experimente“, sagte sie in einem Volksstimme-Interview. Peter Handkes Werk „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ war eines dieser Experimente. Es ist ein Stück ohne Sprache.

Wer mit Cornelia Crombholz zu tun hatte, der spürte schnell diese Freude des Einlassens auf Wagnisse. Von ihr stammt der Satz: „Ich will keinen Ah-ja-das-kenn-ich-Impuls haben.“ 2014, als sie anfing, hatte sie mit der Uraufführung des Erik-Neutsch-Wälzers „Spur der Steine“ den Nerv des Publikums getroffen. Das überregionale Feuilleton schaute nach Magdeburg, ein Jahr später erneut, als sie in eigener Regiearbeit den Roman „Kruso“ auf die Bühne brachte. Zur Uraufführung im Herbst 2015 saß Buchpreisträger Lutz Seiler in der ersten Reihe. Er lobte: „Die Umsetzung gefällt mir ausgezeichnet.“

Crombholz hat Schauspiel an der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ studiert und arbeitete als Schauspielerin, bevor sie ein Regiestudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolvierte. Sie hatte unter anderem am Berliner Ensemble, an der Baracke des Deutschen Theaters Berlin, am Bayerischen Staatsschauspiel München inszeniert. Am Schauspielhaus Graz war sie lange Jahre Hausregisseurin. Als Crombholz nach Magdeburg wechselte, hatte sie sich Kontinuität gewünscht und einen Ort, den man mitgestalten kann. Zum Schauspielhaus sagte sie: „Wir sind und bleiben ein Haus, das sich dem sinnlich politischen Theater verschrieben hat, das fordernd und unterhaltend bleibende, gemeinsam gemachte Momente schaffen kann.“ In den fünf Jahren, in denen sie in Magdeburg arbeitete, wurde das Schauspielhaus mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne“ als „Bestes Theater abseits der Zentren“.

Crombholz hat sich auch vor Musiktheater-Regie nicht gescheut. 2011 schon hatte sie mit „Jenufa“ ihr Operndebüt in Magdeburg gegeben. Vier Jahre später brachte sie dort „Die Braut von Messina“ als deutsche Erstaufführung auf die Bühne. Von Generalintendantin Karen Stone war sie wieder in dieser Spielzeit gesetzt am Opernhaus. Crombholz sollte die Weill-Brecht-Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ inszenieren. Das Stück hat im März 2020 anlässlich des Kurt-Weill-Festes Premiere.

Am 15. November wird Cornelia Crombholz beerdigt.