TV-Tipp

Unterhaltsam und behutsam: „Wir bleiben Freunde“

Eine charmante Frau ist frisch verliebt, die Kinder sind aus dem Haus. Alles gut - bis der Ex-Mann wieder auftaucht. Eine ZDF-Komödie.

Von Klaus Braeuer, dpa
Dorothee (Ulrike Kriener) ist nicht glücklich darüber, dass Volker (Henry Hübchen) nun auf dem Sofa Quartier bezogen hat.
Dorothee (Ulrike Kriener) ist nicht glücklich darüber, dass Volker (Henry Hübchen) nun auf dem Sofa Quartier bezogen hat. Georges Pauly/ZDF/dpa

Berlin - Ein Ehepaar hat sich vor Jahren getrennt, sie wohnt weiter im schönen Haus in Kiel. Beide haben jeweils neue Partner. Die Kinder führen ihr eigenes Leben. Doch dann zieht der Ex-Mann wegen eines Notfalls wieder ein, zumindest vorübergehend.

Ob das gut gehen kann, das zeigt die Komödie „Wir bleiben Freunde“, zu sehen am Pfingstsonntag um 20.15 Uhr im ZDF.

Hals- und Beinbruch: Der ach so sportliche Volker Heitmann (Henry Hübchen) bricht sich ausgerechnet beim Radfahren nicht nur das rechte Bein, sondern auch gleich den rechten Arm. Da er im vierten Stock ohne Fahrstuhl wohnt und seine Freundin gerade auf und davon ist, erbarmt sich seine Ex-Frau Dorothee (Ulrike Kriener) und nimmt ihn bei sich auf - nur für einige Tage natürlich. Denn dann möchte sie mit ihrem neuen Freund, dem Friedhofsgärtner Moritz Fichte (Marcel Hensema), eine Reise nach Südengland machen. Doch es kommt anders als gedacht.

Autorin Gabriele Kreis (74, „Tonio & Julia“) und Regisseur Hansjörg Thurn (61, „Wilsberg“) legen einen unterhaltsam und sehr behutsam inszenierten Film vor. Er steckt voller lebenskluger Dialoge wie „Ich hab' Dich gelangweilt.“ - „Ich nenne das Materialermüdung.“

Unverhofft tauchen alte Gefühle bei dem vertrauten Paar wieder auf, die die neueren Empfindungen zu verdrängen drohen. Beide überziehen sich mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Es rächt sich, dass sie ihre Trennung nicht vollends vollzogen und sich haben scheiden lassen - sie wohnt ja noch immer im gemeinsamen Haus.

Die Hauptrollen in diesem Film sind gut besetzt. Ulrike Kriener (66, „Kommissarin Lucas“) spielt eine charmante und liebenswerte Frau, die offensichtlich eine große Schwäche hat: Sie kann einfach nicht Nein sagen. Auch deshalb muss sie erkennen, dass ihr Ex-Mann ihr ganzes Leben bestimmt hat und das nun wiederum zu bestimmen versucht.

Henry Hübchen (74, „Tage des letzten Schnees“) gibt seine Figur ebenso charmant, nur dass er ein ziemlicher Macho ist, der sich gerne bedienen lässt. Natürlich findet er sein jetziges Dasein auf dem Sofa samt Urinflasche und Thrombosespritze ganz schrecklich - auch wenn seine Enkelin sagt: „Opa steht unter Artenschutz.“

Das klingt zwar hübsch, aber am Ende steht Dorothee nicht nur vor der ohnehin nicht einfachen Entscheidung „er oder er“, sondern vielmehr vor der Frage, ob sie „zu sich selbst“ ziehen möchte - und damit zu einem wirklich neuen, selbstbestimmten Leben.J