Dessau l Kleine Anstehschlange am Ticketschalter im einst von Bauhaus-Gründer Walter Gropius entworfenen Schulgebäude. Einzelbesucher lassen sich beraten. Doch lieber das All-in-One-Ticket? Das kostet 15 Euro. Man kauft den Eintritt in alle Bauhausbauten. Gültigkeit: drei Tage. Wer sich intensiv beschäftigen will mit den originalen Gebäuden – zwölf sind öffentlich zugänglich, vieles wurde saniert –, braucht allein des Weges wegen Zeit. Die Siedlung Törten mit dem Konsumgebäude und dem Stahlhaus liegt im Süden, das Kornhaus im Norden an der Elbe, das Arbeitsamt von Gropius im Zentrum.

Die Muss-Variante in all dem Welterbe: das einstige Schulgebäude in der Gropius-Allee und das sanierte Ensemble der Meisterhäuser. Beides liegt nicht weit auseinander.

Die Baukästen der Meisterhäuser

Reges Besucher-Leben im Schulgebäude mit der bekannten Glasvorhangfassade und seinem angrenzenden Atelierhaus. Pfeile weisen einen Rundweg. Der führt durch die einstige Webereiwerkstatt, die Kantine, den Architektursaal, den Gymnastikraum. Vieles wurde geöffnet zum Jubiläum. Filme aus historischem Bildmaterial und Fotografien erinnern an die Geschichte des Gebäudes in den 1920er Jahren, zeigen, wie gewebt, getanzt und Sport getrieben wurde. Sport war Teil des Lehrplanes. Das Bauhaus stand für das Zusammenspiel von Lernen, Arbeiten und Wohnen.

Bilder

In den lichtdurchfluteten Fluren stehen Gruppen zusammen. Es gibt etliche Führungen. Wer eine mitmacht, sieht auch die Aula, die Bühne und das historische Direktorenzimmer. Das Ateliergebäude mit den 28 Wohnungen kann ohne Führung nur von außen betrachtet werden. Immerhin. Es ist beliebtes Fotomotiv. Das strahlende Weiß (bis März liefen die Arbeiten an der Fassade) blenden bei Sonnenlicht in den Augen.

Nicht weit entfernt, in einer kleinen Kiefernsiedlung, wohnten die Meister des Bauhauses mit ihren Familien. Auch dieses Ensemble entwarf Gropius. Es wurde herausgeputzt, noch bis Ostern waren mehrere Doppelhäuser zum Ärgernis so manchen Besuchers wie eine Christo-Arbeit verhüllt.

Die Idee, aus Einzelbaukörpern nach einem Baukastenprinzip Wohnraum zu schaffen, wird im Doppelhaus der Künstler Wassily Kandinsky und Paul Klee erklärt. Das war für eine aufwendige, 1,5 Millionen Euro teure Sanierung und Rekonstruktion lange geschlossen und erstrahlt in neuer Farbigkeit. Das filmische Führungskonzept geht hier weiter und erzählt von einstiger Zerstörung. Erst der Krieg, dann die Vernachlässigung zu DDR-Zeiten. Heute steht der Besucher im großen Atelier von Klee, der dort 2000 Arbeiten schuf, und sieht Fotos, die an die 1920er Jahre erinnern. Gleich nebenan im legendären Doppelhaus wohnte der Maler Kandinsky. Seine Küche, seine Wohnung leben in Filmausschnitten auf. Man staunt über all das Praktische: Einbauschränke, Abstellplatte, Steckdosen in der Erde. Auch der Haushalt wurde reformiert.

Für den Besucher erschließen sich nicht alle Zimmer so gut. Es gibt keinen Lageplan im Haus. Welcher Raum wurde wofür genutzt? Ein Flyer aber hilft bei der einst von Gropius angedachten Spiegelung und Drehung der „Baukästen“.

Das Haus von Musche/Schlemmer ist nicht zugänglich. Dort wohnen – seit mehr als 80 Jahren – wieder Künstler. Es sind Bauhaus-Residenzler. Ihre Arbeiten sind im Ausstellungsraum im Gropius-Haus zu sehen. Auch das ist an diesem Tag gut besucht.

Wer intensiv erkundet, braucht mehrere Stunden allein für diese Minimal-Variante. Wem das reicht, der kann zum Kornhaus fahren. Ein Ticket braucht man nicht. Es ist ein Restaurant. Von dem einst von Carl Fieger geschaffenen Ausflugslokal geht der Blick über die flache Elbe. Der Elberadweg vor der Tür ist mit neuem Verlauf gekennzeichnet. Radler werden über die Meisterhäuser und das Bauhaus hin ins Zentrum geführt. Das neue Museum ist ausgewiesen. Kein Wort, dass es erst Anfang September eröffnet wird.

Bei einer Rast im Kornhaus kann man Weiteres planen. Bauhaus-Welterbe gibt es in Dessau noch zuhauf. Und das nächste Welterbe liegt mit dem Wörlitzer Gartenreich direkt vor der Tür.